"Was hast Du gesagt, als Du rein gekommen bist? / Ich weiß, was ich gesagt habe. / Ich musste dir versprechen, dir nach einem Glas nichts mehr zu geben. Klar? Nach einem Glas! Und ich habe Dir schon zwei gegeben. / Du solltest mir nichts versprechen. / Jackie, was hat er gesagt, als er reinkam? / Er hat versprochen, nur einen zu trinken und zu verschwinden. / Was redest Du da? Du warst nicht hier, als ich gekommen bin. / Spielt das eine Rolle? Du sagst sowieso jeden Tag dasselbe, wenn du reinkommst. / Wieso fragst Du sie überhaupt? Die hat keine Ahnung."
Nein, Tommy, gespielt von Steve Buscemi ist kein Sieger-Typ: Sein Auto ist kaputt, er selber chronisch pleite. Eigentlich ist er Automechaniker, doch sein ehemaliger Arbeitgeber hat ihm seine Frau ausgespannt und rausgeschmissen. Genau genommen ist der Film ein Spiegelbild für Steve Buscemis Leben in den 80er-Jahren, als er noch ein unbekannter Künstler war.
"'Trees Lounge' habe ich alles verarbeitet, was in mir steckte. Ich wollte eigentlich nie Autor oder Regisseur werden. Ich hatte damals das Glück, im East Village den Schauspieler Mark Boon Jr. zu treffen, mit dem ich mir eine Fantasiewelt schuf. Aber wir wussten einfach nicht, wie man den Einstieg findet oder irgendwie vorankommt. Wir hatten keine Ahnung."
Parallelen zwischen Film und Buscemis Leben
In "Trees Lounge" verdient Tommy sein Geld als Tankwart und Eisverkäufer - genau wie Buscemi einst – dessen Filmpendant ist alles andere als zielstrebig und fühlte sich wie ein Trottel.
Steve Buscemi drehte "Trees Lounge" in Valley Stream, dem New Yorker Vorort, in dem er selbst aufwuchs. Auch die gleichnamige Kneipe gab es dort. In der "Trees Lounge" trifft Tommy seine Kumpels: die Barfrau Connie, die ihm einen spendiert, weil er selbst nicht zahlen kann, den alten Alkoholiker Bill, der immer ins Whisky-Glas starrt oder den Spediteur Mike, der gerade erst in die hiesige Vorstadt gezogen ist und der in seinen Alkoholpausen gern kokst.
"Scheiß Hitze ist das. / Sage mal, hast Du dir da drin was reingezogen? / Was ist denn? / Hast Du was Ordentliches? Das Zeug ist nicht gut. Ich meine ... / Nur ein bisschen was, nur eine kleine Line, weißt Du."
Erste eigener Film
"Trees Lounge" war 1996 Steve Buscemis erste Regiearbeit. Nach Schauspieler- Erfolgen in Filmen wie "Reservoir Dogs", "Pulp Fiction", "Hudsucker" und "Fargo" hatte Buscemi das Geld zusammen, um einen eigenen Film - mit autobiografischen Zügen -, zu realisieren. Dabei blieb er seiner Linie treu. Denn Buscemi ist fast ausschließlich in Arthaus-Filmen zu sehen, und so wurde auch "Trees Lounge" ein kleiner Independent-Film, der gerade einmal 1,3 Millionen Dollar kostete. Dazu engagierte Buscemi befreundete Schauspieler, die alle Typen spielen, an denen das Leben irgendwie vorbei rauscht. Und genau so fühlte sich Steve Buscemi, als er vor seiner Schauspielkarriere versuchte, "Stand-up-Comedian" zu werden.
"Es gelang mir nicht, meinen eigenen Ausdruck zu finden. Ich klaute etwas von Dan Field, Gerry Seinfield oder anderen Leuten, die damals auftraten. Wenn ich dabei geblieben wäre, hätte ich vielleicht einen eigenen Stil entwickelt. Aber ich war nicht der Typ, der allein auf der Bühne steht. Das war wirklich hart."
Der Wechsel zum Regisseur viel ihm bedeutend leichter. Zwar läuft in "Trees Lounge" für alle Protagonisten eine Menge schief. Das aber inszeniert Steve Buscemi mit betörender Leichtigkeit.
"Nein, mir hat er das Gefühl gegeben, ein Versager zu sein. Ein Versager, ein Nichts, als wäre ich ein Nichts. / Weißt du auch wieso? Weil er so ein schlechtes Gewissen hatte, so ein mieser Vater gewesen zu sein. Also musstest du dich mies fühlen. Und dadurch ging es dir wahrscheinlich noch mieser. Und dann, na ja ... Ich meine, im Laufe der Zeit ist was schief gelaufen. Verstehst Du? Na, wenn schon. Ich meine, bei jedem läuft was schief. Richtig?"
Charakterstudie eines charmanten Taugenichts
Angelegt als Charakterstudie eines charmanten Taugenichts, wirft "Trees Lounge" ein warmes Licht auf das dunkle Leben im Vorort-Milieu der New Yorker Arbeiterklasse, in dem es aber auch Momente der Zuneigung gibt. So als Tommys Bruder stirbt und Tommy seinen Neffen aufmuntert, der sich nie von seinem Vater geliebt fühlte. Eine Regiearbeit, die Lust auf "Mehr" macht. Wie lange Buscemi allerdings noch die Rolle des "ewigen Filmtoten" übernimmt, bleibt abzuwarten.
"Ich weiß noch, wie ich in 'Die Sopranos' ermordert wurde und dachte: 'Jetzt ist Schluss!'"
