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Synergien der Hilfswerke

Die Hilfsaktion "Brot für die Welt" fusioniert als Teil des Diakonischen Werks der EKD diese Woche mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED). Dies soll nicht nur Verwaltungskosten sparen, sondern auch Kompetenzen zusammenlegen und eine bessere Planung von Projekten ermöglichen.

Von Philip Banse | 12.06.2012

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" hat 2011 gut 56 Millionen Euro Spenden eingenommen. Die Direktorin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, ist mit den 56 Millionen Euro Spenden zufrieden:

"Das halten wir für ein sehr gutes Spendenergebnis. Wir sehen nichts von irgendeiner Spendenmüdigkeit – auch wenn sie oft herbei geredet wird."

Das Ergebnis liege über dem langjährigen Mittel, ist aber nur das Zweitbeste der letzten zehn Jahre. 2010 hatte Brot für die Welt noch 6 Millionen Euro mehr Spenden eingenommen. 2010 sei ein Ausnahmejahr gewesen, sagte die Brot für die Welt-Direktorin: Über das Bündnis "Entwicklung hilft" für Haiti und Pakistan seien sehr viel Millionen auch an Brot für die Welt geflossen:

"Wir haben auf diese Weise Sondermittel für Haiti und Pakistan gehabt, die wir regulär normal nicht haben. Unser zentrales Spendenaufkommen, das was wir direkt einwerben durch langjährige treue Spenderinnen und Spender und durch Gemeinden, das ist sogar leicht gestiegen."

Die Verwaltungskosten sind nach Angaben der Hilfsorganisation leicht gesunken: Von 100 Euro gehen vier für die Verwaltung raus. Erheblich gestiegen sind die Ausgaben für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Von 100 Euro gibt Brot für die Welt für die Außenwirkung gut acht Euro aus, ein plus von 33 Prozent.

Im nächsten Jahr soll bei der Verwaltung Geld gespart werden, sagte die Direktorin, denn Brot für die Welt fusioniert diese Woche mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst. Die neue Organisation "Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst" könne Projekte besser planen, Kompetenzen zusammenlegen und den Partnern vor Ort viel Arbeit und Geld sparen:

"Wir selber werden dadurch auch Mittel sparen, das ist auch klar. Wir haben aber nicht vor, in das neu aufgestellte Werk hineinzugehen mit Einsparungen an Personal im Bereich der Projekt- und Programmarbeit. Im Bereich der Verwaltung werden sich logischerweise auch Synergien ergeben, das ist das klar."

Wie viel Personal in der Verwaltung eingespart werden soll, sagt die Direktorin nicht.

Gut eine Woche vor der großen UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro, kurz "Rio plus 20", appellierte "Brot für die Welt" an die Bundesregierung, neue Allianzen zu schmieden für einen schnelleren Übergang hin zu einer Lebensweise, die Ressourcen schont und Energie spart.

Ambitionierte Länder und Regionen wie Deutschland und Europa müssten sich zusammenschließen mit Ländern wie Bangladesch, die unter dem Klimawandel bereits leiden, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel

"Nur wenn sie gemeinsam eine Allianz schieden, eine Allianz der Willigen, um dieses unschöne Wort mal zu nutzen, können wir davon ausgehen, dass der notwendige Druck aufgebaut wird, um die zögerlichen Schwellenländer wie Südafrika, China oder Indien und Brasilien an Bord zu holen. Und erst so entstünde auch ein Hebel, der genug Kraft entwickelt, um die notorischen Blockierer wie die USA, wie Russland, wie Kanada unter das gemeinsame Dach eines globalen, eines ambitionierten, fairen und völkerrechtlich verbindlichen Klimaregimes "zu zwingen" ist vielleicht ein starker Ausdruck, aber gemeint ist es schon."

In Rio müssten konkrete Maßnahmen und Fristen vereinbart werden. Die Institutionen der UNO müssten gestärkt werden, vor allem das UN-Umweltprogramm. Auch müssten die Subventionen für fossile Brennstoffe abgeschafft werden. Dafür müsse sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel persönliche einsetzen, fordert "Brot für Welt":

"Wir erwarten, dass die Bundeskanzlerin nach Rio fährt, sich da persönlich engagiert und dadurch ein Zeichen setzt für die Bedeutung dieser Konferenz und für die Bedeutung des Erfolgs dieser Konferenz. Wir hoffen, dass sie sich noch dazu entschließt."

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