Donnerstag, 06. Oktober 2022

Wieder unkontrollierter Absturz
Trümmerregen der chinesischen Rakete

Im Juli wuchtete eine Rakete vom Typ Langer Marsch 5 B ein weiteres Modul der chinesischen Raumstation ins All. Sechs Tage später stürzte eine über 20 Tonnen schwere Stufe dieser Rakete unkontrolliert auf die Erde.

Von Dirk Lorenzen | 14.09.2022

Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch" hebt 2016 in China ab.
Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch" hebt 2016 in China ab (picture alliance / dpa / Yan Yan)
Über Borneo und den Philippinen war zu sehen, wie das Raketenteil in die Atmosphäre eintrat, glühend seine Bahn über den Himmel zog und in mehrere Stücke zerfiel. Einige Trümmer stürzten in ländliche Regionen von Borneo.
Dass ein so großes Stück Raumfahrtmüll nicht gezielt versenkt wird, ist äußerst selten. Die Langer Marsch ist weltweit die einzige Rakete, die ganze Stufen in der Umlaufbahn zurücklässt.

Teile hätte auf Europa stürzen können

Aufgrund der Bahnneigung der chinesischen Raumstation hätten Trümmer grundsätzlich jeden Ort zwischen knapp 42 Grad nördlicher und südlicher Breite treffen können – in Europa alle Bereiche südlich der Linie Barcelona-Rom.

Tagesschau-Bericht zum Absturz der Rakete
Bericht und NASA-Reaktionen zum Absturz

China setzt darauf, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass Reste der Rakete Häuser beschädigen oder gar Menschen töten. Doch es ist völlig aus der Zeit gefallen, Raumfahrtmüll sich selbst zu überlassen.

Kritik der NASA

Die NASA kritisierte zudem, dass China keine Bahndaten veröffentlichte, was sehr unüblich ist. Allerdings ermittelt das US-Militär diese Daten ohnehin durch Beobachtung der um die Erde kreisenden Raketenstufe.
In den vergangenen Jahren sind bereits zweimal solche Stufen unkontrolliert vom Himmel gefallen. Einmal stürzten die Trümmer nahe den Malediven in den Indischen Ozean, einmal trafen die Teile die Elfenbeinküste, verletzten aber zum Glück niemanden.