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Trainiert die Trainer

Patrick Honecker: Der Weiterbildungsmarkt in Deutschland wächst. Nach der letzten großen Studie, die im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erstellt wurde, investiert allein die Privatwirtschaft rund 18 Milliarden Euro in diesem Bereich. Wer aber bietet Weiterbildung an? Das sind Kammern, Verbände oder Gewerkschaften, unternehmensnahe Einrichtungen wie Konzernhochschulen, staatliche Hochschulen und eine große Zahl an privaten Einrichtungen. Geschützt sind die Berufe im Weiterbildungsbereich nicht, jeder kann sich zum Beispiel Trainer nennen. Das Institut für Weiterbildung an der kleinen Hamburger Hochschule HWP will Abhilfe schaffen und bietet ein Train-the-Trainer-Universitätszertifikat an. Geschäftsführer Peter Wismann ist jetzt am Telefon. Herr Wismann, wofür bekomme ich dieses Zertifikat?

Peter Wismann vom Institut für Weiterbildung an der HWP in Hamburg im Gespräch |
    Peter Wismann: Sie bekommen das Zertifikat in unterschiedlicher Abstufung. Entweder, wenn sie sich ganz neu orientieren wollen, indem sie einen Basic-Kurs absolvieren und anschließend Professionalveranstaltungen besuchen oder wenn sie schon länger als Trainer tätig sind, indem wir über ein Profiling-Workshop feststellen, welche Qualifikationen sie besitzen und ihnen dann raten, welche Qualifikation sie noch erwerben sollen und die natürlich auch anbieten.

    Honecker: Jetzt weiß ich soviel wie vorher. Sie haben gesagt Basic-Kurs, es gibt Profiling. Was bedeutet das alles?

    Wismann: Profiling heißt, dass wir Unterlagen annehmen und überprüfen und daraufhin eine Einschätzung vornehmen, welche Fähigkeiten sie schon besitzen als Trainer. Basic-Kurse heißen dann, dass, wenn sie Neuanfänger sind, einsteigen wollen in diese Tätigkeit, sie erst einmal eine Grundausbildung machen müssen, sozusagen, das ist der Begriff Basic und darauf aufbauend dann Professionalangebote bekommen. Diese Professionalangebote richten sich dann auch an Personen, die schon länger Trainer sind und denen noch einige einzelne Qualifikationen fehlen fürs Profil.

    Honecker: Das heißt also, ich kann mich an Sie wenden, wenn ich sage, ich habe das Gefühl, ich wäre ein guter Trainer, bilden Sie mich dazu noch ein bisschen besser aus. Dann kann ich einfach zu Ihnen gehen?

    Wismann: Dann können Sie einfach zu uns kommen und dann werden wir eine Einstufung vornehmen und Ihnen sagen, wo Sie noch Qualifikationen erwerben.

    Honecker: Was findet in dieser Einstufung denn statt? Woran stellen Sie denn fest, ob ich geeignet bin für den Trainingsberuf oder nicht?

    Wismann: Wir führen natürlich zum Einen ein Gespräch mit Ihnen, wir führen in diesem so genannten Profiling verschiedene Unterrichtseinheiten durch, die Sie konzipieren sollen, die Sie machen sollen. Sie sollen eine Gruppe anleiten, Sie sollen ein Rollenspiel entwerfen und darüber sehen wir dann genau, ob Sie geeignet sind, beziehungsweise ob Sie so etwas auch schon können und vielleicht dann, in Anführungszeichen, nur noch Professionalkurse brauchen. Das heißt zum Beispiel so etwas wie kreatives Verfahren noch lernen müssen oder Management zur Organisation. Also dann ganz Spezielles, das Sie noch zusätzlich erwerben müssen.

    Honecker: Ich lerne sozusagen Kompetenzen zur Erwachsenenweiterbildung?

    Wismann: Richtig. Wobei die natürlich auch im Schulbereich anwendbar sind, nur Lehrer oder werdende Lehrer haben ja ihre eigenen Ausbildungsgänge.

    Honecker: Ich habe ja eben am Anfang schon gesagt, dieser Beruf des Trainers ist nicht geschützt. Das führt natürlich dazu, dass es viele schwarze Schafe auf diesem Weiterbildungsmarkt gibt. Können die bei Ihnen auch weitergebildet werden?

    Wismann: Die schwarzen Schafe, damit sie weiße werden. Ja, klar.

    Honecker: Wie machen Sie das denn, dass aus den schwarzen Schafen, weiße Schafe werden?

    Wismann: Indem wir Ihnen genau noch die Kurse anbieten, die sie besuchen müssen und indem wir das dann zertifizieren, also jeder dann belegen kann, was er an Qualifikationen erworben hat. Das ist das Eine und das Zweite ist, dass wir Auflagen erteilen, dass man sich fünf Tage pro Jahr mindestens weiterbilden muss und das auch nachweisen muss, um sozusagen jährlich das erneuert zu bekommen.

    Honecker: Aber, wenn ich in diesem Bereich tätig werden will, brauch ich eigentlich keine Grundkenntnisse erst mal? Ich kann sagen, ich habe das Gefühl, ich bin ein guter Menschenkenner, mach ich so etwas wie ein "Umgang mit Menschen Seminar". Das kann ich ja machen rein theoretisch?

    Wismann: Nein, das ist dann eine zu geringe Einstiegsmöglichkeit. Sie müssten schon ein abgeschlossenes Studium haben oder eine Berufsausbildung haben und dann in der Erwachsenenbildung tätig sein, zum Beispiel indem Sie an der Uni als Tutor gearbeitet haben.

    Honecker: Ein Zertifikat lebt ja auch von seiner Bekanntheit. Interessieren sich die Unternehmen oder Privatpersonen, die Trainer bezahlen, für solche Scheine?

    Wismann: Die interessieren sich mit Sicherheit dafür, zumal dieser Markt, wie Sie auch sagten, sehr undifferenziert ist und dieser Trainerbegriff einer ist, den jeder verwenden kann. Das heißt, wenn man überprüfen will, dann natürlich in Form von solchen Zertifikaten.

    Honecker: Wenn ich unzufrieden bin mit meinem Trainer, kann ich mich bei Ihnen beschweren?

    Wismann: Dann können Sie sich bei mir beschweren, klar. Also, wie gesagt, das wird immer für ein Jahr ausgesprochen diese Gültigkeit des Zertifikats und danach findet wieder ein Nachweis statt von demjenigen, der Trainer bei uns ist, der sozusagen lizenziert ist und die Überprüfung beginnt wieder.

    Honecker: Letzte Frage. Mit Weiterbildung lässt sich an den Hochschulen ja Geld verdienen, Sie machen das wahrscheinlich auch nicht für umsonst. Wie teuer ist das denn?

    Wismann: Wir machen das nicht umsonst, das ist klar. Das ist abgestuft. Wenn man die Grundausbildung besuchen will 1400 Euro. Das kostet, wenn man spezielle Zusatzqualifikationen erwerben will pro Zusatzqualifikation 200 Euro.

    Honecker: Peter Wismann, vom Institut für Weiterbildung an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik. Die Kurse beginnen im Herbst.