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StartseiteSport am WochenendeTrainer ohne Vergangenheit?20.06.2009

Trainer ohne Vergangenheit?

Die Vorliebe des BDR für Doping-sozialisiertes Personal

Die Kriterien, die der Bund Deutscher Radfahrer bei der Berufung seiner Trainer anlegt, sind nicht leicht durchschaubar. Oder doch? Der 51-jährige neue Bahntrainer Andreas Petermann ist ein früherer DDR-Friedensfahrer, der neue Frauen-Bundestrainer Thomas Liese, ebenfalls aus Leipzig, fuhr an der Seite des gefallenen Radstars Jan Ullrich im Bianchi-Profistall. Muss man in Doping-Hochzeiten sozialisiert worden sein, um beim BDR ein Amt zu erhalten?

Von Ralf Meutgens

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer  (AP)
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (AP)

Beim BDR, dem von Ex-Politiker Scharping geführten Bund Deutscher Radfahrer, müssen Trainer bei ihrer Einstellung eine Klausel unterschreiben, die ausschließt, dass man für den Staatssicherheitsdienst der DDR tätig war. In einer Anti-Doping-Klausel müssen Trainer hingegen nur den Erhalt der Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings bestätigen und sich regelmäßig auf der Internetseite der NADA, der Nationalen Anti-Doping-Agentur, informieren. Wie Trainer es früher, als aktiver Radsportler oder in anderen Positionen, mit Doping gehalten haben, das wird in den Arbeitsverträgen offenbar nicht thematisiert. Auf Fragen danach gibt der BDR nur ausweichende Antworten. Der Verband wird wissen, warum.

Ein Blick auf das runde Dutzend der im Radrennsport derzeit tätigen Bundestrainer verursacht gemischte Gefühle. Die Mehrheit stammt aus der DDR und war dort als Radsportler sehr erfolgreich, teilweise bis zum Weltmeister. Dazu kommen Erfahrungen als Profi oder Sportlicher Leiter in erst- und zweitklassigen Profiteams. In der Szene kursieren von ihnen Spitznamen, die sich aus einer Geneigtheit für Doping ableiten. Das Bundesinnenministerium zahlt jährlich rund eine dreiviertel Million Euro für Leistungssportpersonal an den BDR. Nachfragen in Berlin zur eigenwilligen Gestaltung der Trainerverträge bleiben unbeantwortet.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum qualifizierte Fachleute, die sich zugleich aber kritisch unter anderem zum Dopingmissbrauch im Radsport äußern, sich seit Jahren vergeblich um eine Trainerstelle im deutschen Radsport bewerben. Ein Beispiel ist der Düsseldorfer Diplom-Trainer und Diplom-Ingenieur Dieter Quarz. Bislang hat er es nicht einmal in die Vorauswahl einer Trainerbewerbung geschafft. Regelmäßig werden ihm Kandidaten vorgezogen, die noch nicht einmal die A-Lizenz besitzen. Quarz hat die Trainerausbildung konzipiert, nach der Gert Hillringhaus im Radsportteam Lübeck sein anerkanntes Konzept zur Dopingprävention entwickelt hat. Dafür hat Hillringhaus im vorigen Jahr den Sonderpreis des Deutschen Olympischen Sportbundes erhalten. Und Quarz hat 2009 auf der internationalen Fachmesse FIBO den Innovationspreis für das von ihm entwickelte Vibrationsfahrradergometer erhalten.

Der Mann ist offenbar zu gut für den Bund Deutscher Radfahrer, während in Kürze ein Sammelantrag von ehemaligen Radtrainern aus der DDR bei der "Steiner-Kommission" des Deutschen Olympischen Sportbundes erwartet wird.

Darin wird es dann heißen, man sei eben notwendigerweise Teil eines staatlichen Dopingsystems gewesen. Und dass man sich im übrigen entschuldigt, sollte es dadurch gesundheitliche Probleme für Sportler und Sportlerinnen gegeben haben.

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