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StartseiteCorsoTanzen in der Mittagspause29.07.2013

Tanzen in der Mittagspause

Zu Besuch beim Lunch Beat in Bremen

Das "noon" in Bremen ist ein Ort, der kreativen Einzelarbeitern die Möglichkeit bietet, ihre Mittagspause unter Gleichgesinnten zu verbringen. Doch es wird nicht nur gesund gegessen und gequatscht, sondern auch getanzt. Wer es ausprobiert hat, schwärmt meistens von diesen sogenannten "Workspaces".

Von Franziska Rattei

Tanzen ist im "noon" kein Muss, aber jeder darf es gern.  (Stock.XCHNG / Dave Dyet)
Tanzen ist im "noon" kein Muss, aber jeder darf es gern. (Stock.XCHNG / Dave Dyet)

"Es ist einfach der Versuch, die Mittagspause anders zu verbringen und energiegeladen in den Tag zu gehen, anstatt irgendwo sich ein fettes Schnitzel reinzustopfen und das Gefühl zu haben, einen Mittagsschlaf machen zu müssen. Also eigentlich geht es ums Tanzen, um diese Mittagspause anders zu verbringen und in den Tag wieder reinzugehen und wieder ins Büro; und dann mit guter Laune."

Christian Leon ist studierter Designer. Zusammen mit einer früheren Kommilitonin organisiert der 30-Jährige einen "Lunch Beat". In ihrem Ladengeschäft haben die beiden Platz für eine Tanzfläche geschaffen. Um 12.15 Uhr sind schon rund 50 Leute da. Tobias Meyer, Redakteur bei einem Bremer Anzeigenblatt, ist einer der ersten, der mit seinen Kolleginnen hergekommen ist.

"Generell finde ich das mal eine ganz gute Alternative. Also, wenn man irgendwo sitzt und Mittag isst, dann kommt man ja auch nicht so richtig in Schwung. Und hier kann man mal abschalten und einfach so, ne halbe Stunde einfach mal nur tanzen und danach wieder konzentriert ins Büro zurück."

Die Gäste sind zufrieden, die beiden Gastgeber hinter der Bar sind es auch. Nur draußen gibt es noch ein paar Skeptiker. Sie schauen neugierig durch die großen Schaufenster.

"In meinem Alter macht man das nicht mehr."

"Nein, und schon dieser Krach würde mir schon auf die Nerven gehen. Also ich würde es nicht machen. Nie."

Genau eine Stunde lang dauert der Lunch Beat; ein Experiment, das mithilfe der Bremer Zwischenzeitzentrale entstanden ist. Oliver Hasemann arbeitet für die "ZZZ"; eine Projektgruppe, die von der Stadt finanziert wird und leer stehende Räume an Nutzer mit interessanten Geschäftsideen vermittelt; auf Zeit. So ist es auch beim "noon" gelaufen. Dort, wo heute ein Kreativraum ist, war früher ein Textil-Geschäft und dann lange nichts. Nun haben die beiden jungen Designer zwei Jahre lang Zeit, sich zu beweisen. Ohne die ZZZ wäre es dazu vielleicht nie gekommen, meint Hasemann.

"Wenn jemand eine etwas ungewöhnlichere Idee hat, ist es natürlich schwierig. Es ist für den Eigentümer schwierig, einzuschätzen, ob das funktioniert. Noch viel schwieriger wird es bei Banken und ähnliches, die dafür Geld geben sollen. Von daher ist es mit diesen temporären Geschichten eine super Möglichkeit, um so was überhaupt erstmal zum Laufen zu bringen."

Knapp zwei Stunden vorher: Saskia Burghardt schält Karotten. Sie bereitet gefüllte Fladenbrote vor – zum Lunch Beat gehört neben dem Tanzen auch eine kleine Mahlzeit. Die 28-Jährige steht kurz vor ihrem Abschluss als Diplom-Designerin. Vor gut einem Monat hat sie zusammen mit Christian Leon das "noon" eröffnet:

"Es gibt große Tische, an denen gearbeitet werden kann. Es gibt aber auch einen gemütlichen Café-Bereich, in dem man einfach mal chillen kann, mal runterkommen kann, mal bisschen Pause machen kann und wo dann eben diese Momente passieren, in denen man mit anderen Leuten ins Gespräch kommt und dann anfängt, Ideen zu spinnen, was hier öfters schon passiert ist; so ganz nebenbei irgendwie. Leute landen am Tisch, bei einem guten Kaffee, und irgendwie – zack – gibt’s neue Ideen."

Im "noon" soll man sich trauen können, mal etwas Neues zu versuchen, sagt ihr Geschäftspartner Christian Leon. Der Bremer Kreativ-Raum ist an vier Tagen pro Woche von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Klientel ist bunt gemischt.

"Ins "noon" kommen Menschen, die vielleicht ein bisschen den Drang zu Veränderung haben, die gerne Umwelt gestalten, die inspiriert werden wollen und die selber auch inspirieren. Zum Teil sind es ganz normale Leute, die auf der Straße laufen, die durch die Scheiben gucken. Zum Teil sind es Designer, Künstler, Musiker, Ingenieure."

Bei "Kaffee" und kleinen Speisen bilden sich im "noon" schnell innovative Netzwerke, sagt der junge Designer. Er ist zuversichtlich, dass auch der Lunch Beat Neues entstehen lässt. Kreative Pausen sind schließlich die halbe Miete, meint er.

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