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SyrienEin Krieg, viele Konflikte

Zerstörte Gebäude in Aleppo am 29. Oktober 2015 (imago stock & people)
Zerstörte Gebäude in Aleppo am 29. Oktober 2015 (imago stock & people)

Fast fünf Jahre dauert der Krieg in Syrien bereits. Eine Lösung ist schwierig, denn in dem Konflikt wird von mehreren Seiten gekämpft. Und außerhalb des Landes erschweren diplomatische Konflikte die Suche nach Frieden. Ein Überblick über den Vielfrontenkrieg.

Akteure und Gruppen in Syrien:

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad: Anhänger des Regimes kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen.
Syriens Armee hat aber im langen Krieg sehr gelitten. Assad wird für den Einsatz von Bomben und Waffengewalt gegen die Bevölkerung kritisiert, viele Länder und die Opposition machen seinen Rücktritt zu einer Bedingung für einen Neuanfang für das Land. Assad lehnt einen Rücktritt jedoch ab.

Hisbollah: Die schiitische Gruppierung aus dem Libanon kämpft an der Seite der Regierungstruppen, sie wird vom Irak unterstützt.

Rebellen: Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten und gilt als stark zersplittert. Die größte Gruppe ist die Freie Syrische Armee (FSA), die sich als bewaffneter Arm der Opposition versteht.

Der sogenannte Islamische Staat (IS): Die Terrormiliz ist neben der Regierung die stärkste Kraft in Syrien geworden und hat mittlerweile eine dominante Präsenz im Norden des Landes, wo sie die Stadt Rakka hält. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete, auch im benachbarten Irak ist der IS stark verbreitet. Die Organisation verübte Terroranschläge in Syrien und im Irak, aber auch in anderen Ländern wie im November in Frankreich. Die Extremisten mussten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden hinnehmen, etwa im Kampf um Kobane.

Die Al-Nusra-Front: Sie ist ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida und war zwischenzeitlich die zweitgrößte Oppositionsgruppe nach der FSA. Der Sicherheitsrat der UNO hat sie als Terrororganisation eingestuft. Sie kämpft wie der IS für ein sunnitisch geprägtes Kalifat.

Kurdische Gruppierungen: Die ethnische Minderheit der Kurden verhielt sich lange weitgehend neutral. Als der IS erstarkte, griff er aber auch die kurdischen Gebiete an, es kam zu erbitterten Kämpfen, vor allem in der Stadt Kobane nahe der syrisch-türkischen Grenze. 

Weitere Minderheiten: Christen, Drusen und Jesiden leiden wie die gesamte Zivilbevölkerungextrem unter dem Krieg und mussten in großen Teilen ihre Heimat verlassen.

(dpa-infografik) (dpa-infografik)

 

Akteure auf diplomatischer Ebene:

Opposition: Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. Sie hat in Syrien jedoch wenig Einfluss. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad haben sich die verschiedenen Gruppen erstmals auf ein gemeinsames Papier geeinigt.

Die USA und der Westen: Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Deutschland. In den Konflikt ging Washington mit dem Ziel, Assad zu stürzen; damals gab es den IS noch nicht.

Russland: Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit dem IS verfeindet sind. Moskau unterstützt das syrische Regime. Das und die Angriffe auf die Opposition machen ein gemeinsames Vorgehen mit Russland für den Westen schwer.

Iran: Teheran ist als schiitisch geprägtes Land treuer Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten, das Land finanziert auch die Hisbollah-Kämpfer. 

Saudi-Arabien: Saudi-Arabien kämpft wie im Jemen eine Art Stellvertreterkrieg mit dem Iran. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen und die eigene Vormachtstellung in der Region zu sichern. Die Saudis fordern den Rücktritt von Assad.

Türkei: Mehr als eine Million Menschen sind bereits aus Syrien in die Türkei geflüchtet. Ankara unterstützt die Rebellen, ihr wird aber auch eine Bekämpfung der kurdischen Gruppierungen vorgeworfen. Die Türkei fordert ebenfalls den Rücktritt Assads. 

(nch/tj)

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