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Theaterwissenschaften versus Unileitung

Zum Sommersemester wurden auch an der Ruhr-Universität Bochum Studiengebühren neu eingeführt. Eine Befreiung ist allerdings möglich für Mitglieder der Fachschaft. Nun ist die Fachschaft für Theaterwissenschaften von gerade mal 10 Personen auf beachtliche 134 Mitglieder gewachsen. Die Unileitung reagiert verärgert.

Von Daniel Chur |
    Geredet wurde viel in den letzten Wochen an der Ruhr-Universität Bochum. Allerdings weniger miteinander als vielmehr übereinander. Hintergrund waren zum einen die in Nordrhein-Westfalen zu diesem Semester eingeführten Studiengebühren. Zum anderen überspitzt die Frage: Wie viel Fachschaft vertragen diese Gebühren eigentlich?

    In einer Vollversammlung der Bochumer Theaterwissenschafts-Studierenden Anfang des Jahres wurde über das Thema Mitarbeit in der Fachschaft gesprochen. Und dabei kam auch das Thema Befreiung von Studiengebühren zur Sprache, was ja im Falle von Fachschaftsmitarbeit möglich ist. Nach der Vollversammlung wuchs die Fachschaft dann tatsächlich: Fast die Hälfte der Bochumer Theaterwissenschaftler waren plötzlich Fachschaftsmitglied. Darüber war auch die Verwaltung der Ruhr-Universität bereits im Februar informiert. Gesagt wurde zu dieser Entwicklung von offizieller Stelle jedoch nichts. Auch nicht, als etwa 70 Studierende aus der Fachschaft zum neuen Semester einen Antrag auf Gebührenbefreiung stellten. Im Gegenteil: Die Anträge wurden zunächst kollektiv bewilligt, was offenbar auch daran lag, dass nur drei Mitarbeiter mit der Bearbeitung der Anträge betraut waren. Doch dann, einen Tag vor Beginn des Sommersemesters, kam für die Studierenden die Überraschung:

    "Bis zum 30. März sind dann tatsächlich alle bewilligten Anträge gelöscht worden. Das heißt, auch unser Rückmeldestatus ist zurückgesetzt worden. Wir sind bis heute nicht in der Lage, Studienbescheinigungen zu drucken oder uns einen Ticketaufdruck zu besorgen. Und offiziell haben wir erst Ende der ersten Aprilwoche erfahren, dass überhaupt ein solcher Vorgang stattgefunden hat. Und das ist natürlich was, wo wir uns denken: Wie werden wir hier eigentlich behandelt? Wie springt man mit uns um? Man lässt uns da hängen. Man informiert uns irgendwann, nachdem das ganze längst geschehen ist nachträglich darüber."

    Schildert Gregor Runge von der Fachschaft Theaterwissenschaften den Vorgang und kritisiert damit auch die Kommunikationspolitik der Univerwaltung. In der Presse äußerte sich der Kanzler der Uni Bochum, Gerhard Möller, dafür umso intensiver, sprach von einem "gezielten Missbrauch" und von Vertrauen, dass von Seiten der Studierenden enttäuscht wurde. Auch Bernhard Stöckert, Prorektor für Lehre in Bochum, beurteilt die Sachlage ähnlich:

    "Es war für uns natürlich nicht so ganz unerwartet, dass so etwas auftreten könnte. Aber es ist zunächst mal einfach festzustellen, dass eine Vertretung einer größeren Menge natürlich immer nur eine Teilmenge sein kann. Und wenn das dann in den Proportionen nicht mehr übereinstimmt mit dem, was üblicherweise an so einer Stelle relevant ist, dann muss man einfach sagen: Das ist schon ein gewisser Missbrauch. "

    Die Theaterwissenschaftler sehen dies naturgemäß anders und betonen ihre Motivation, sich zu engagieren. So auch dieses Fachschaftsmitglied:

    "Wir leisten Arbeit, investieren viel und wir machen das auch gerne. Und uns da einen Missbrauch vorzuwerfen, finde ich deshalb absolut unverständlich."

    Fest steht, dass es keine festgeschriebene Zahl gibt, wie viele Mitglieder eine Fachschaft haben darf. Fest steht auch, dass im Vorfeld der Studiengebühreneinführung an der Ruhr-Universität hier bewusst keine solche Zahl festgelegt wurde. Als sich Univerwaltung und Studierendenvertreter im letzten Jahr zusammensetzten, um mit Blick auf die Gebühren derartige Fragen zu diskutieren, versprachen die Fachschaften, hier keinen Missbrauch entstehen zu lassen. Britta Juhre vom Studierendenservice in Bochum war bei den Gesprächen dabei:

    "Wir haben einfach unseren Studierenden, die als Vertreter in den Kommissionen mit vertreten waren, vertraut und gesagt, na ja, das wird schon irgendwie schief gehen. Und im Endeffekt hat sich das also nicht bewahrheitet."

    Nun bahnt sich ein Rechtsstreit zwischen der Fachschaft und der Unileitung an. Die betroffenen Theaterwissenschaftler bekamen vorletzte Woche von der Univerwaltung eine Mahnung, in der sie zur Überweisung der 500 Euro Studiengebühren ultimativ aufgefordert wurden. Andernfalls drohe die Exmatrikulierung. Diese Sanktion bewertet die Fachschaft als Rechtsbruch. Dennoch überwiesen die Betroffenen das Geld, jedoch unter Vorbehalt, in der Hoffnung auf eine spätere Rückzahlung. Die soll nun ein Anwalt bewirken, den die Theaterwissenschaftler in dieser Angelegenheit jetzt eingeschaltet haben. Grundsätzlich soll juristisch geklärt werden, wer nun im Recht ist - die Studierenden oder die Univerwaltung?

    Auch wenn an anderen Hochschulen, die seit kurzem mit Studiengebühren konfrontiert sind, ein solcher Fall wie der in Bochum noch nicht aufgetreten ist, so muss dieser Vorfall nicht einmalig bleiben. Wo keine klaren Reglungen formuliert sind, entstehen Grauzonen. Wie die Geschichte in Bochum ausgehen wird, ist unklar. Jedoch zeigt sie, dass die Studiengebühren auch weiter an den Hochschulen für Diskussionsstoff sorgen - selbst, wenn man dabei nicht miteinander redet.