Vollendet schön sind die in Bonn gezeigten Teeschalen, Schwertklingen, die Kimonos und No Masken, die Vasen und die gerollten Bilder wirklich.
Aber sie wirken auch unendlich fremd. Warum die Vollendung in einer Teeschale liegt, also eigentlich in einem Gebrauchsgegenstand, warum in mehreren Vitrinen glatte, glänzende Schwertklingen liegen, das erschließt sich dem Besucher nicht auf den ersten Blick. Um also besser in die Welt der Schwertkrieger und Teezeremonienmeister eintauchen zu können, sollte der Besucher den opulenten Katalog zur Hand nehmen: Japans Schönheit – Japans Seele .
Der beginnt nach dem Vorwort mit einer Abhandlung über den Bau des Museums in Tokio, einem Essay über Japans Mittelalter und einem Aufsatz über die zwei Gesichter der japanischen Kultur. Das eine Gesicht trägt chinesische Züge. Deshalb sind in Bonn auch viele chinesische Exponate zu sehen.
Die folgenden Kapitel sind ein Rundgang durch die Säle, in denen die Ausstellung gezeigt wird: Shoin ist der erste Raum überschrieben, Shoin ist ein Architekturstil, ist feine Innenausstattung, Dekoration. Zen- Malereien, Teeschalen werden beschrieben.
Der zweite Raum heißt Kyoto und ist den Trägern der Kultur von Kyoto gewidmet. In der Muromachi - Periode, die etwa von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert reichte, hatte der Hofadel an Macht und Einfluss verloren und widmete sich ganz der Kunst. Hochangesehen waren Poesie und Kalligraphie, ganz besonders beliebt waren Handschriften von Zen- Priestern. Es gäbe kein wichtigeres Utensil als die Hängerolle, und unter diesen sei die Kalligraphie am wichtigsten, hieß es.
Und man kann sich sogar ein genaues Bild davon machen, wie das Alltagsleben in Kyoto ablief. Auf zwei Wandschirmen aus dem 16. Jahrhundert sind Stadtszenen zu sehen, die großen Tempelanlagen, Reiter, Menschen auf Brücken, Damen mit Schirmen.
Ein ganzes Kapitel ist der Kunst des Tees gewidmet.
Denn man trank nicht einfach eine Tasse Tee mit seinen Gästen, sondern vollführte eine Zeremonie in einem eigens dafür vorgesehenen Raum, der geschmückt war mit einer Kalligraphie und einem Blumenarrangement. Das gemeinsame Teetrinken, die Ruhe und Kontemplation, die in den genau festgelegten Handlungabläufen lag, sollte eine geistige Verbindung von Hausherrn und Gästen herstellen. Das ist bis heute so geblieben.
Zermahlene Teeblätter werden mit heißem Wasser übergossen und mit einem kleinen Besen schaumig geschlagen. Während man anfangs die ebenmäßig-runden chinesische Schalen bevorzugte, setzten sich schließlich die sogenannten Raku-Teeschalen durch: rote und schwarze Schalen ohne Dekor, frei mit den Händen ohne Töpferscheibe geformt, Ausdruck einer ganz anderen, ganz eigenen, eher abstrakten Ästhetik.
Dem No-Theater ist die folgende Abhandlung gewidmet. Im No-Theater werden uralte Mythen erzählt. Die Schauspieler tragen prächtige Kostüme und edle Masken. Meist zeigen diese Masken die Gesichtzüge alltäglicher Menschen, die eines alten Mannes etwa oder eines jungen Mädchens, bisweilen tragen sie auch dämonische Züge. Die Kostüme sind farbenfroh, in den grünen, roten oder weißen Untergrund sind Chrysanthemenzweige, Phönixe oder geometrische Muster gewebt.
Mit dem Schwertadel und seinem Verhältnis zur Kunst beschäftigt sich das nächste Kapitel. Für fast sieben Jahrhunderte, vom 12. bis tief ins 19. Jahrhundert hinein lag die Macht in Japan in den Händen des Schwertadels, den japanischen Rittern, den bushi. In dieser Zeit erhält das japanische Schwert eine herausragende Bedeutung, ist Kunstwerk und lebendige Seele zugleich. Es hatte nicht nur einen praktischen oder kultischen Wert, sondern war auch ein Gegenstand von höchster künstlerischer Ästhetik. Ehrfürchtig wurde es vom Vater an den Sohn weitergegeben.
