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Startseite@mediasresRassismus, Sexismus und Hass im Netz27.12.2018

Top-Themen 2018Rassismus, Sexismus und Hass im Netz

Viele unserer Berichte haben im vergangenen Jahr für Diskussionsstoff gesorgt, auch in den sozialen Medien. Diese fünf Beiträge haben unsere Nutzerinnen und Nutzer 2018 am häufigsten geklickt und geteilt.

Von Annika Schneider

Ein Kind läuft an einem Strand in Indien über die Zahlen 2018. (imago stock&people)
Ein Kind läuft an einem Strand in Indien über die Zahlen 2018. (imago stock&people)
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Die Pressefreiheit in aller Welt war 2018 ein wichtiges Thema in unserer Mediensendung. Wir haben über Journalisten und Medienschaffende auf allen Kontinenten berichtet, zuletzt zum Beispiel in Myanmar, Ungarn, China und Nicaragua. Viele von ihnen arbeiten unter schwierigen oder sogar gefährlichen Bedingungen.

Die @mediasres-Themen, die Sie online am meisten gelesen und geteilt haben, betreffen allerdings allesamt die Berichterstattung in Deutschland. In sozialen Medien wurden vor allem die Beiträge diskutiert, in denen wir die Arbeit deutscher Medien genauer unter die Lupe genommen haben. Dabei ging es um Promi-Themen, aber auch um einen politischen Karikaturisten.

Traumhochzeit mit fragwürdigen Live-Kommentaren

Die Journalistin Hadija Haruna beschwerte sich im Mai im Dlf-Interview über "eine Mischung aus Sexismus und Rassimus" beim ZDF. Konkret ging es um die Berichterstattung zur Hochzeit von Meghan Markle und Prinz Harry. In den Live-Kommentaren war unter anderem von "afroamerikanischem Esprit" und "Exotik" die Rede gewesen.

Der britische Prinz Harry und die ehemalige US-Schauspielerin Meghan Markle stehen bei ihrer Hochzeit in der Kapelle von Windsor Castle. (dpa-Bildfunk / AP / Dominic Lipinski)Der britische Prinz Harry und die ehemalige US-Schauspielerin Meghan Markle heiraten 2018 in der Kapelle von Schloss Windsor. (dpa-Bildfunk / AP / Dominic Lipinski)

Das seien ganz alte rassifizierende Bilder von schwarzen und weißen Menschen, kritisierte Haruna. Die Politologin engagiert sich in der Initative Schwarze Menschen in Deutschland und in dem Journalistennetzwerk Neue Deutsche Medienmacher. Das Interview mit ihr war das meistgeklickte @mediasres-Thema das Jahres.

Flirtfragen im Kerber-Interview

Sexismus-Vorwürfen musste sich auch der ZDF-Reporter stellen, der Angelique Kerber im Juli nach ihrem Wimbledon-Sieg interviewt hatte. Er hatte die Spitzensportlerin unter anderem nach ihrem Flirtverhalten gefragt. Dlf-Autorin Mirjam Kid hakte daraufhin nach: Wann hatte der Reporter eine solche Frage zuletzt einem männlichen Sportler gestellt?

"Das ist schon so lange her, dass ich mich gar nicht dran erinnern kann", lautete die Antwort des Reporters. Ilse Hartmann-Tews, Leiterin des Instituts für Soziologie und Genderforschung an der Deutschen Sporthochschule, hatte daraufhin eine klare Empfehlung für Journalistinnen und Journalisten: Sie sollten jede Frage darauf prüfen, ob sie sie auch dem anderen Geschlecht so stellen würden. Die Fragen an Kerber seien sexistisch gewesen.

Die deutsche Tennisspielerin Angelique Kerber winkt in Wimbledon ins Publikum (7. Juli 2018). (AP / Kirsty Wigglesworth)Die deutsche Tennisspielerin Angelique Kerber winkt in Wimbledon ins Publikum. (AP / Kirsty Wigglesworth)

Verunsicherung bei Journalisten

Auch die Berichterstattung der Wochenzeitung "Zeit" sorgte im Juli für Diskussionen, und zwar mit der Überschrift "Seenotrettung – Oder soll man es lassen?" Der "Zeit" wurde vorgeworfen, sie habe mit ihren Pro-und Contra-Artikeln die Pflicht zur Hilfe in der Not per se in Frage gestellt.

Der "Spiegel"-Kolumnist Georg Diez berichtete im Dlf daraufhin von seiner Beobachtung, dass viele Journalisten verunsichert seien. Auch deswegen gehe der Diskurs in den Medien immer mehr in Richtung Rechtspopulismus. "Indem man dem Unsagbaren immer mehr Raum gibt, verschiebt man natürlich die Grenzen dessen, was sagbar ist", sagte Diez. Die Chefredaktion der "Zeit" bedauerte die zugespitzte Überschrift später.

Leserbeschwerden nach Böhmermann-Aktion

Gegen Hass im Netz engagierte sich der Satiriker Jan Böhmermann: Er rief im April die Initiative "Reconquista Internet" ins Leben - aus Versehen, wie er später sagte. "Wir sind nicht GEGEN etwas. Wir sind FÜR Liebe und Vernunft und ein friedliches Miteinander", heißt es im Kodex der Initiative, die nicht nur Unterstützung im Netz sammelte, sondern auch eine Botschaft auf die Dresdener Frauenkirche projizierte. 

@mediasres berichtete daraufhin, warum Böhmermann für seine Online- und Offline-Aktionen auch kritisiert wurde. Unter anderem gingen beim ZDF-Fernsehrat zahlreiche Zuschauerbeschwerden ein. Viele bemängelten, dass "Reconquista Internet" Listen mit den Twitter-Profilen rechter Aktivisten verbreitet haben soll. Das sei "Blockwart-Denke", kritisierte die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer auf Twitter.

Umstrittene SZ-Karrikatur

Diskussionen gab es auch über eine Karikatur in der Süddeutschen Zeitung im Mai: Eine Zeichnung von Dieter Hanitzsch werten viele Leserinnen und Leser als judenfeindlich. "Ich erkenne keinen Antisemitismus", urteilte hingegen Wolfgang Benz, langjähriger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, in @mediasres.

Die Zeichnung des Karikaturisten Dieter Hanitzsch zeigt den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der Gewinnerin des Eurovision Song Contest, Netta. (Deutschlandfunk / Michael Borgers)Die Zeichnung des Karikaturisten Dieter Hanitzsch in der "Süddeutschen Zeitung" zeigt den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu (Deutschlandfunk / Michael Borgers)

Er sehe keine Verschärfung der Antisemitismus-Debatte in den Medien. Im Gegenteil: Man sei sehr sensibel und gehe mit dem Problem sehr vorsichtig um. Das zeige auch die Kontroverse über die Karikatur, sagte Benz. Besonders auf Twitter stieß das Dlf-Interview mit ihm auf viel Interesse.

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