Corso 28.10.2020

Till Brönner kritisiert Krisenmanagement"Wir stehen mit dem Rücken zur Wand"Till Brönner im Gespräch mit Adalbert Siniawski

Beitrag hören Till Brönner steht vor seiner Serie mit Stahlarbeitern von Thyssenkrupp (dpa (Rolf Vennenbernd))Der Jazzmusiker Till Brönner schlägt gerade laute Töne an: Er ist besorgt, dass die Kulturbranche die Pandemie nicht überlebt (dpa (Rolf Vennenbernd))

Der Musiker und Fotograf Till Brönner bangt um das Überleben der Kulturbranche. Die Politik biete kreativen Freiberuflern zu wenig Hilfe an: "Ich glaube nicht, dass die Branche so lange durchhält wie uns die Pandemie in Atem hält", sagte Brönner im Dlf.

In einem YouTube-Video, das er auf seinen Social-Media-Kanälen hochgeladen hat, appellierte der Jazz-Trompeter und Fotograf für einen anderen Umgang mit der Kulturbranche in Zeiten von Corona. Er könne als einer der Gutverdiener die Pandemie gut überleben, sagte er im Dlf, aber viele andere Kolleginnen und Kollegen nicht. Das erste Mal in seinem Leben gebe er ein derartiges Statement ab, weil er das Gefühl habe, handeln zu müssen:

"Wir beobachten insgesamt seit Beginn der Pandemie, dass uns immer wieder Versprechungen gemacht werden", aber, "Corona-Überbrückungshilfen werden deshalb nicht abgerufen, weil sie in großen Teilen einfach nicht greifen", so Brönner.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Lebensferne Hilfsangebote

Die schnellen Hilfen gingen an der Lebenswirklichkeit von Künstlerinnen und Künstlern fundamental vorbei, erklärte Brönner. "Ich glaube nicht, dass die Branche so lange durchhält wie uns die Pandemie in Atem halten wird."

Sein neues Album "On Vacation", das Ende der Woche erscheinen wird, konnte er noch entspannt in Frankreich aufnehmen, es sei nicht von Corona beeinträchtigt worden. Aber insgesamt stünde die Branche mit dem Rücken zur Wand. Dass der lange Lockdown "medizinisch wichtig" sei, stelle er nicht in Frage, betonte Brönner, aber "wie eine Kulturlandschaft aussieht, wenn man sie ein Jahr nicht in Augenschein nimmt? Ich glaube: ziemlich marode."

Brönner glaubt, dass die Politik zeigen muss, dass ihr die Lebenswirklichkeit von Künstlern bewusst ist und, dass man es mit einem wahnsinnig wichtigen Wirschaftszweig zu tun habe. "Das ist kein Luxusproblem, das ist ein Kernproblem."

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