Ausschreibung erfolgt
Umstrittener israelischer Siedlungsbau im Westjordanland: Was ist das "E1"-Projekt?

Israel hat den Baubeginn seines umstrittenen Siedlungsprojekts in der Nähe von Jerusalem ermöglicht. Die Behörden veröffentlichten eine Ausschreibung für das Projekt E1, das das Westjordanland faktisch in zwei Hälften teilen würde. Das sind die Hintergründe des international kritisierten Vorhabens.

    Jüdische Siedlung in Hebron im Westjordanland/Palästina.
    Jüdische Siedlung in Hebron im Westjordanland (Archivbild) (picture alliance / Winfried Rothermel / Winfried Rothermel)
    Ausgeschrieben sind Vorschläge für den Bau von rund 3.400 Wohneinheiten. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Peace Now könnten die Arbeiten noch in diesem Monat beginnen. Der Siedlungsbau östlich von Jerusalem würde nach Ansicht von Kritikern die Gründung eines zusammenhängenden palästinensischen Staates unmöglich machen. Das Projekt wird seit mehr als 20 Jahren erwogen, wurde aber auf Druck früherer US-Regierungen eingefroren - bis zum vergangenen Jahr.

    Warum baut Israel Siedlungen im Westjordanland?

    Die Geschichte des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland begann nach dem Sechstagekrieg 1967, in dem Israel die Kontrolle über das Gebiet erlangte. Die erste Siedlung namens Kfar Etzion wurde im September 1967 gegründet. Es folgten Merom Golan auf den Golanhöhen und Kirjat Arba in Hebron. Der Siedlungsbau geht auf einen Plan des israelischen Vize-Premierministers Jigal Allon zurück. Demnach sollten strategisch wichtige Gebiete besiedelt werden, um dort eine israelische Mehrheit in der Bevölkerung zu sichern. Vor allem die Likud-Regierungen gewährten ab 1977 israelischen Siedlern - oft orthodoxe Juden - finanzielle Anreize, um ins Westjordanland zu ziehen und den Einfluss auf das Territorium zu festigen.

    Wie viele israelische Siedler leben heute im Westjordanland?

    Nach Angaben der israelischen Friedensbewegung Peace Now leben im Westjordanland mehr als drei Millionen Menschen, davon etwa 85 Prozent Palästinenser. Die genaue Anzahl der israelischen Siedler wird offiziell nicht ermittelt. Schätzungen der Organisation gehen davon aus, dass Ende 2023 mehr als 490.000 israelische Siedler im Westjordanland und in Ost-Jerusalem lebten.

    Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung "E1"?

    Hinter der Bezeichnung "E1" verbirgt sich ein international umstrittenes Siedlungsprojekt im Westjordanland, das vom rechtsextremen israelischen Finanzminister Smotrich vorangetrieben wird. Das Projekt sieht den Bau von rund 3.400 Wohneinheiten in einem Gebiet vor, das vom Stadtrand Ost-Jerusalems bis zur israelischen Siedlung Ma'ale Adumim reichen und das Westjordanland in zwei Teile spalten würde. Das Projekt würde damit die Mobilität der palästinensischen Bevölkerung erheblich einschränken.
    Die internationale Gemeinschaft, einschließlich der EU und Deutschlands, lehnt das Projekt daher ab. Es verstoße gegen das Völkerrecht und gegen entsprechende Resolutionen der UNO. Die US-Regierung unter Präsident Trump dagegen scheint eher hinter dem Projekt zu stehen. Die Israelis hätten ein Recht, in Israel zu leben und zu siedeln, erklärte der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee. Allerdings erklärte Trump nach einem Treffen mit Israels Premier Netanjahu, man stimmte in der Westjordanlandfrage "nicht hundertprozentig" überein. Details nannte er nicht.
    Diese Nachricht wurde am 07.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.