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StartseiteGefährlicher TransitTagebuch - Sonntag, 5. März 200605.03.2006

Tagebuch - Sonntag, 5. März 2006

Vorsichtige Menschen treffen in Dakar höchstens eine oder zwei Verabredungen am Tag. Zwei nur dann, wenn jedes Treffen nicht länger als eine Stunde dauert. Den Rest des Tages sitzt man nämlich im Auto oder Taxi oder Bus, je nach Geldbeutel. Dakar hat den Dauerstau erfunden; der Verkehr in der Millionenstadt Dakar ist eine mittlere Katastrophe. Ich hatte einen Termin 80 Kilometer außerhalb. Die Anfahrt dauerte drei Stunden, dabei sind die Straßen in gutem Zustand: Es sind einfach zu viele Autos unterwegs.

Von Rüdiger Maack

Rollende Verkehrshindernisse: für 150 Franc CFA (etwa 25 c) riskieren die Fahrgäste ihr Leben. Alternativen gibt es für die meisten Bewohner Dakars nicht. (Rüdiger Maack)
Rollende Verkehrshindernisse: für 150 Franc CFA (etwa 25 c) riskieren die Fahrgäste ihr Leben. Alternativen gibt es für die meisten Bewohner Dakars nicht. (Rüdiger Maack)

Nichts geht mehr: ein ganz normaler Nachmittag im Stau. (Rüdiger Maack)Nichts geht mehr: ein ganz normaler Nachmittag im Stau. (Rüdiger Maack)Vor allem zu viele Minibusse. Es handelt sich um zirka 20 - 30 Jahre alte Kleinlaster Marke VW Transporter oder entsprechende japanische Versionen, die ihre besten Jahre in Europa schon lange hinter sich haben. Sie sind zumeist völlig verrostet, ihre neun Sitzplätze teilen sich 15 oder mehr zahlenden Gäste – zusätzlich noch der Junge, der auf der hinteren Stoßstange steht und sich mit den Händen an den Türgriffen festhält. Er wird apprenti, Lehrling, genannt und ruft das Fahrziel aus oder schiebt Gäste hinein und heraus. Die Fahrer dieser Minibusse halten mitten auf der Autobahn oder auf einer Kreuzung, die Busse kippen auch gern mal um und blockieren dann ganze Fahrbahnen. Oder ein Reifen platzt, der Motor kocht... auf jeden Fall: Fast jeder der Dauerstaus wird durch einen Minibus noch länger.

Wer zuerst fährt, hat Vorfahrt. Vor dem Ansturm haben die meisten Verkehrspolizisten schon längst resigniert. (Rüdiger Maack)Wer zuerst fährt, hat Vorfahrt. Vor dem Ansturm haben die meisten Verkehrspolizisten schon längst resigniert. (Rüdiger Maack)Dakars Verkehr war schon immer schlimm. Katastrophal ist er, seit es weiter südlich mit der Elfenbeinküste bergab geht. Vor sieben Jahren putschte dort ein Teil des Militärs; seitdem befindet sich das ehemals stabilste und wohlhabendste Land Westafrikas auf dem Weg ins Chaos. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Unsicherheit auch. Internationale Firmen und Organisationen sind vom unruhigen Abidjan ins sichere Dakar umgezogen – leider haben sie auch ihre Autos mitgebracht. Die Bewohner der Elfenbeinküste verarmen, weil ihr Land sich in einem Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden befindet. Dakars Bewohner verarmen, weil sie sich Mieten und Lebensmittel kaum noch leisten können. Der permanente Stau in der senegalesischen Hauptstadt wird so zum Sinnbild des Stillstands in Afrika.

Jetzt ruhen alle Hoffnungen der geplagten Dakarer auf der neuen Stadtautobahn, die gerade gebaut wird. Und auf den "Ascenseurs". Ascenseur heißt auf deutsch: Fahrstuhl und als mir heute ein Taxifahrer von den acht Aufzügen erzählte, die bald das Verkehrsproblem der Stadt lösen sollen, verstand ich zunächst Bahnhof.

Dann zeigt er mit einem Wink aus dem Fenster auf einen Ascenseur: eine Straßenbrücke im Rohbau, die den unter ihr liegenden Kreisel und seinen Verkehr bald elegant überqueren soll.

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