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Testosteron und Co.

Doping im Radsport - hinterher wussten viele, dass so etwas schon länger mehr oder weniger zum Trainingsalltag gehörte und gehört. Doch wie sieht es im Freizeitsport aus? Untersuchungen der Deutschen Sporthochschule Köln belegen, dass Amateure weit häufiger dopen, als bisher angenommen. Oft sind damit Risiken verbunden, die die Sportler nicht bedenken.

Von Mirko Smiljanic | 19.06.2007

Brauweiler bei Köln im Fitnessraum des Abtei-Gymnasiums. Seit einer Stunde trainiert Harald Becker an diversen Maschinen.

"Das ist ein Butterflygerät, da wird die Brustmuskulatur gekräftigt."

20 Mal hintereinander drückt der Sportlehrer zwei Hebel von der Seite nach vorne zur Brust: Muskelaufbau ist ein mühseliges Geschäft. Schneller würden anabole Steroide wirken.

" Also erst einmal der Muskelaufbau würde beschleunigt werden und im Ausdauerbereich könnte man einfach mehr trainieren und man könnte länger trainieren und würde seine körperlichen Grenzen irgendwann überstrapazieren, so dass es zu Muskelverletzungen und zu Verletzungen im Gelenkbereich kommen könnte. "

Die meisten Schüler von Harald Becker wissen das, bei einigen könnte er sich aber durchaus Ansätze von Doping vorstellen.

" Also, ich denke Eiweißpräparate und Mineralpräparate, aber die zählen ja noch nicht zu den Dopingmitteln, werden die Schüler schon zu sich nehmen, bei Kreatin setzen sie so eine imaginäre Grenze, obwohl sie nicht wissen, was darunter zu verstehen ist, und alles, was darüber hinaus geht, hat so einen ominösen, mysteriösen Touch, da würde mal gerne, aber so richtig trauen sich unsere Schüler nicht dran zu gehen. "

Das sehen viele Freizeitsportler anders. Untersuchungen der Deutschen Sporthochschule Köln belegen, dass Amateure weit häufiger dopen, als bisher angenommen.

"Das sind zunächst mal ganz einfache Sachen wie Aminosäuretabletten oder Kreatin, die ja noch erlaubt sind, bis hin zu Testosteron oder Sachen zum Spritzen, da ist die ganze Bandbreite dabei zum Muskelaufbau, zum Stoffwechsel anregen, zum Fettabbau, Coffeintabletten und so weiter,..."

... sagt Heiko Diedrich aus Pulheim bei Köln, Sportler, Arzt und profunder Kenner der Doping-Szene. Unerlaubte Mittel zu kaufen, ist mittlerweile ein Kinderspiel: Übers Internet lässt sich fast alles im Ausland bestellen, der Zoll kommt mit den Kontrollen kaum noch nach. Zum Schaden der Freizeitsportler, die - sagt Mario Thevis, Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln - wenig über die medizinischen Risiken wissen.

"Das fängt an, nehmen wir mal die anabolen Steroide als, bei Herzerkrankungen, unwahrscheinlich schlechte Blutwerte, die Blutfettwerte steigen ins unermessliche, es kommt zur Arteriosklerose, Akne, Herzklappenprobleme, um nur einige zu nennen, Krebsrisiko steigt gewaltig, vor allem beim Mann, beim Mann kann es zum Brustwachstum kommen."

Noch konsumieren vor allem Männer unerlaubte Dopingmittel, doch Frauen und vor allem Mädchen holen auf. Natürlich ebenfalls mit gesundheitlichen Risiken, vom Wachstumsstopp bis zum Ausbleiben der Menstruation, alles ist möglich. In einem Punkt grenzen sie sich allerdings von Männern ab: Sie dopen aus anderen Gründen.

"Mädchen sind eigentlich mehr an der Figurformung und Bodyshape und Straffung und Gewichtabnahme interessiert, da kommen mehr Substanzen zum Einsatz, die den Fettabbau anregen, die Stoffwechsel beschleunigen,..."

... und verdrängen erfolgreich die gesundheitlichen Risiken. Den Kampf gegen das Doping gewinnt nur, wer konsequent aufklärt.