Montag, 30. Januar 2023

Archiv


Südafrikas Kampf gegen die Nashorn-Mafia

Das Horn auf der Nase ist der Namensgeber - und bringt die Tiere in Gefahr. Wilderer töten sie, um das Horn zu nutzen, in einigen Ländern Asiens sagt man ihnen Wunderwirkungen nach. Nationalparks wehren sich mit einer neuen Idee.

Von Claus Stäcker | 15.09.2011

    Wieder waren sie schneller, die Wilderer. Haben das Breitmaulnashorn im exklusiven Privatreservat Aquila niedergestreckt, ihm mit einer Kettensäge das Horn abgetrennt und das Tier verbluten lassen. Der Tierarzt versucht noch sein Bestes, kann am Ende aber doch nur noch die letzten Atemzüge bezeugen. 333 Rhinozerosse waren es 2010. Dieses Jahr, trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen, schon 280. Bis zu einer Million Dollar werden in Asien für jedes angeblich wunderwirkende Horn gezahlt. Faan Coetzee vom Endangered Wildlife Trust.

    "Es muss mehr Druck auf die Zielmärkte Thailand, Vietnam und China ausgeübt werden, damit sie endlich mehr tun gegen den Schmuggel."

    Im Krüger Nationalpark hat eine Spezialeinheit dieses Jahr schon 15 Wilderer getötet, die meisten aus dem Nachbarland Mosambik. Im Umfolozi Park unweit von Durban erschossen Ranger versehentlich einen eigenen Mann, als sie Wilderern nachstellten. "Es ist wie im Krieg", sagen Nashorn-Besitzer wie Searl Derman im Aquila-Park, zwei Autostunden von Kapstadt oder Ed Hern vom Rhino Lion Park nahe Johannesburg. Hern hat nach dem Tod dreier eigener Nashörner mit einem Tierarzt monatelang an der bisher radikalsten Lösung gefeilt: Das Horn vergiften, um es für den Konsumenten wertlos zu machen. Der Erfinder, Veterinär Charles van Niekerk:

    "Das Horn, das in Umlauf kommt, wird durch bestimmte Substanzen erkennbar und hat für den Konsumenten einige Nebenwirkungen. Die Käufer sollen wissen, dass dieses Horn nicht für den Konsum geeignet ist."

    Für das Tier angeblich ganz ungefährlich, wird in das Horn eine geheime Mischung aus Insektenbekämpfungsmitteln und Farbstoffen injiziert. Unterm Röntgenapparat ist das Schmuggelgut dann sofort zu erkennen. Und wer es als Pulver trotzdem zu sich nimmt, stellt fest, dass es statt Wunder nur Brechreiz, Krämpfe und Übelkeit bewirkt. - Ed Hern glaubt, dass das besser ist , als den Riesen prophylaktisch das begehrte Horn abzusägen, wie das einige machen, oder gar den Verkauf von legalen Horn-Beständen zu erlauben, um den Markt kontrollieren zu können, wie es andere vorschlagen.

    ""Wir wissen, dass das eine extreme Maßnahme ist. Aber man muss voran gehen, wenn man etwas erreichen will. Es bringt doch nichts, zu warten, bis das nächste Tier getötet ist. Man muss das Töten stoppen.""

    Auf einer Krisensitzung des Rhino Rescue Projects boten die Nashornretter ihren Giftcocktail nach erfolgreicher Testphase jetzt allen Betroffenen zur Nachahmung an. Die Wirkung auf die Nashorn-Mafia wird sich bald zeigen.