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StartseiteCorsoWieder auf den Schachbrettern, die die Ska-Welt bedeuten09.02.2019

The Specials - "Encore"Wieder auf den Schachbrettern, die die Ska-Welt bedeuten

Die britische Kultband The Specials feiert ihr 40jähriges Jubiläum mit einem Comeback. In Großbritannien war sie prägend für den British Ska. Vor allem war sie aber auch eine der ersten Bands, die gegen Rassenhass sang. Ihre Texte handeln auch heute noch davon - sowie von der Verlogenheit der Politiker.

Von Amy Zayed

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Die Ska-Band "The Specials" auf ihrer  Seaside Tour 1980.
Terry Hall und seinen Bandkollegen ist vollkommen klar, dass sie das musikalische Rad nicht neu erfinden werden
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Terry Hall: "Als wir anfingen wieder auf Tour zu gehen, wollten wir uns eigentlich nur alle wieder kennen lernen. Wir hatten keine Ambitionen, wieder neue Musik zu machen. Aber vor drei Jahren fingen wir dann doch wieder an, Songs zu schreiben. Wir hatten keine Ahnung, ob diese als Songs der Specials erscheinen würden, oder ob sie überhaupt erscheinen würden. Aber da wir nun einmal so viel Zeit miteinander verbrachten, war es absolut natürlich, dass wir neue Songs schrieben."

Die Band als Ausrede

So ganz selbstverständlich war es allerdings nun doch nicht. 2011, nur zwei Jahre nachdem sich die Specials 30 Jahre nach ihrer Auflösung wieder zusammengerauft hatten, verkündete die Bands bereits offiziell am 31. Oktober 2011 ihren Letzten Gig spielen zu wollen. Terry Hall erklärte mir damals im Interview, er habe keine Lust mehr. Doch nach der vermeintlich letzten Show änderte die Band dann doch die Meinung. Heute lächelt Terry Hall über diesen kurzen Zwischenfall, der den Fans damals einen Riesenschrecken einjagte: "Ach, ich hab andauernd plötzlich mal keinen Bock, das ist nichts Neues! Aber ganz ehrlich. Der Grund, warum ich damals wirklich drangeblieben bin, ist mein Bandkollege Lynval Golding. Er hat mich immer wieder angetrieben, und als er dann von London nach Seattle zog, musste ich mir irgendeinen Grund überlegen, damit ich ihn irgendwie für ein paar Tage oder Wochen wieder nach London bringen konnte. Da war die Band die beste Ausrede."

Terry Hall und Lynval Golding sind die Hauptsongschreiber auf dem Album, und das hört man auch definitiv.  Die Single "Vote forme" handelt von der Verlogenheit der Politiker, und in "10 commandments" geht es um Frauenrechte, mit einer Gesangseinlage der jungen Aktivistin Sofia Khan. Dabei klingen die Songs teilweise wie die altbekannten Specials-Songs. Ska-lastig, tanzbar, mit viel Hall und Bass, manchmal sogar wie ein Remix ihres Nr.1 Hits "Ghost town". Dann wiederum gibt es Songs, die vollkommen anders klingen, wie das Equals-Cover "Blue eyed black sinned boy", was eher wie ein 70er Jahre Soul- Klassiker klingt, oder "Breaking point", ein Stück, bei dem man den Eindruck bekommt, Terry Hall und seine Kollegen hätten eine Zeitreise in die späten 20er Jahre gemacht.

Terry Hall hält sich an einem Mikrofonständer fest, singt (Mark Metcalfe/Getty Images)Der Sänger der Specials, Terry Hall (Mark Metcalfe/Getty Images) 

Terry Hall und seinen Bandkollegen ist vollkommen klar, dass sie das musikalische Rad nicht neu erfinden werden, und das wollen sie auch gar nicht. Sie haben das Album gemacht, weil sie Lust drauf hatten, und weil sie das Gefühl hatten, dass die Themen, die ihnen in ihrer Musik wichtig sind, auch heute noch politisch und gesellschaftlich Relevanz haben.

Rassimus ist eine Ursache für den Brexit

"Eigentlich hat sich nicht viel geändert. Bloß die Form hat sich geändert. Damals in den 70ern waren die Asiaten die Sündenböcke für alles, was falsch lief. Heute sind es die Osteuropäer. Am Ende ist es vollkommen gleich, ob der Sündenbock schwarz oder weiß ist. Es ist einfach Rassismus. Eine Gruppe von Menschen wird ausgegrenzt aufgrund ihrer Herkunft und für das Übel Großbritanniens verantwortlich gemacht. Und das ist falsch. Das hat man auch an dem Ausgang des Brexitreferendums gesehen. Genau diese Gruppe von Menschen, die eh alle hasst, haben uns aus der EU gewählt, weil sie gegen Einwanderung sind."

"Encore" ist in vieler Hinsicht vor allem textlich ein gelungenes Album. Ehrlich, ohne mit dem Finger zu zeigen, oder irgendwelche Faustregeln, wie man die Gesellschaft ändern könnte. Manchmal sehr persönlich, wie in dem Song: "A man called depression", auf dem Hall seinen Kampf mit seiner bipolaren Störung beschreibt, die auch Schuld am Aus der Band 1981 war. Doch manchmal fehlt dem Album etwas Kantigkeit etwas mehr Klarheit und Position in den Texten. Hall singt nie offen über den Brexit oder über die Missstände in Großbritannien, sondern verharrt in Allgemeinplätzen. Doch ansonsten ist "Encore" eine Platte, die Spaß macht. Ob sie am Ende doch nur eine Zugabe wird, oder der Beginn einer neuen Specials-Ära wissen die Specials selber noch nicht so genau und sollten sie irgendwann wieder Lust auf ein neues Album haben, dann machen sie eben wieder eins!

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