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StartseiteCorso"Eine Einladung, den Toten nicht zu verdrängen"01.11.2018

Trauerarbeit mit Computergames"Eine Einladung, den Toten nicht zu verdrängen"

Der Tod ist omnipräsent in der Welt der Computerspiele. Verlustgefühl und Trauer sind es dagegen nicht. Dabei können Videospiele eine Plattform sein, um die eigene Trauer und die Trauer anderer zu verstehen, sagte die Spiele-Entwickelerin Sabine Harrer im Dlf.

Sabine Harrer im Corsogespräch mit Juliane Reil

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Schutzbedürftiger Junge in mitten einer bedrohlich, düsteren Welt (Playdead)
Während in den meisten Games ein verlorenes Leben nur Ansporn ist, es beim nächsten Versuch besser zu machen – hinterlässt bei "Inside" der Tod des Jungen fast schon Schuldgefühle. (Playdead)
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In Computerspielen wird nicht selten gestorben. Ob Supermario von der Klippe stürzt oder der geliebte Charakter, den man mühevoll erstellt hat und mit dem man Abenteuer erlebt, auf einmal stirbt. Eine Zwischensequenz zeigt vielleicht kurz die Trauer der anderen Spielfiguren, aber dann geht es weiter. Gerade in großen Blockbuster-Spielen haben Emotionen wie Verlust nur wenig -  wenn überhaupt  - Raum.

Computerspiele werden jedoch diverser. Sie wollen emotionale Geschichten erzählen und erfahrbar machen. Die Spiele-Entwickelerin und Kulturwissenschaftlerin Sabine Harrer hat zu Verlust und Trauer in Videospielen geforscht und spricht darüber auf dem diesjährigen  PLAY – Creative Gaming Festival in Hamburg. Die meisten Spiele würden sich auf die Spielmechanik und die Produkthaftigkeit des Spiels fokussieren.  Das Anspornen des Spielers, das Weiterspielen und Gewinnen stünden im Vordergrund, so Harrer.  

Die eigene Trauer verstehen

Es gebe aber auch Spiele, in denen Trauer einen größeren Raum bekomme."That Dragon, Cancer" ist ein solches Spiel. Es geht um das Schicksal eines Vater, der den Kampf um sein Babysöhnchen an den Krebs verliert. Das Ziel dieses Spiels aus der Sicht von Sabine Harrer sei es, ein Erinnerungsstück an den Verstorbenen zu schaffen. Spieler und Spielerinnen sollten, so sagte die Kulturwissenschaftlerin weiter, eine Ahnung der Bindung ans Kind bekommen: "Es ist eine Einladung, den Toten nicht zu verdrängen."

Computerspiele könnten eine Plattform bieten, um Trauernde der nächsten Generation abzuholen, so Harrer. Ebenso wie Filme, Bücher und Musik seien Games eine Möglichkeit, die eigene Trauer zu verstehen. Problematisch wäre jedoch, ein Trauerspiel über eine andere Geschichte zu spielen und dann zu denken, man habe Empathie gewonnen, weil man das Spiel gewonnen habe, so Harrer. Das hielte sie für gefährlich.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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