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Tennis
Bundesliga als unterschätzte Einnahmequelle

Bei den Tennis-Grand-Slams gilt: Wer weit kommt, verdient viel, wer nicht weit kommt, verdient weniger. Anders die deutsche Tennis-Bundesliga: Sie findet zwar weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt, ist für einige deutsche Profis finanziell aber nicht ganz unerheblich.

Von Bastian Rudde | 23.08.2015

    Der Deutsche Dustin Brown jubelt während seines Spiels gegen Rafael Nadal in der zweiten Runde von Wimbledon am 02.07.15
    Dustin Brown spielt für Rot-Weiß Köln. In Wimbledon besiegte er Rafael Nadal in der zweiten Runde. (dpa/ picture-alliance / Facundo Arrizabalaga)
    Es kommt eher selten vor, dass deutsche Tennisspieler mal Schlagzeilen machen. Dustin Brown ist es vor sieben Wochen gelungen – in Wimbledon. In der zweiten Runde besiegte Brown – damals Nummer 102 der Welt – den Spanier Rafael Nadal, einen der Mitfavoriten. Eine Runde später schied Brown selber aus – und schlug schon am Tag danach wieder auf: für Rot-Weiß Köln, zum Saisonauftakt der Bundesliga.
    "Unser neuer Topstar, unser Wimbledon-Held! Wir begrüßen Dustin Brown!"
    Gestern noch der heilige Rasen, heute Asche in Köln. Zwei Tennis-Welten. Brown ist in beiden zu Hause. Auch, weil er muss.
    "Ja, ich meine, jeder spielt gerne Bundesliga. Aber am Ende des Tages ist es wie bei jedem anderen Normalen: ist ein Job. Und damit verdient man Geld. Und man muss ja irgendwie auch sein Jahr finanzieren."
    Preisgelder zwischen 730 und 100.000 Euro
    Für den Drittrundeneinzug in Wimbledon bekam Dustin Brown etwas mehr als 100.000 Euro – für den 30-Jährigen das höchste Preisgeld seiner Karriere. Hört sich viel an – allerdings kann es bei Brown und anderen deutschen Spieler auch mal vorkommen, dass sie in der ersten Runde oder sogar noch früher in der Qualifikation scheitern – und das auch bei Turnieren mit einem Bruchteil des Preisgeldes von Wimbledon, der Australian, French oder US Open. So wie beim Challengerturnier in Meerbusch in Nordrhein-Westfalen. Etwas mehr als 6.000 Euro gibt's für den Sieger, 730 fürs Erreichen des Achtelfinals.
    Mit dabei in Meerbusch ist auch Philipp Petzschner. Er sagt, dass er im Jahr um die 25 Turniere spielt – verteilt über den ganzen Globus. Reisen, die erst mal bezahlt werden müssen und von denen man vielleicht auch mal mit einem eher mickrigen Preisgeld wieder zurückkommt. Da tut Planungssicherheit gut – und genau die garantiert die Bundesliga, sagt Philipp Petzschner.
    "Weil du einfach sagst: Du hast eine gewisse Anzahl von Einsätzen. Für die wirst du bezahlt. Das heißt jetzt anders wie bei Turnieren – wenn du früh ausscheidest, kriegst du wenig Geld. Bei der Bundesliga hast du einfach deine Einsätze. Das Geld wird die dann bezahlt und dadurch hast du eine Planungssicherheit für Reisen, für Coaches und so weiter. Von daher ist, glaube ich, Bundesliga vor allem für die deutschen Spieler eine sehr, sehr wichtige Instanz."
    Und das obwohl die Bundesliga-Saison recht kurz ist. Acht Spieltage hatte jeder Verein zwischen Anfang Juli und Mitte August. Detlev Irmler, Teamchef beim Rochusclub Düsseldorf, gewährt einen Einblick, wie viel der altehrwürdige Verein Top-Spielern zahlt.
    Hohe Gagen von Vereinen
    "Ja, das ist sehr unterschiedlich. Also die Honorare bewegen sich da von tausend Euro pro Spiel pro Einsatz bis 25.000 Euro pro Spieleinsatz. Also nicht für ganze Saison, sondern für ein Match."
    Philipp Kohlschreiber und Alexander Zverev, Nummer 28 und 85 der Welt, beim Tennisklub Kurhaus Aachen. Benjamin Becker, 72. der Welt, bei Grün-Weiß Mannheim. Jan-Lennart Struff, Nummer 111, beim deutschen Meister Blau-Weiß Halle. Deutsche Top-Spieler schätzen die Liga – halten sich vertraglich aber offen, nicht jedes Match mitmachen zu müssen. Sie wollen flexibel bleiben für die Turniere, auf denen sie Punkte sammeln für die Weltrangliste – und für ihre Popularität.
    Weil die deutschen also nicht immer können, sind viele ausländische Profis mit dabei. Sie sollen helfen, das Niveau zu sichern. So wie Andreas Haider-Maurer. Der zweitbeste Spieler Österreichs schlägt für den Gladbacher HTC auf – und schwärmt von der Bundesliga, zu deren Matches teilweise um die vier bis fünftausend Zuschauer kommen.
    "Man sieht, glaube ich, die Stärke bei den Mannschaften. Es sind sehr viele Top-100-Spieler immer wieder im Einsatz regelmäßig. Und ich würde sagen: Es ist die stärkste Liga weltweit."
    Vereine abhängig von Sponsoren oder Mäzenen
    Die Weltklasse muss man sich aber auch leisten können – und das klappt nicht immer. Anfang 2015 zog sich der Erfurter TC nach Jahren plötzlich aus der Bundesliga zurück. Vorher war ein wichtiger Sponsor abgesprungen. Überhaupt sind einige Bundesligisten stark abhängig von Mäzenen oder anderen Geldgebern. Marc Raffel, ehemaliger Sprecher der Liga, sagt, dass es insgesamt noch an Professionalität fehlt.
    "Es fehlt eine geschäftsführende Struktur. Es fehlt eine Marketingstruktur. Es ist ein Verbund von Tennisvereinen, die für sich eine gute Tennismannschaft organisieren, aber es gibt weder Netzwerk noch Strukturen, die diese Liga nach außen präsentieren sich lässt und da muss dringend halt dran gearbeitet werden."
    "Man kann die besten Tennisspieler sehen, direkt vor der Haustür, wo man in Deutschland nicht so soft die Gelegenheit hat!"
    Für Philipp Petzschner liegt das schlagkräftigste Werbeargument auf der Hand. Er erinnert aber auch daran, dass die Bundesliga auch jetzt schon dazu beiträgt, dass es deutschen Tennis-Profis vergleichsweise gut geht. Der 31-Jährige selbst hatte ein seiner Karriere einige Tiefen, konnte aber immer allein vom Sport leben. Und Petzschner weiß: Das geht in Deutschland bei weitem nicht jedem so.
    "Ich bin befreundet mit vielen anderen Sportlern und auch Olympioniken, die wirklich von neun bis fünf arbeiten und dann ihre Trainingszeiten drum herum basteln müssen. Da ist Tennis was ganz was anderes! Dieses Privileg haben wir, oder dieses Glück, dass du im Tennis wirklich gutes Geld verdienen kannst – auch, wenn du jetzt nicht der Beste bist."