Leihmutterschaft
Theologe Dabrock: "Gesellschaft sollte Debatte ohne Schaum vorm Mund führen"

Der Theologe und frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Dabrock, fordert eine unaufgeregtere Debatte über Leihmutterschaft in Deutschland. Er sagte im Deutschlandfunk, die Gesellschaft sollte das Thema "ohne Schaum vor dem Mund" diskutieren. Der Wunsch nach Kindern sei einer der stärksten überhaupt - es gehe darum, die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen anzuhören.

    Peter Dabrock in Berlin bei einer Pressekonferenz über die Coronavirus-Krankheit (2020).
    Der Theologe und Ethiker Peter Dabrock (Archivbild) (picture alliance / dpa / Reuters-Pool / Axel Schmidt)
    Dabrock führte aus, die deutlich restriktivere deutsche Gesetzgebung gebe im Endeffekt Wohlhabenderen die Option, eine Leihmutterschaft trotzdem im Ausland in Anspruch zu nehmen - während es dem Rest der Gesellschaft nicht erlaubt sei. Angesichts der Pluralisierung von Lebensformen werde die Leihmutterschaft eine Möglichkeit der medizinischen Fortpflanzung werden, die man nicht einfach weiter verbieten könne, so Dabrock. Daher müsse man nach einem möglichst verantwortlichen Umgang mit dem Thema schauen. Der Theologe der Universität Erlangen nannte als Kriterien dafür unter anderem, es müsse sichergestellt werden, dass die Leihmutterschaft freiwillig und auf Augenhöhe stattfinde. Die Familienplanung bei der Leihmutter müsse abgeschlossen sein und es sollten "möglichst wenig" kommerzielle Interessen bestehen.

    Berichte über Leihmutterschaft-Nutzung

    Dabrock ging auch auf jüngste Medienberichte ein, wonach der CDU-Bundestagsabgeordnete Streeck mit seinem Partner mithilfe einer Leihmutterschaft Eltern geworden sein sollen. Wenn Prominente diese Option im Ausland nutzten, habe das einen Aufmerksamkeitseffekt, so Dabrock. Dies führe in dem Moment vielleicht dazu, dass das Thema stark emotionalisiert werde - es könne jedoch auch zur Folge haben, dass in der Gesellschaft nochmals darüber nachgedacht werde, ob die geltende Regelung noch zeitgemäß sei.
    Leihmutterschaft und Eizellenspende sind in Deutschland verboten, in anderen Ländern nicht. Mediziner, die die Eingriffe vornehmen, machen sich strafbar, nicht aber die Leihmütter und Spenderinnen.
    Diese Nachricht wurde am 24.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.