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StartseiteCorsoDüsteres Fernsehen im besten Sinne22.06.2015

True Detective: Zweite StaffelDüsteres Fernsehen im besten Sinne

Nach dem sensationellen Erfolg der ersten Staffel der Krimiserie "True Detective" des US-Senders HBO sind die Erwartungen an die zweite groß. Auf eines müssen sich Fans auf jeden Fall einstellen: Alles wird anders. Es gibt eine neue Story und neue Darsteller.

Von Hendrik Efert

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Eines vorweg: Die zweite Staffel ""True Detective"" ist eine komplett andere Serie als es die hochgelobte erste Season war. Denn "True Detective" ist als Anthologie angelegt: jede Staffel eine neue Story mit neuen Charakteren - jede Staffel ein für sich abgeschlossener Roman für den Bildschirm. Und tatsächlich sind die Unterschiede gewaltig: Spielte die letzte Story noch im ländlichen Louisiana, ist diesmal die urbane Metropolregion Los Angeles Schauplatz. Und anstatt auf zwei, treffen wir diesmal auf gleich vier Protagonisten: Drei wild zusammengewürfelte Cops, gespielt von Colin Farrell, Taylor Kitsch und Rachel McAdams und einen Großkriminellen, gespielt von Vince Vaughn.

Der möchte gemeinsam mit Politikern einer fiktiven Kleinstadt im Speckgürtel von Los Angeles eine lukrative Eisenbahnstrecke bauen. Nur wird kurzerhand sein wichtigster Kontakt in die Politik, der Stadtdirektor, ermordet aufgefunden. Die Polizisten müssen den Mord nun aufklären, sind aber selbst zum Teil mit der Unterwelt verbandelt, es gibt gegenseitige Abhängigkeiten und alte Schulden und bald wird auch innerhalb der Polizei sabotiert – wie schon in Staffel eins zeigt uns "True Detective" kein klar getrenntes Gut und Böse. Im Grunde ist die Aufklärung des Mordes auch zweitrangig – "True Detective" ist eine Serie über Polizisten, männliche Polizisten, ihre Hintergründe und Motive. Das ist das zentrale Element der Serie.

Nun fehlen dieser Staffel bedauerlicherweise ein paar Elemente, die die erste zu dem Megaerfolg machte. Allen voran die außergewöhnliche Performance der beiden Hauptdarsteller, die Erzählung ihrer Geschichte auf gleich drei Zeitebenen und das mystische und fremde Setting in den Süd-USA – angelehnt ans Genre des Southern Gothic: düstern, kriminell, grotesk. Doch Serienerfinder Pizzolatto scheint sich an verschiedenen amerikanischen Literaturgattungen abarbeiten zu wollen, er präsentiert uns nun eine klassische L.A.-Neo-Noir-Geschichte: Raymond Chandler trifft auf Chinatown. Das erscheint zumindest nach Sichtung der ersten drei Episoden weniger außergewöhnlich.

Aber Pizzolatto macht auch einiges besser als in der ersten Staffel. Der Romanautor tendierte doch hin und wieder zu schwülstigen Dialogen, die auf Papier sicher gut funktionierten, gesprochen jedoch oft zu dick daherkamen. Dies scheint er nun reduziert zu haben. Noch viel wichtiger: Die Nebenfiguren sind sorgfältiger beschrieben. Im letzten Jahr fungierten die nämlich mehr als Stichwortgeber im brillanten Zusammenspiel der beiden Protagonisten. Vor allem die weiblichen Figuren waren äußerst eindimensional, was Pizzolatto einige Kritik einbrachte. Nun sehen wir auch starke Frauen, eine davon sogar im Hauptensemble.

Dennoch ist und bleibt "True Detective" eine Serie über gebrochene Männer. Verrohtes Handeln, gewaltbestimmte Beziehungen, Impotenz - dies sind keine Helden. Hier bekommt keiner der Herren noch einen hoch, was sie wiederum an schwachen Opfern auslassen oder mit Whiskey wegsaufen. Und natürlich bekommen sie nie das Leben auf die Reihe, das sie gerne hätten. Das schafft auch die einzige Polizistin im Ensemble nicht, sie steht ihren Kollegen in Gewalttätigkeit und Alkoholkonsum in nichts nach.

Diese neue heiß ersehnte Staffel "True Detective" bietet einen dichten Plot voller Wendungen sowie Charaktere mit starker Biographie und unangenehmen Eigenschaften und Geheimnissen. Das ist düsteres Fernsehen im besten Sinne, erzählerisch auf hohem Niveau. So steht die Serie voll in der Tradition großer HBO-Dramen wie "The Sopranos" oder "The Wire". Leider reicht die zweite Staffel nicht ganz an die sensationelle erste heran.

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