
Ein Dokument der Terrormiliz soll den finanziellen Engpass des IS belegen. Sowohl die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London als auch der Islam-Wissenschaftler Aymenn Jawad Al-Tamimi, der beim US-Think-Tank Middle East Forum forscht, haben das Schreiben veröffentlicht. Es stammt aus dem November oder Dezember vergangenen Jahres.
Darin heißt es: "Wegen der außergewöhnlichen Umstände, denen sich der IS ausgesetzt sieht, ist entschieden worden, den Sold um die Hälfte zu reduzieren." Das gelte für alle Kämpfer gleichermaßen, niemand könne sich dieser Entscheidung entziehen.
Auch Sold von ausländischen Kämpfern betroffen
Nach Angaben der Beobachtungsstelle bedeutet das, dass die Kämpfer im Irak und in Syrien nur noch etwa 200 Dollar, also umgerechnet 183 Euro, pro Monat bekommen. Der Sold ausländischer Kämpfer halbiert sich demnach auf 400 Dollar (365 Euro). Die Beobachtungsstelle in London wird im Wesentlichen von einem syrisch-stämmigen Mann betrieben, der sich auf ein ausgedehntes Informantennetz in Syrien beruft. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist auch wegen der unübersichtlichen Lage in dem Bürgerkriegsland nicht möglich.
Obwohl keine genauen Daten über den Sold von IS-Kämpfern vorliegen, hält es aber auch der Islam-Wissenschaftler Al-Tamimi für wahrscheinlich, dass der IS bis zu der Kürzung pro Person mehrere hundert Dollar pro Monat gezahlt hat.
Erfolg von Luftangriffen?
Die möglichen Kürzungen beim IS könnten darauf hindeuten, dass die internationalen Luftangriffe auf IS-Stellungen ihr Ziel erfüllen und die Terrororganisation schwächen. Während der IS seit dem Sommer 2014 große Gebiete in Syrien und im Irak erobern konnte, verlor die Miliz in letzter Zeit Teile ihres Territoriums. Nach Angaben des US-Militärs büßte die Gruppe im Irak fast 40 Prozent an Gelände ein, in Syrien etwa 20 Prozent.
(pr/fwa)


