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Tod durch Impfung?

Medizin. - Impfen ist der beste Schutz gegen die Schweinegrippe. So sehen es die Experten, aber unter vielen Menschen mehren sich die Zweifel: Ist der Impfstoff überhaupt sicher? Oder dienen wir alle als Versuchskaninchen in einem groß angelegten Experiment? Schon einmal in den vergangenen vierzig Jahren hatte ein hastig hergestellter Impfstoff für Todesopfer gesorgt.

Von Arndt Reuning | 25.10.2009

    Fort Dix, New Jersey im Jahr 1976. Auf diesen Ort und dieses Jahr verweisen Gegner der Impfung gegen Schweinegrippe gerne, wenn es um die Risiken der Vakzine geht. Damals war ebenfalls ein H1N1-Stamm ausgebrochen, und zwar in einem Militärstützpunkt. Hunderte von Soldaten hatten sich angesteckt, einer war sogar an der Infektion gestorben. In aller Eile ließ die US-Regierung mehr als 40 Millionen Bürgerinnen und Bürger gegen den Erreger impfen – aus der Furcht heraus, dass sich eine verheerende Pandemie wie im Jahr 1918 wiederholen könnte, als die Spanische Grippe weltweit mindestens 25 Millionen Todesopfer gefordert hatte. Allerdings: Im Jahr 1976 blieb die Krankheitswelle aus. Das Virus hatte es nicht aus dem Militärcamp heraus geschafft. Dafür zeigte sich aber, dass die Impfung selbst nicht ganz ohne Risiko war, erklärt Anthony Fauci, Direktor am National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda, Maryland.

    "Es hat damals Komplikationen gegeben, aber nicht sehr häufig: eine Krankheit namens Guillain-Barré-Syndrom trat auf. Die äußert sich in Lähmungen der Arme und Beine, manchmal auch in Atemnot. Normalerweise ist einer von 100.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Damals ist diese Zahl deutlich angestiegen. Vor dem Jahr 1976 haben wir niemals einen Zusammenhang zwischen dem Guillain-Barré-Syndrom und einer Schutzimpfung nachweisen können, und danach auch nie wieder."

    Über 500 Menschen hatten damals die Symptome des Guillain-Barré-Syndroms gezeigt, bei dem außer Kontrolle geratene Antikörper das Nervensystem angreifen. Fünfundzwanzig Personen waren an den Folgen der Impfung gestorben. Allerdings: Auch die Infektion mit einem Grippevirus kann Guillain-Barré hervor rufen. Und die Wahrscheinlichkeit dafür ist deutlich höher als das Risiko einer Impfkomplikation, wie eine medizinische Studie in diesem Jahr gezeigt hat. Fauci:

    "Das Besondere im Jahr 1976 war, dass die Pandemie niemals aufgetreten ist. Man hatte also das ganze Risiko des Impfstoffes und kein Risiko durch die Grippewelle. Das Gleichgewicht von Nutzen und Risiko war aus der Balance gebracht. Das war demnach eine ganz andere Situation als heute, wo die Pandemie bereits im vollen Gange ist."

    Carol Baker von der US-Seuchenbehörde CDC weist darauf hin, dass die Vakzine gegen die Schweinegrippe im Grunde genommen kein neuartiger Impfstoff ist. Er wird genauso hergestellt wie alle anderen Impfstoffe gegen die saisonale Grippe. Baker:

    "Jedes Jahr müssen wir unseren Impfstoff an die aktuellen Grippeviren anpassen. Auch in diesem Fall ist der H1N1 einfach nur ein neuer Erreger. Der Impfstoff wird genauso hergestellt wie immer. Da ist nichts überstürzt worden, bloß der Bürokratie haben wir Druck gemacht. Die US-Regierung unternimmt alles Mögliche, um den Impfstoff so schnell wie möglich verteilen zu können. Aber natürlich hat es im Vorfeld Test gegeben, und die Vakzine ist genauso sicher wie jeder andere Impfstoff gegen die saisonale Grippe auch. Ich würde mir also eher über den H1N1-Erreger Sorgen machen, nicht über den Impfstoff."