Das letzte Kapitel ist den Rinpa Künstler gewidmet, ihren Malereien, auf denen klassische Bilder kopiert wurden, ihren Kimonos, den kunstgewerklichen Lackarbeiten und Essgeschirren.
Wunderschön aufgemacht ist dann auch der Katalog. Die Abbildungen sind auf hervorragendem Papier gedruckt, jedes Kapitel wird eingeleitet von einem Blatt in warmem Rot mit einer schwarzen Kalligrafie, die dann etwa "Bushi" oder "Rinpa" bedeutet. Ein Katalog, der einführt in eine fremde Welt und dem es gelingt, dem Leser diese Welt nahe zu bringen. Die Welt der schönen, einfachen, dekorativen Dinge.
Ganz anders verhält es sich mit den chinesischen Kunstwerken. In China sind die Gegenstände des täglichen Gebrauchs oft prächtig, während die, die als hohe Kunst gelten, eher schlicht sind.
Schätze der Himmelssöhne heißt die Ausstellung. Derzeit ist sie in Berlin zu sehen, später in Bonn. Die in Schätze der Himmelssöhne ausführlich geschilderte Geschichte der kaiserlichen Kunstsammlung liest sich spannend wie ein Krimi.
Die Macht der Kaiser im alten China war unermesslich. Alle Dinge unterm Himmel waren das persönliche Eigentum der Kaiser. Ihre Kunstsammlungen waren unübertroffen, sie hatten die erlesenste Auswahl an Bronze- und Jadestücken, Gemälden, Kalligraphien, Schmuck, Porzellan. Nachdem Kaiser Pu Yi 1911 abdanken musste, stritten sich der letzte Kaiser und die Unterstützer der republikanischen Revolution darum. Diese sahen die kaiserliche Sammlung nicht als privat an, sondern als Essenz einer langen kulturellen Tradition und somit als Eigentum der gesamten Nation. Sie setzen sich durch und 1925 wurde das Palastmuseum in Peking eröffnet. Bereits 1933 aber – im Land herrschte Bürgerkrieg - wurden die Kunstschätze in 17000 Kisten verpackt und fort aus Peking geschafft, über Gebirge und auf Flüssen hinab in den Süden, schließlich weit weg vom Festland nach Taiwan. Leider wird im Katalog nicht darauf eingegangen, dass man die Kunstschätze nicht nur der drohenden Bombardierung wegen fortgeschickt hatte, sondern auch, weil Maos Rote Garden nicht viel Sinn für diese Kunst hatten, sie als feudal und dekadent empfanden und sie sich deshalb in großer Gefahr befand.
Erst 1965 fand die Sammlung eine endgültige Heimat: Das nationale Palastmuseum von Taiwan. Ganze zweimal waren die Schätze seitdem außerhalb Taiwans zu sehen.
Fast fünfhundert Seiten dick ist er Katalog. Ein Kapitel ist "Einblicke in das Wesen der chinesischen Jadekultur" überschrieben. Diese einzigartige und nur in Ostasien bedeutende Jadekultur ist 8000 Jahre alt. Bis heute werden der Jade spirituelle Kräfte nachgesagt. So sind die Jadestücke mehr als kunstvolle Schnitzereien aus edlem Material. Sie sind Glücksbringer und Hoffnungsträger.
"China das ist beinahe ein Synonym für Porzellan" heißt es in einem anderen Kapitel, dass der vielfältigen Porzellankunst gewidmet ist. Das Porzellan ist Grün wie Jade, grün wie Eis oder weiß wie Silber, weiß wie Schnee. In der Tang Zeit, etwa im 7. Jahrhundert war Porzellan so kostbar wie Edelsteine. In der Sungzeit - von Mitte des 10. bis zum Ausklingenden 13. Jahrhundert - entstanden edle schlichte Gefäße. Diese puristischen aufs Einfachste reduzierten Formen haben unser Porzellanempfinden bis heute geprägt.
Vielfältig ist die vorgestellte Bronzekunst. Es gibt Musikinstrumente, Spiegel, Schmuckstücke und Ritualgefäße. An Hand der Beschreibung dieser Ritualgefäße wird ebenfalls deutlich, wie zeitlos die chinesische Kunst ist: Die Urform eines solchen Ritualgefäßes wurde in der Shang – Zeit entworfen, die vom 16.-11-Jahrhundert vor Christus datiert ist. Es ist ein S-förmig geschwungener Gefäßkörper mit breitem Fußring, elegant und majestätisch. Noch heute wird in ebenso geformten Bronzengefäßen an konfuzianischen, buddhistischen und taoistischen Altären geopfert.
