Freitag, 18.06.2021
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteForschung aktuellSpray mit Mini-Antikörpern soll gegen Covid-19 helfen27.05.2021

Therapie-ForschungSpray mit Mini-Antikörpern soll gegen Covid-19 helfen

Antikörper-Medikamente mildern schwere Verläufe einer Sars-CoV-2-Infektion ab. Allerdings müssen sie als Infusion gegeben werden - auch deshalb werden sie in Deutschland kaum genutzt. Neu entwickelte Nanobodies können als einfaches Spray gegeben werden. Aber der Weg zur Zulassung ist noch weit.

Von Volkart Wildermuth

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Asthma-Patientin inhaliert ein Medikament. (imago stock&people)
Ein Spray könnte den Einsatz von Antikörpertherapien deutlich erleichtern (imago stock&people)
Mehr zum Thema

Kampf gegen Coronavirus - Medikamente zur Behandlung von Covid-19

Therapie mit Antikörpern Künstlicher Schub fürs Immunsystem

Erste deutsche Studienergebnisse Inhalieren statt injizieren: Antikörper-Präparate gegen Covid-19

Monoklonale Antikörper fangen das Coronavirus ab, bevor es überhaupt Schaden anrichten kann. Das klingt gut und funktioniert auch, gerade bei Risikopatienten. Aber dieses Potenzial wird derzeit kaum genutzt. Die Medikamente sind für viele Länder schlicht zu teuer. Aber auch in Deutschland bleiben die bereits eingekauften Dosen oft im Kühlschrank. Grund sind logistische Probleme. Die Antikörper werden als Infusion in der Klinik verabreicht, aber die Therapie wirkt am besten kurz nach der Infektion. Zu diesem Zeitpunkt haben die Patienten kaum Beschwerden, gehören also eigentlich gar nicht im Krankenhaus.

  (dpa / Ole Spata) (dpa / Ole Spata)Kampf gegen Coronavirus - Medikamente zur Behandlung von Covid-19
Die Hoffnung richtet sich auf bekannte Medikamente, die umfunktioniert werden könnten. Remdesivir war ein Kandidat, aktuell stehen Antikörper-Mittel im Fokus.

Wie kommt die Therapie zum Patienten?

Die Berliner Charité hat deshalb vor kurzem die Hürden gesenkt und eine Antikörperambulanz eingerichtet, erklärt Miriam Stegemann. "Wir haben eine Hotline, die erreichbar ist für ärztliche Kolleginnen und Kollegen, wo die Patienten angemeldet werden können. Und dann bekommt man sehr kurzfristig einen Termin, entweder noch am gleichen Tag oder für den nächsten Tag, um eben diese Infusion zu erhalten."

Die Infektionsmedizinerin behandelt so Patienten, die ein besonderes Risiko für schwere Coronaverläufe haben. Etwa weil ihr Immunsystem geschwächt ist, weil sie an bestimmten Vorerkrankungen oder hohem Übergewicht leiden oder weil sie schon älter als 50 Jahre sind. Idealerweise würden sie die Therapie einfach beim Hausarzt erhalten, schließlich sind die Patienten noch nicht schwer krank. Aber das ist bei einer Infusion kaum möglich. Der Antikörperspezialist Yi Shi von der Universität Pittsburgh in den USA forscht deshalb an einem neuen Ansatz: Nanobodies.

Ein Lama liefert die Miniatur-Antikörper

Er sagt: "Nanobodies sind zehnmal kleiner als humane monoklonale Antikörper, sie sind sehr robust und sie lassen sind preisgünstig in Bakterien produzieren." Nanobodies sind gentechnisch verkleinerte Versionen der sowieso schon sehr kleinen Antikörper von Lamas oder Alpakas. Kurz nach Beginn der Pandemie hat Yi Shi das Spikeprotein des neuen Coronavirus in ein Lama namens "Wally" gespritzt. Nach langen Laborexperimenten konnte er so PiN21 gewinnen. Schon ganz kleine Mengen dieser Nanobodies reichen in der Petrischale aus, um die Vermehrung des Coronavirus zu blockieren. Normale Antikörper müssen per Infusion verabreicht werden. Die kleinen Nanobodies können auch als Spray direkt an den Ort der Infektion gelangen: in die Atemwege und die Lunge. Im Versuch kann PiN21 so Hamster vor SARS-CoV-2 schützen. Normalerweise verlieren die Tiere nach einer Infektion dramatisch an Gewicht.

Yi Shi erklärt dagegen: "Der Gewichtsverslust tritt nach der Inhalationstherapie überhaupt nicht auf, die Tiere nehmen eher zu. In der Lunge sank die Virenmenge um den Faktor eine Million. Und diese neue Therapie verhinderte auch die Lungenentzündung." Die Ergebnisse sind im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht. 

Bisher müssen Nanobodies sehr früh gegeben werden

Allerdings wurden die Nanobodies zum Zeitpunkt der Infektion verabreicht oder nur Stunden später. So schnell wird eine Behandlung in der Realität nicht möglich sein. Es ist also noch viel Entwicklungsarbeit notwendig. Miriam Stegemann von der Berliner Charité sieht aber durchaus Potential für den neuen Ansatz: "Man kann sich schon vorstellen, dass sich durch andere Applikationsweisen so Hürden vermeiden lassen würden, die wir natürlich sehen, die einhergehen in der Gabe von Medikamenten, die nur als Infusion verabreicht werden können."

Vielleicht können Nanobodies dazu beitragen, die wirksamen Antikörpertherapien breiter verfügbar zu machen. Aber erst, wenn sie sich nicht nur in Hamstern, sondern auch in klinischen Studien bewährt haben.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk