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StartseiteSport AktuellEuropäer gegen den #Restart in China 08.09.2020

TischtennisEuropäer gegen den #Restart in China

Die besten Tischtennis-Spieler der Welt sollen sich im November in einer "Bubble" isolieren. So sollen sie den World Cup und das Weltfinale mit möglichst geringem Risiko für Corona-Infektionen spielen können. Den #Restart wollen aber Spieler wie Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov nicht mitmachen.

Von Raphael Späth

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Das Foto zeigt den deutschen Tischtennis-Profi Timo Boll. (imago / Mario Kneisl)
Der deutsche Tischtennis-Profi Timo Boll wird nicht zum #Restart nach China reisen (imago / Mario Kneisl)
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Das Vorgehen des Weltverbandes sei "inakzeptabel und ein Verstoß gegen alle Prinzipien des Fair Play". Das steht in einem Schreiben an den Weltverband, das von fast allen Spielern unterzeichnet wurde – außer den chinesischen.

Der Hintergrund: Ein Großteil der Tischtennisprofis verdient sein Geld in Europa, die großen europäischen Ligen haben den Spielbetrieb auch schon wieder aufgenommen und planen auch im November zu spielen.

"Des Einen Vorteil, des Anderen Nachteil"

Der World Cup der Männer hätte ursprünglich in Düsseldorf stattfinden sollen, der Deutsche Tischtennis-Bund war nach Aussage von Präsident Michael Geiger auch dazu bereit, eine solche Bubble-Veranstaltung mit drei großen Turnieren innerhalb weniger Wochen auf die Beine zu stellen.

"Allerdings wussten wir auch, dass da im Hintergrund schon Gespräche mit China laufen und es war auch nicht klar, ob chinesische Sportler, egal welcher Sportart auch immer, überhaupt noch 2020 aus China ausreisen würden oder durften."

Und ein hochklassiges Turnier ohne chinesische Top-Stars wäre für den Weltverband dann wohl aus marketingtechnischer und finanzieller Sicht doch zu heikel. Nachvollziehbar, meint Michael Geiger. Aber:

"Des Einen Vorteil ist ja manchmal auch des Anderen Nachteil. Und das berührt natürlich dann auch originäre Interessen europäischer Spieler und europäischer Verbände."

Tischtennis WM in Düsseldorf: Bundestrainer Jörg Rosskopf (l.) im Gespräch mit Timo Boll. (dpa / Jonas Güttler ) (dpa / Jonas Güttler )Tischtennis-Turnierserie - "Es ist wichtig, aus dem Alltag herauszukommen"
Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf verschafft seinen Spielern in der Coronakrise mit einer neuartigen Turnierserie Wettkampfpraxis. "Wettkämpfe kann man nicht durch Training simulieren", sagte Roßkopf im Dlf. Dabei ist er selber sehr skeptisch, ob 2020 überhaupt noch Wettkämpfe stattfinden würden.

Denn die Spieler in Europa verdienen ihr Geld nicht über Preisgelder, wie das etwa in Asien der Fall ist, sondern durch den alltäglichen Liga-Betrieb. Alleine aus der Männer-Bundesliga wären sechs Tischtennis-Profis beim World Cup startberechtigt – aufgrund von Reise-Einschränkungen und Quarantäne-Vorschriften würden diese Spieler dann aber sechs Bundesliga-Spieltage verpassen.

Auf der anderen Seite verlieren Spielerinnen und Spieler, die an den Bubble-Turnieren in China nicht teilnehmen und in Europa bleiben, dadurch wertvolle Weltranglisten-Punkte.

"Dann kann ich gut verstehen, wenn die Spieler das nicht als Fair Play bewerten, sondern sagen: Ich stehe da unter einem solchen Entscheidungsdruck, der mir nicht alle Optionen offenlässt, weil es so eben vorgegeben ist."

Bundesliga läuft wieder

Denn: Ein Großteil der Spielerinnen und Spieler hat Verträge mit europäischen Vereinen geschlossen, die auch während Corona Gültigkeit haben. Einer davon ist Timo Boll, der derzeit beim Deutschen Meister Borussia Düsseldorf unter Vertrag steht. Düsseldorfs Manager Andreas Preuß:

"Natürlich würde sich auch eine Liga verbiegen und sicherlich auch Möglichkeiten finden, vielleicht zweieinhalb Wochen freizuschaufeln. Aber nicht über so einen langen Zeitraum. Das ist in einer Saison, die sowieso wackelig ist – das ganze Gebilde Bundesliga oder französische Liga würde dann in sich zusammenbrechen. Das wissen auch die Spieler, denn hier wird letztendlich noch das Brot verdient."

Das Projekt #Restart, eine noble Idee, findet Andreas Preuß. In Zeiten von Corona aber auch eine utopische.

Hier lesen und hören Sie die ausführliche Fassung des Beitrags, im Deutschlandfunk senden wir aus Zeitgründen eine gekürzte Variante.

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