Ausführliche Abhandlungen sind der Kalligraphie und der Malerei gewidmet. Eines der berühmtesten Bilder stammt aus der Sung Dynastie und ist zwischen 1020 und 30 entstanden: Reisende zwischen Strömen und Bergen. In der Interpretation dieses Bildes wird klar, dass im Gegensatz zu westlichen Malstilen die Natur nicht genau wiedergegeben werden sollte, sondern dass der Maler versuchte, sich in die Natur einzufühlen und in ihr aufzugehen. Die Reisenden zwischen den Strömen sind winzig klein, die Gebirgswand, vor der sie herziehen, dagegen groß übermächtig und furchteinflößend.
Die Vergleiche, die die Autoren mit gegenwärtigen Kunstwerken oder westlichen Maltheorien anstellen, helfen dem Betrachter, dem Leser die chinesischen Kunstwerke besser zu verstehen. So richten sich die Autoren nicht an ein Fachpublikum, sondern an all jene, die verzaubert sind von dieser Kunst, aber noch nicht vertraut sind mit ihr.
Der Katalogteil selbst ist üppig. Ausführlich werden die Objekte beschrieben - von der Ringscheibe aus Jade aus der Neusteinzeit bis hin zum Speiseopfergefäß aus der Qing Dynastie, der letzten Dynastie von Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1911. Im Anhang findet man die Übersetzungen der Bildaufschriften, Briefe und Gedichte. Das ist für die, die noch tiefer eindringen wollen in die Geheimnisse der chinesischen Kunst. Der Katalog jedenfalls ist so ansprechend gemacht, dass die Lust dazu auf jeden Fall geweckt werden kann.
Japans Schönheit – Japans Seele
Hirmer, 406 S., EUR 25,-
Katalog der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn. 25 €
Schätze der Himmelssöhne – die kaiserliche Sammlung aus dem Nationalen Palastmuseum,
HatjeCantz, 471 S., EUR 58,-
Aber sie wirken auch unendlich fremd. Warum die Vollendung in einer Teeschale liegt, also eigentlich in einem Gebrauchsgegenstand, warum in mehreren Vitrinen glatte, glänzende Schwertklingen liegen, das erschließt sich dem Besucher nicht auf den ersten Blick. Um also besser in die Welt der Schwertkrieger und Teezeremonienmeister eintauchen zu können, sollte der Besucher den opulenten Katalog zur Hand nehmen: Japans Schönheit – Japans Seele .
Der beginnt nach dem Vorwort mit einer Abhandlung über den Bau des Museums in Tokio, einem Essay über Japans Mittelalter und einem Aufsatz über die zwei Gesichter der japanischen Kultur. Das eine Gesicht trägt chinesische Züge. Deshalb sind in Bonn auch viele chinesische Exponate zu sehen.
Die folgenden Kapitel sind ein Rundgang durch die Säle, in denen die Ausstellung gezeigt wird: Shoin ist der erste Raum überschrieben, Shoin ist ein Architekturstil, ist feine Innenausstattung, Dekoration. Zen- Malereien, Teeschalen werden beschrieben.
Der zweite Raum heißt Kyoto und ist den Trägern der Kultur von Kyoto gewidmet. In der Muromachi - Periode, die etwa von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum 16. Jahrhundert reichte, hatte der Hofadel an Macht und Einfluss verloren und widmete sich ganz der Kunst. Hochangesehen waren Poesie und Kalligraphie, ganz besonders beliebt waren Handschriften von Zen- Priestern. Es gäbe kein wichtigeres Utensil als die Hängerolle, und unter diesen sei die Kalligraphie am wichtigsten, hieß es.
Und man kann sich sogar ein genaues Bild davon machen, wie das Alltagsleben in Kyoto ablief. Auf zwei Wandschirmen aus dem 16. Jahrhundert sind Stadtszenen zu sehen, die großen Tempelanlagen, Reiter, Menschen auf Brücken, Damen mit Schirmen.
Ein ganzes Kapitel ist der Kunst des Tees gewidmet.
