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Tribunal NSU-Komplex auflösen"Es ist Selbstermächtigung und Selbstverpflichtung"

"Der NSU-Komplex sei bei Weiten noch nicht aufgeklärt", sagte die Berliner Filmemacherin Alex Gerbaulet im DLF. Sie hat mit anderen Künstlern und Initiativen ein Tribunal zu den rassistischen Morden organisiert, das heute am Schauspielhaus Köln eröffnet wird. Es solle eine Lücke bei der Aufklärung schließen.

Alex Gerbaulet im Gespräch mit Adalbert Siniawski | 17.05.2017

Ein Band mit der Aufschrift "Tribunal NSU-Komplex auflösen" liegt am 17.05.2017 bei einer Pressekonferenz in Köln auf einem Tisch. In einem öffentlichen Tribunal sollen die Täter benannt werden, die im NSU-Prozess nicht auf der Anklagebank sitzen. Das Projekt, dass am 17.05. am Schauspiel Köln beginnt, erstreckt sich über fünf Tage.
Ein Band mit der Aufschrift "Tribunal NSU-Komplex auflösen" liegt am 17.05.2017 bei einer Pressekonferenz in Köln auf einem Tisch. (picture alliance / Rolf Vennenbernd / dpa)
"Wir klagen an", heißt es ganz offensiv im Programm des NSU-Tribunals, das heute Abend am Schauspielhaus in Köln eröffnet und bis Samstag tagen wird. Das Aktionsbündnis "NSU-Komplex auflösen" will zusammen mit den Angehörigen der Opfer und Betroffenen in Diskussionen, in Aufführungen und Workshops die Morde des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds aufarbeiten und nach dem strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft fragen.
Mitorganisatorin des Tribunals ist die Berliner Filmemacherin Alex Gerbaulet. Im DLF erzählte sie, warum die bisher vernachlässigte Perspektive der Betroffenen so wichtig ist und warum die Aktion an das Vorbild des Vietnam-Kriegsverbrechen-Tribunals von 1966 anknüpft.