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StartseiteCampus & KarriereTeach for America25.04.2005

Teach for America

Wie Hochschulabsolventen Ghettokindern helfen

Obwohl der Beruf des Lehrers in den USA nicht besonders hoch angesehen ist, entscheiden sich viele junge Absolventen von Elitehochschulen wie Yale, Harvard, Princeton oder Dartmouth für den schmählichen Beruf. Motivation sind meist die vielen Missstände im Land, die dazu anspornen, Besserung zu schaffen. Die Organisation "Teach for America" unterstützt die Nachwuchslehrer.

Von Gunnar Schultz-Burkel

Lehrer: nicht der beliebteste Beruf in den USA. (AP)
Lehrer: nicht der beliebteste Beruf in den USA. (AP)

"Ich komme aus Brooklyn, sagt Alex Dominguez. Während des Studiums spezialisierte ich mich auf internationale Wirtschaftsbeziehungen."

Alex studierte vier Jahre am Dartmouth College, einer teuren Elite-Hochschule im Bundesstaat New Hampshire. Alex ist in seinem Fach ziemlich gut. Er hätte sich nach dem Examen sofort beim State Department oder bei einer internationalen Firma bewerben können. Stattdessen füllte Alex das Anmeldeformular für Teach for America aus. Für zwei Jahre wird er an einer Grundschule in einem Armenviertel von New Jersey als Lehrer arbeiten.

"Viele meiner Freunde konnten nicht zur Uni gehen, weil sie das Geld nicht hatten. Ich war besser dran und deshalb will ich ein bisschen was zurückgeben."

Es ist eine Einstellung, die viele haben, die sich für Teach for America entscheiden. Für zwei Jahre erhalten sie das Gehalt von Junglehrern und am Ende gibt man ihnen um die 9000 Dollar als Dankeschön. Mit dem Geld sollen sie einen Teil ihres riesigen Schuldenbergs abbauen. Denn ein Studium an Elite-Unis wie Dartmouth kostet bis zu 30.000 Dollar - im Jahr! Julia Hildrus will nach ihrem Grundstudium in Dartmouth Jura in Harvard oder Yale studieren. Aber bevor sie mit dem Zweitstudium beginnt, hat sie sich ebenfalls für zwei Jahre bei Teach for America beworben.

"Ich habe soviel Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft gesehen und will versuchen, das ein bisschen zu ändern. Julia stammt aus einer reichen Ostküsten-Familie."

Mehr als einhundert Dartmouth-Absolventen haben sich dieses Jahr direkt nach dem Examen bei Teach for America beworben. Das ist schon deshalb bemerkenswert, da viele Ivy League Diplomanden bereits lukrative Jobs in der Wirtschaft angeboten bekamen.

Aber das spielt keine Rolle, sagt Chelsea Nielson, wir wollen unseren Einfluss geltend machen. Anders als in Deutschland verdienen Lehrer in den USA. relativ wenig. .Anfänger bekommen im Schnitt kaum mehr als 20.000 Dollar Jahresgehalt.

Der Ruf des Lehrers ist hier ziemlich im Keller. Nur Luschen, so das allgemeine Urteil, werden Pädagogen. Das stört die 17.000 Teach for America Jung-Akademiker nicht. So viele haben sich dieses Jahr auf die 2000 Lehrerstellen in den gesamten Vereinigten Staaten beworben. Wer genommen wird, nimmt an einem Intensivkurz während der Sommermonate teil. Dort wird einem das A und O des Unterrichtens beigebracht, bevor man dann nach den Schulferien auf die Kinder losgelassen wird. Beworben haben sich Frauen und Männer von Elite-Hochschulen wie Yale, Harvard, Princeton und wie schon erwähnt, Dartmouth. Elisa Klapp, die bei Teach for America für die Auswahl zuständig ist, ist nicht überrascht, dass sich vor allem junge Leute von den Top-Unis bewerben.

"Viele sind einfach aufgebracht über die Missstände in unserer Gesellschaft. Wer die falsche Hautfarbe hat oder im falschen Stadtteil aufwächst, hat es besonders schwer."

Nach einer neuen Untersuchung des Brookings-Instituts in Washington ist etwa ein Drittel aller Hochschulabsolventen an einer Arbeit im sozialen Bereich interessiert.

Dan Kessler von der Non Profit Organisation "Idealist.com" meint, dieses Interesse habe Teach for America sich zunute gemacht. Auf den Unigeländen werden die Besten aggressiv umworben. Was zwei Vorteile hat: Die Schulkinder erhalten Unterricht von Spitzenkräften, die vermutlich später zur Elite der Gesellschaft gehören werden und die Junglehrer bekommen einen Einblick in soziale Schichten, die sie normalerweise nicht aufsuchen würden.

Viele Bewerber , sagt Kessler, bringen es auf den Punkt: Teach for America ist einfach cool. So cool, dass einige sich nach den zwei Jahren um eine Dauerstellung an einer Schule bemühen.

Die Webseite der Organisation Teach for America: www.teachforamerica.com

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