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Technische Berufe
Neue Onlineangebote sollen Mädchen begeistern

Massive Open Online Courses (MOOCs) - das sind neue kostenlose Angebote, die sich gezielt an Schülerinnen und junge Frauen wenden, um diese für Informatik, Physik und Co. zu begeistern. Denn trotz guter Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen entscheiden sich kaum Frauen für technische Berufe. Mit den neuen Onlineangeboten könnte sich das nun ändern.

Von Sandra Voß | 28.06.2016

    Eine Hand bedient eine Computermaus.
    Im Onlineschnellkurs lernen, wie man Webseiten programmiert. (AFP / Robyn Beck)
    "Schiebst du den Monitor wieder neben den Tresen? Hast du dein Mikro schon? Ich habe mein Mikrofon noch nicht. Ja, dann kannst du ja mal dein Mikro anschließen. Ich nehme dann auch mal mein Mikro. Ist da hinten alles klar? Also, dann können wir ja gleich aufnehmen."
    Lisa Ihde ist mitten drin, in den Vorbereitungen für ihr erstes Präsentations-Video:
    Die Informatik-Studentin plant einen MOOC. Einen Massive Open Online Course.
    Das Thema: Wie baue ich meine eigene Webseite. Das klingt einfach und soll es auch sein. Lisa spricht mit ihrem 14-tägigen, kostenlosen Online-Kurs Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 an. Für die 19-Jährige ist wichtig, dass junge Menschen besonders früh den Spaß am Programmieren entdecken.
    "Wir wollen Mädchen dazu bringen, auch an dem Kurs teilzunehmen, weil dort ein Mädchen steht, welches erklärt, wie das funktioniert und das senkt die Hemmschwelle, als wenn da ein Professor steht und davon berichtet, wie man das zu mache hat und man sich dann als Schülerin denkt, ne, so weit bin ich noch nicht, das kriege ich nicht hin."
    Lücke zwischen Angebot und Nachfrage
    In Lisas Semester studieren 88 junge Menschen, davon sind nur neun Frauen. Das ist zu wenig, findet Pressereferentin Jana Bracklow von Bitkom, dem Digitalverband der deutschen Wirtschaft:
    "Gemäß einer Umfrage des Bitkom sind es in Deutschland 15 Prozent der Frauen, die in technischen Berufen tätig sind. Das sind unserer Ansicht nach noch nicht genug. Trotz toller Verdienstmöglichkeiten gibt es hier eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage."
    An dieser Lücke will Lisa Ihde mit ihrem Selbstlernkurs arbeiten. Die Studentin weiß, oft gibt es gar keinen Informatik-Unterricht an den Schulen. Die19-Jährige war schon früh von den Möglichkeiten eines Computers fasziniert und hat sich viel selber beigebracht oder sich Menschen gesucht, die sie gefördert haben.
    Die Studentin hofft, mit ihrer Begeisterung die Teilnehmer anzustecken. In der ersten Kurs-Woche erklärt Lisa Schritt für Schritt per Video, wie eine Seite im Internet aufgebaut ist. In der zweiten Woche bauen die Teilnehmer ihre eigene Webseite und lernen so, wie das Internet überhaupt funktioniert. Wer teilnehmen will, registriert sich kostenlos auf der Plattform OpenHPI.
    "Das Spezielle an Open-HPI-Kursen ist, dass sich alles um IT dreht, das man mit vielen anderen eine große Lerngemeinschaft bilden kann, dass man sic das untereinander austauschen kann. Wenn man sich so ein YouTube-Video ansieht, kann man sich halt die Kommentare durchlesen, aber ob er da die Fachkenntnis hat, auf etwas zu antworten, das ist halt nicht klar. Und hier sind es halt Professoren, Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter, die halt wirklich vom Fach sind."
    Lernen mit Struktur
    Auch sonst ist ein MOOC strukturierter als ins Netz gestellte Videos, denn erst, wenn der Test am Ende eines jeden Videos geschafft ist, öffnet sich die nächste Unterrichtseinheit.
    "Am Ende gibt es einen Abschlussfest, was aber kein Test ist, sondern jeder Schüler wird dort seine eigene Webseite designen und die wird er hochladen. Und dann können die anderen User, müssen sie, wenn sie ein Zertifikat wollen, bis zu drei andere User bewerten, wie sie die Homepage finden, können Feedback geben, was könnte man besser machen, was ist schon super so und was ist noch nicht so gut. Und wenn sie das gemacht haben und selber auch Feedback bekommen haben, dann kriegen die ein Zertifikat."
    Bisher haben sich schon über 1.000 Teilnehmer für den Kurs "Wie baue ich meine Webseite" angemeldet. Am Ende des Kurses können die Teilnehmer freiwillig ihr Geschlecht angeben. Bis dahin hofft Lisa Ihde, dass sich besonders viele Mädchen für den Kurs anmelden.
    "Das war es dann auch schon mit der ersten Lektion. In der nächsten Lektion werden wir Euch weitere Takes zeigen, weitere Attribute. Und wir sehen uns dann im nächsten Video."