Denn man trank nicht einfach eine Tasse Tee mit seinen Gästen, sondern vollführte eine Zeremonie in einem eigens dafür vorgesehenen Raum, der geschmückt war mit einer Kalligraphie und einem Blumenarrangement. Das gemeinsame Teetrinken, die Ruhe und Kontemplation, die in den genau festgelegten Handlungabläufen lag, sollte eine geistige Verbindung von Hausherrn und Gästen herstellen. Das ist bis heute so geblieben.
Zermahlene Teeblätter werden mit heißem Wasser übergossen und mit einem kleinen Besen schaumig geschlagen. Während man anfangs die ebenmäßig-runden chinesische Schalen bevorzugte, setzten sich schließlich die sogenannten Raku-Teeschalen durch: rote und schwarze Schalen ohne Dekor, frei mit den Händen ohne Töpferscheibe geformt, Ausdruck einer ganz anderen, ganz eigenen, eher abstrakten Ästhetik.
Dem No-Theater ist die folgende Abhandlung gewidmet. Im No-Theater werden uralte Mythen erzählt. Die Schauspieler tragen prächtige Kostüme und edle Masken. Meist zeigen diese Masken die Gesichtzüge alltäglicher Menschen, die eines alten Mannes etwa oder eines jungen Mädchens, bisweilen tragen sie auch dämonische Züge. Die Kostüme sind farbenfroh, in den grünen, roten oder weißen Untergrund sind Chrysanthemenzweige, Phönixe oder geometrische Muster gewebt.
Mit dem Schwertadel und seinem Verhältnis zur Kunst beschäftigt sich das nächste Kapitel. Für fast sieben Jahrhunderte, vom 12. bis tief ins 19. Jahrhundert hinein lag die Macht in Japan in den Händen des Schwertadels, den japanischen Rittern, den bushi. In dieser Zeit erhält das japanische Schwert eine herausragende Bedeutung, ist Kunstwerk und lebendige Seele zugleich. Es hatte nicht nur einen praktischen oder kultischen Wert, sondern war auch ein Gegenstand von höchster künstlerischer Ästhetik. Ehrfürchtig wurde es vom Vater an den Sohn weitergegeben.
Das letzte Kapitel ist den Rinpa Künstler gewidmet, ihren Malereien, auf denen klassische Bilder kopiert wurden, ihren Kimonos, den kunstgewerklichen Lackarbeiten und Essgeschirren.
Wunderschön aufgemacht ist dann auch der Katalog. Die Abbildungen sind auf hervorragendem Papier gedruckt, jedes Kapitel wird eingeleitet von einem Blatt in warmem Rot mit einer schwarzen Kalligrafie, die dann etwa "Bushi" oder "Rinpa" bedeutet. Ein Katalog, der einführt in eine fremde Welt und dem es gelingt, dem Leser diese Welt nahe zu bringen. Die Welt der schönen, einfachen, dekorativen Dinge.
Ganz anders verhält es sich mit den chinesischen Kunstwerken. In China sind die Gegenstände des täglichen Gebrauchs oft prächtig, während die, die als hohe Kunst gelten, eher schlicht sind.
Schätze der Himmelssöhne heißt die Ausstellung. Derzeit ist sie in Berlin zu sehen, später in Bonn. Die in Schätze der Himmelssöhne ausführlich geschilderte Geschichte der kaiserlichen Kunstsammlung liest sich spannend wie ein Krimi.
Die Macht der Kaiser im alten China war unermesslich. Alle Dinge unterm Himmel waren das persönliche Eigentum der Kaiser. Ihre Kunstsammlungen waren unübertroffen, sie hatten die erlesenste Auswahl an Bronze- und Jadestücken, Gemälden, Kalligraphien, Schmuck, Porzellan. Nachdem Kaiser Pu Yi 1911 abdanken musste, stritten sich der letzte Kaiser und die Unterstützer der republikanischen Revolution darum. Diese sahen die kaiserliche Sammlung nicht als privat an, sondern als Essenz einer langen kulturellen Tradition und somit als Eigentum der gesamten Nation. Sie setzen sich durch und 1925 wurde das Palastmuseum in Peking eröffnet. Bereits 1933 aber – im Land herrschte Bürgerkrieg - wurden die Kunstschätze in 17000 Kisten verpackt und fort aus Peking geschafft, über Gebirge und auf Flüssen hinab in den Süden, schließlich weit weg vom Festland nach Taiwan. Leider wird im Katalog nicht darauf eingegangen, dass man die Kunstschätze nicht nur der drohenden Bombardierung wegen fortgeschickt hatte, sondern auch, weil Maos Rote Garden nicht viel Sinn für diese Kunst hatten, sie als feudal und dekadent empfanden und sie sich deshalb in großer Gefahr befand.
