Samstag, 01. Oktober 2022

Syrien
IS-Miliz stürmt Flüchtlingslager

Kämpfer der IS-Terrormiliz haben weite Teile des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk am Rand von Damaskus unter ihre Kontrolle gebracht. Es ist der bisher tiefste Vorstoß des IS in das Gebiet der syrischen Hauptstadt. Das Camp liegt etwa acht Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

01.04.2015

    Bewohner des Flüchtlingslagers Jarmuk in Syrien im Februar 2014 während der Essensverteilung.
    Das Schicksal der Bewohner des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk, hier eine Aufnahme von 2014, ist ungewiss. (picture alliance / dpa / United Nation Relief And Works A)
    Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) würde sich Gefechte mit der palästinensischen Gruppe Aknaf Beit al-Makdis liefern, berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London und ein libanesischer Fernsehsender. Ein Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) bestätigte der Nachrichtenagentur AFP den Vorstoß des IS. Deren Kämpfer hätten das Flüchtlingslager am Mittwochmorgen gestürmt und weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der PLO-Vertreter Anuar Abdel Hadi.
    Das etwa zwei Quadratkilometer große Lager Jarmuk liegt im Süden der syrischen Hauptstadt. Vorübergehend lebten dort bis zu 160.000 Palästinenser und Syrer; derzeit sind es noch etwa 18.000 Flüchtlinge. Das Camp wurde seit Juli 2013 mehr als ein Jahr lang von der syrischen Armee belagert, zahlreiche Menschen kamen durch Mangel an Nahrung und Medizin ums Leben. Nach einem Abkommen mit den bewaffneten Palästinensergruppen zogen sich die syrischen Rebellen im Februar 2014 aus dem Lager zurück.
    Widersprüchliche Meldungen aus dem Irak
    Die Dschihadisten bekämpfen die Regierung von Syriens Staatschef Baschar al-Assad, sind aber auch mit anderen Rebellengruppen verfeindet. Die IS-Miliz hatte im vergangenen Sommer weite Gebiete in Syrien und im benachbarten Irak erobert und dort ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen. Unterdessen verkündete der irakische Regierungschef Haider al-Abadi "die Befreiung" von Tikrit aus den Händen des IS und gratuliere den irakischen Sicherheitskräften und ihren paramilitärischen Unterstützern zu diesem "historischen Meilenstein", erklärte er im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Ein US-Vertreter sagte dagegen, Teile der Stadt würden weiterhin vom IS kontrolliert.
    Al-Abadis Sprecher Rafid Dschaburi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die irakische Armee habe die irakische Flagge im Zentrum von Tikrit gehisst und sei nun dabei, die Stadt zu "säubern". Major Kim Michelsen von der US-geführten Anti-IS-Koalition sagte dagegen, Teile der Stadt seien weiter in der Hand des IS: "Die Arbeit ist noch nicht erledigt."
    Das irakische Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen von bisher vom IS gehaltenen Häusern. Unklar blieb, ob es noch IS-Kämpfer gibt, die weiter Widerstand leisten. Die irakische Armee hatte Anfang März ihre bislang größte Offensive gegen den IS begonnen, um die rund 160 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt nach neun Monaten zurückzuerobern. Das US-Militär flog seit vergangenem Mittwoch auf Bitten Bagdads mehrfach Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Stellungen in und um Tikrit.
    (pg/ach)