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StartseiteCampus & KarriereDer Datenschutz und das digitale Lehrerzimmer21.03.2019

Testmodell an NRW-SchulenDer Datenschutz und das digitale Lehrerzimmer

20 Schulen in NRW testen derzeit die Cloud-Software Logineo. Ab den Osterferien werden es noch mehr. Die Plattform soll die Digitalisierung der Bildung voranbringen, doch wird ihre Datensicherheit diskutiert. Erfahrungen der Testschulen konnten nicht erfragt werden, denn das Ministerium schweigt dazu.

Von Kai Rüsberg

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Mathelehrer Horst Kretschmer erklärt (Deutschlandradio/H. Bernhard)
Vorläufig sollen Schülerinnen und Schüler keinen Zugang zu Logineo NRW erhalten (Deutschlandradio/H. Bernhard)
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E-Mail checken, Daten hochladen, Vertretungspläne online führen. Für Schulen und ihre Lehrer sind solche digitalen Basisdienste auch 2019 kein Alltag. Denn es geht um sensible Daten - die Daten der Schüler. 

"Logineo NRW bietet Schulen eine rechtssichere, nicht kommerzielle und daten­schutz­konforme digitale Arbeitsplattform, welche den Prozess der Mitbestimmung anders als viele andere Produkte auf dem Markt, bereits durchlaufen hat."

Heißt es in einem Informationsvideo des Schulministeriums in NRW. Logineo ist ein Online-Anwendung, die alltägliche digitale Dienste wie Email oder elektronische Termine für Lehrer umfasst - mit nur einer Anmeldung:

"Für die Nutzung von Logineo NRW muss also keine spezielle Software installiert oder gar gesonderte Hardware im Schulkeller verbaut werden. Prinzipiell reicht für die Nutzung von Logineo NRW ein internetfähiger Computer aus."

Datenunsicherheit bei privaten Geräten

So weit die Theorie. Wenn es denn ausreichend Computer an den Schulen für alle Lehrer gäbe. Bislang ist aber völlig offen, ob künftig alle Lehrer ein Dienstgerät zur Verfügung gestellt bekommen. Nicht selten ist es an den Schulen in Deutschland so, dass sich je 25 Lehrer einen Schulcomputer teilen. Der Verband Lehrer.NRW wehrt sich dagegen, dass nun Privatcomputer genutzt werden müssten, so der stellvertretende Vorsitzende Sven Christoffer:

"Wir haben vor allem Probleme gesehen, mit der Möglichkeit von bring-your-own-device, das heißt, dass Lehrkräfte ihre eigenen Endgeräte nutzen dürfen um sich bei Logineo einzuloggen. Das haben wir für datenschutzrechtlich bedenklich gehalten, denn da geht es um Schülerdaten und Lehrkräfte sind keine IT-Experten, das sind Laien und die Geräte werden also von Laien verwaltet."

Denn wenn die Lehrer ihren privaten Computer einsetzen wollen, sind sie für die Sicherheit der Daten selbst verantwortlich. Sie müssen das vorab in einer Vereinbarung unterschreiben. Besser nicht, meint der Verein "Digitalcourage" aus Bielefeld. Jessica Wawrzyniak kritisiert die Bedingungen, die jeder Lehrer vor einer Nutzung privater Laptops, Smartphones oder Tablets akzeptieren muss:

"Beispielsweise dürfen die Daten nicht Dritten zugänglich gemacht werden und wenn man diese Formulierung streng nimmt, dann ist nicht einmal die Nutzung von Windows 10 unzulässig, da wir mittlerweile wissen, dass das Betriebssystem standardmäßig viele Daten bei Microsoft speichert und wer sich nicht aktiv mit der Unterbindung der Datenweiter­gabe auseinandersetzt, gibt eben noch viel sensiblere Daten an Microsoft weiter."

Weitere Problematik: die Lehrer haben zudem oft gar nicht die nötigen technischen Kenntnisse, meint Digitalcourage: 

"Es ist derzeit nicht möglich vorauszusetzen, dass alle Lehrkräfte dieses technische Know-how haben. Beispielsweise wissen, wie sie ein sicheres Passwort anlegen, wie sie zum Beispiel einen Datenträger verschlüsseln. Das können beispielsweise Klassenfahrtfotos sein, die dann weiter verteilt werden sollen, über einen USB-Stick. Dieser müsste dann verschlüsselt werden und wir können gerade nicht voraussetzen, dass alle Lehrkräfte dieses Wissen haben."

Prävention von Frust durch Digitalisierung

Ohnehin ist die Entwicklung von Logineo NRW von Rückschlägen geprägt. Trotz jahrelanger Programmierung gab es "gravierende Sicherheits- und Datenschutzmängel". Die Einführung wurde 2016 zunächst gestoppt, räumt Bildungsstaatssekretär Mathias Richter ein:

"Wir wollten unbedingt verhindern, dass das Thema Digitalisierung mit Frust-Erfahrungen in den Schulen beginnt, wenn man über eine gewisse Zeit eine solche digitale Arbeitsplattform nutzt und sie funktioniert in wesentlichen Bestandteilen nicht, dann macht Digitalisierung in den Schulen für die Lehrkräfte mit dieser Arbeitsplattform auch keinen Spaß."

Nach den Fehlschlägen wurden zahlreiche Wünsche an die Software zunächst zurückgestellt. Zum Beispiel werden die 2,5 Millionen Schüler vorläufig keinen Zugang zu Logineo NRW erhalten oder von digitalen Schulbüchern ist keine Rede mehr. Jetzt soll es aber losgehen: Seit Februar 2019 ist das System im Testbetrieb in 20 Schulen aller Schulformen. Ab den Osterferien soll es endlich auch für andere Schulen frei gegeben werden. Wie die Erfahrungen in den Testschulen sind, ist unklar. Denn welche Schulen dabei sind, will das Ministerium nicht mitteilen. Nachfragen vor Ort sind so nicht möglich.

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