Erst 1965 fand die Sammlung eine endgültige Heimat: Das nationale Palastmuseum von Taiwan. Ganze zweimal waren die Schätze seitdem außerhalb Taiwans zu sehen.
Fast fünfhundert Seiten dick ist er Katalog. Ein Kapitel ist "Einblicke in das Wesen der chinesischen Jadekultur" überschrieben. Diese einzigartige und nur in Ostasien bedeutende Jadekultur ist 8000 Jahre alt. Bis heute werden der Jade spirituelle Kräfte nachgesagt. So sind die Jadestücke mehr als kunstvolle Schnitzereien aus edlem Material. Sie sind Glücksbringer und Hoffnungsträger.
"China das ist beinahe ein Synonym für Porzellan" heißt es in einem anderen Kapitel, dass der vielfältigen Porzellankunst gewidmet ist. Das Porzellan ist Grün wie Jade, grün wie Eis oder weiß wie Silber, weiß wie Schnee. In der Tang Zeit, etwa im 7. Jahrhundert war Porzellan so kostbar wie Edelsteine. In der Sungzeit - von Mitte des 10. bis zum Ausklingenden 13. Jahrhundert - entstanden edle schlichte Gefäße. Diese puristischen aufs Einfachste reduzierten Formen haben unser Porzellanempfinden bis heute geprägt.
Vielfältig ist die vorgestellte Bronzekunst. Es gibt Musikinstrumente, Spiegel, Schmuckstücke und Ritualgefäße. An Hand der Beschreibung dieser Ritualgefäße wird ebenfalls deutlich, wie zeitlos die chinesische Kunst ist: Die Urform eines solchen Ritualgefäßes wurde in der Shang – Zeit entworfen, die vom 16.-11-Jahrhundert vor Christus datiert ist. Es ist ein S-förmig geschwungener Gefäßkörper mit breitem Fußring, elegant und majestätisch. Noch heute wird in ebenso geformten Bronzengefäßen an konfuzianischen, buddhistischen und taoistischen Altären geopfert.
Ausführliche Abhandlungen sind der Kalligraphie und der Malerei gewidmet. Eines der berühmtesten Bilder stammt aus der Sung Dynastie und ist zwischen 1020 und 30 entstanden: Reisende zwischen Strömen und Bergen. In der Interpretation dieses Bildes wird klar, dass im Gegensatz zu westlichen Malstilen die Natur nicht genau wiedergegeben werden sollte, sondern dass der Maler versuchte, sich in die Natur einzufühlen und in ihr aufzugehen. Die Reisenden zwischen den Strömen sind winzig klein, die Gebirgswand, vor der sie herziehen, dagegen groß übermächtig und furchteinflößend.
Die Vergleiche, die die Autoren mit gegenwärtigen Kunstwerken oder westlichen Maltheorien anstellen, helfen dem Betrachter, dem Leser die chinesischen Kunstwerke besser zu verstehen. So richten sich die Autoren nicht an ein Fachpublikum, sondern an all jene, die verzaubert sind von dieser Kunst, aber noch nicht vertraut sind mit ihr.
Der Katalogteil selbst ist üppig. Ausführlich werden die Objekte beschrieben - von der Ringscheibe aus Jade aus der Neusteinzeit bis hin zum Speiseopfergefäß aus der Qing Dynastie, der letzten Dynastie von Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1911. Im Anhang findet man die Übersetzungen der Bildaufschriften, Briefe und Gedichte. Das ist für die, die noch tiefer eindringen wollen in die Geheimnisse der chinesischen Kunst. Der Katalog jedenfalls ist so ansprechend gemacht, dass die Lust dazu auf jeden Fall geweckt werden kann.
Japans Schönheit – Japans Seele
Hirmer, 406 S., EUR 25,-
Katalog der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn. 25 €
Schätze der Himmelssöhne – die kaiserliche Sammlung aus dem Nationalen Palastmuseum,
HatjeCantz, 471 S., EUR 58,-