Sonntag, 05. Dezember 2021

Terrorprozess in New YorkHassprediger Abu Hamsa vor Gericht

Der radikale Islamprediger Abu Hamsa al-Masri muss sich ab heute in New York vor Gericht verantworten. Er soll 1998 an einer tödlichen Geiselnahme im Jemen beteiligt gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, in den USA ein Terrorcamp geplant und die Taliban unterstützt zu haben.

14.04.2014

Der Prozess gegen den Islamisten beginnt unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Der gebürtige Ägypter mit britischem Pass, der nur noch ein Auge und eine Metallkralle statt der rechten Hand hat, wies die Vorwürfe nach seiner Auslieferung durch die Briten zurück. Insgesamt werden dem 55-Jährigen elf Anklagepunkte zur Last gelegt. Bei der Geiselnahme westlicher Touristen im Jemen waren vier Menschen ums Leben gekommen. Abu Hamsa droht lebenslange Haft.
Packt Hamsa aus?
Nach Angaben von Richterin Katherine Forrest dürfte das Verfahren rund vier Wochen dauern. Bei der Verlesung der Anklageschrift vor 18 Monaten hatte sich Hamsa für nicht schuldig erklärt. In einem Schreiben an Richterin Forrest kündigte er kürzlich eine umfassende Stellungnahme an. Darin werde er auch zu allen "Personen, Organisationen und Orten" Stellung nehmen, die in der Anklageschrift genannt würden. Er hoffe, "Historikern, Forschern, Journalisten und Analysten" einen wertvollen Dienst zu erweisen. Während des Prozesses will Hamsa mit seinem eigentlichen Namen Mustapha Kamel Mustapha angesprochen werden.
Dem Verfahren war ein rund zehnjähriges Tauziehen vorangegangen. Kurz nach seiner Anklage im April 2004 stellten die USA ein Auslieferungsgesuch an Großbritannien, gegen das sich Hamsa bis zur letzten Instanz zur Wehr setzte.
Abu Hamsa wurde in Ägypten geboren und zog Ende der 70er Jahre nach Großbritannien, wo er sich einbürgern ließ. Er arbeitete zunächst als Türsteher in einem Nachtclub, dann als Ingenieur. Religion spielte für ihn noch keine große Rolle. Erst eine Pilgerreise nach Mekka im Jahr 1987 brachte die Wandlung: Er lernte den Gründer der afghanischen Mudschahedin, Abdullah Assam, kennen.
Vom Krieg in die Moschee
Hamsa kämpfte in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer sowie im Bosnien-Krieg. Bei einem Unfall in einem afghanischen Minenfeld verlor er beide Hände und sein Auge. 1995 kehrte er nach London zurück, wo er sich als Imam der Moschee von Finsbury Park mit radikalislamischen Brandreden rasch einen Namen machte.
Die Moschee spielte bei der Radikalisierung junger Muslime eine wichtige Rolle. Bei einer nächtlichen Razzia im Jahr 2003 beschlagnahmten die Ermittler in der Moschee Waffen, rund hundert gestohlene und gefälschte Pässe sowie Schutzanzüge gegen chemische Angriffe. Ein Jahr später wurde Hamsa auf US-Antrag verhaftet. Auch in London wurde ihm der Prozess gemacht: Wegen Aufruf zum Rassenhass und zu Mordanschlägen erhielt er 2006 eine siebenjährige Haftstrafe.
(fwa/stfr)