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StartseiteSport am WochenendeSymbolische Wahl16.11.2010

Symbolische Wahl

Der Australier Coates wird neuer Präsident des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) in Lausanne

Der Australier John Coates wird Präsident des Internationalen Sportgerichtshofs Cas. Bei der Wahl in Lausanne schlug er den Kanadier Richard Pound aus dem Feld. Beide Kontrahenten sitzen im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), doch damit enden die Gemeinsamkeiten.

Von Thomas Kistner

Scheiterte erneut bei der Wahl zum CAS-Präsidenten: Richard Pound. (AP)
Scheiterte erneut bei der Wahl zum CAS-Präsidenten: Richard Pound. (AP)

Denn während Pound acht Jahre lang als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur, kurz Wada, einen Ruf als unerbittlicher Betrugsbekämpfer erwarb und sich mit vielen Funktionären anlegte, blickt der 60-jährige Australier auf eine dubiose Vergangenheit zurück: Denn Coates, der seit 1990 auch Chef des australischen Olympiakomitees ACO ist, stand Ende der 90-er Jahre im Zentrum der olympischen Korruptionsskandale.

Damals hatte sich der künftige Cas-Präsident als Entwicklungshelfer der besonderen Art gezeigt. 1993, wenige Wochen vor der Kür seiner Heimatstadt Sydney zum Spieleausrichter 2000, war Coates durch zehn Länder Afrikas getingelt, die alle ein IOC-Mitglied besaßen. Dort besiegelte er bizarre Kooperationsverträge: Jedem Land wollte sein NOK 18.000 australische Dollar für die Athletenausbildung zahlen. Für den Fall aber, dass Sydney die Spiele holt, sollte rund das Zehnfache fließen.

Am Abend vor der Wahl in Monaco 1993 fädelte Coates überdies ein Essen mit den IOC-Vertretern aus Uganda und Kenia ein. Er bot ihnen je 35.000 US-Dollar Sondersolidaritätszahlung, gewissermaßen für den Fall, dass Sydney die Spiele kriege. Sydney gewann mit 45:43 Stimmen. Die Zahlungen, räumten die Australier später ein, seien von der tatsächlichen Kür Sydneys abhängig gemacht worden.

Das IOC fand bei seiner sogenannten Untersuchung1999 trotzdem nichts Unrechtes an den Vorgängen. Damals standen die Sydney-Spiele direkt vor der Tür. Insofern offenbart das Votum für Coates und gegen den unbequemen Kanadier Pound viel innere Logik. Pounds Nachfolger in der Wada ist übrigens auch ein Australier, der ehemalige Provinzpolitiker John Fahey. Unter ihm verkümmerte die Wada zu einer bedeutungslosen Untereinheit des betrugsverseuchten Weltsports.

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