
Gegen 18.00 Uhr konnte der Tatverdächtige des gestrigen Anschlags im Großen Tiergarten in einer Kleingartenanlage in Spandau lokalisiert werden, teilte die Polizei mit. Der Mann sei dann mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen, daraufhin sei es zum Schusswaffengebrauch durch das Berliner SEK gekommen. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr verstarb er noch am Einsatzort, so die Polizei. Bundesinnenminister Dobrindt geht davon aus, dass es sich bei dem Getöteten um den wahrscheinlichen Täter handelt. Der CSU-Politiker erklärte im ARD-Fernsehen, es werde auch in Richtung einer weiteren Person ermittelt, dieser Verdacht habe sich bislang aber nicht erhärtet.
Innenminister stuft die Tat als islamistischen Anschlag ein
Zuvor hatte Dobrindt erklärt, dass die Ermittler von einem islamistischen Terroranschlag ausgehen. Der getötete Tatverdächtige ist ein 21-Jähriger, der sich den Erkenntnissen zufolge radikalisiert hat. Laut Generalstaatsanwaltschaft war er nach vergeblichen Versuchen, sich der Terrororganisation IS in Syrien anzuschließen, im November 2025 am Flughafen BER festgenommen worden.
Nach längerer Untersuchungshaft wurde er im Mai von einem Jugendschöffengericht zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt - unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Entscheidung über eine Aussetzung dieser Jugendstrafe zur Bewährung wurde demnach für die Dauer von sechs Monaten zurückgestellt.
Das Gericht hob laut Generalstaatsanwaltschaft einen bestehenden Haftbefehl gegen Abdul B. auf, "da die Untersuchungshaft vorrangig der Sicherung des Strafverfahrens dient und keine vorweggenommene Strafe darstellt". Die Verurteilung ist nicht rechtskräftig, weil die Generalstaatsanwaltschaft Berufung einlegte, weil sie eine höhere Strafe forderte.
Dobrindt sagte am Abend in der ARD, man werde genau hinschauen müssen, warum ein als Gefährder identifizierter Straftäter nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. "Unverständlich, dass bei dem Strafregister eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird", so Dorbindt.
Der Mann ist nach Angaben des Innenministers 2005 in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürge. Er habe einen libanesischen Hintergrund, seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden.
Merz: "Lassen uns nicht einschüchtern"
Bundeskanzler Merz hat nach dem Anschlag sein Mitgefühl ausgedrückt. Den Teilnehmern von CSD-Veranstaltungen sagte er: "Lassen Sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern." Merz sagte vor einem Gedenkgottesdienst für die Opfer in Berlin: "Diese Taten haben nur den Zweck, die Gesellschaft zu spalten und uns die Offenheit und Freiheit nehmen. Diese Extremisten haben in der Mitte der Gesellschaft keinen Platz. Wir sind mehr, wir sind stärker und wir halten zusammen."
Nach dem Gottesdienst besuchte Merz den Tatort des Anschlags am Rande des Berliner CSD und legte an der Stelle im Tiergarten und Blumen ab. Zusammen mit Bundesinnenminister Dobrindt und Berlins Innensenatorin Spranger hielt er kurz inne und gedachte der Opfer.
Dobrindt korrigiert die Zahl der Opfer
Bei der Tat, bei der der Mann auch eine Machete einsetzte, kam nach Dobrindts Angaben eine Frau ums Leben, 29 Menschen wurden teils schwerst verletzt. In Lebensgefahr sei keines der Opfer mehr, sagte ein Polizeisprecher.
Der Tatverdächtige soll am späten Samstagabend mit einem weißen Kastenwagen in die Menschenmenge am Rande der CSD-Veranstaltung gefahren sein und anschließend mit einer Stichwaffe auf weitere Passanten losgegangen sein. Der CSD wurde daraufhin abgebrochen.
Innenminister mahnt zur Überprüfung von Sicherheitskonzepten
Der Innenminister hat die Veranstalter von Großveranstaltungen und CSDs aufgerufen, ihre Sicherheitskonzepte zu überprüfen. Es gebe weitere Großveranstaltungen und weitere Veranstaltungen des CSD. "Wir erwarten, dass die Sicherheitsmaßnahmen in diesem Zusammenhang noch einmal betrachtet und im Zweifelsfall erhöht werden müssen." Es sei unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, dass es Nachahmer geben könnte.
Der Vorfall ereignete sich im Tiergarten, außerhalb des offiziellen Veranstaltungsbereichs.
Diese Nachricht wurde am 27.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
