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StartseiteInterview"Souveräner als in der letzten Debatte"10.10.2016

Trump im US-Wahlkampf"Souveräner als in der letzten Debatte"

Donald Trump habe im zweiten TV-Duell mit Hillary Clinton souveräner und besser vorbereitet gewirkt als bei der ersten Show, sagte der Politikberater Andrew Denison im Deutschlandfunk. Dass er aber auf die Sexismus-Vorwürfe mit Anschuldigungen gegen Clintons Ehemann Bill reagierte, sei ein Zeichen der Verzweifelung.

Andrew Denison im Gespräch mit Bettina Klein

Der US-Politikberater und -wissenschaftler Andrew Denison. (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
Der US-Politikberater und -wissenschaftler Andrew Denison. (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
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Bettina Klein: Wir wollen ein paar Punkte aus diesem TV-Duell jetzt noch vertiefen in den kommenden Minuten mit dem US-Politikwissenschaftler Andrew Denison, der in Deutschland ist und sich auch die Nacht um die Ohren geschlagen hat und die TV-Debatte verfolgt hat. Ich grüße Sie, Herr Denison.

Andrew Denison: Frau Klein, schönen guten Morgen!

Klein: Wir haben gerade schon die Eindrücke unseres Korrespondenten gehört. Trump war besser vorbereitet als beim letzten Mal. War das auch Ihr Eindruck?

Denison: Er hat sich etwas ruhiger verhalten, besser vorbereitet. Er hatte wieder Argumente gebracht, die man kennt, die allerdings nicht in die Tiefe gegangen sind. Das ist es bei Trump: Er kann sehr bildhaft die Probleme beschreiben, aber eine strukturierte Reihenfolge von Thesen oder Taktiken, Strategien, damit hat er viel größere Probleme.

Klein: Aber es ging ja jetzt auch für ihn darum, diese jüngsten Angriffe, die er sich gefallen lassen musste nach den neuesten Enthüllungen, abzuwehren und eine irgendwie souveräne Figur da abzugeben. Ist ihm das gelungen?

Denison: Er ist souveräner gewesen als in der letzten Debatte, aber trotzdem ein großer Unterschied zu Hillary Clinton. Donald Trump war immer wieder am Unterbrechen. Die Kommentare, die er so als Zwischenrufe gegeben hat, die waren manchmal so interessant wie die langen Sätze, die er abgegeben hat. Trump war auf seine Art und mit diesem Skandal über das Video hat sich Hillary Clinton eher zurückhalten. Er hat es verteidigt, indem er sagte, alle Sachen sind viel schlimmer wie ISIS und ihre Folterkammern oder auch das, was Bill gemacht hat. Er hat harte Vorwürfe gegen Bill gemacht. Hillary hat die weitgehend unbeantwortet gelassen, außer zu sagen, da erzählt wieder der Donald Trump irgendwelche Geschichten.

"Die Vorwürfe gegen Bill Clinton sind schon aufgearbeitet"

Klein: Genau das war auch seine Strategie, von seinem eigenen Sexismus abzulenken und auf das Verhalten von Bill Clinton Frauen gegenüber einzugehen und wie er sagte Hillarys Strategie, das zu decken oder zu verteidigen und eher auch noch auf die Frauen da loszugehen. - Wenn sie das ignoriert hat in der Debatte, wird ihr das denn gelingen, dieses Thema unter der Decke zu halten?

Denison: Ich denke, die Vorwürfe gegen Bill Clinton, die schon vor seiner Wahl ‘92 aufgekommen sind, die sind so aufgearbeitet und man muss auch in Erinnerung holen, wie beliebt Bill Clinton war am Ende seines Wahlkampfes, trotz das mit Monica Lewinsky. Ich glaube, das wird Donald Trump nicht helfen. Es ist eher für mich ein Zeichen der Verzweiflung.

Klein: Seine Kampagne galt in den vergangenen Tagen schon wieder und sicherlich mehr als früher und berechtigter als früher als totgesagt. Bekannte Republikaner sind wirklich auf Distanz gegangen zu ihm, namhafte Politiker, natürlich diejenigen vor allem Dingen, die noch nie besonders viel von ihm gehalten haben. Wie schätzen Sie das im Augenblick ein? Hat er es geschafft, sich da wieder fest in den Sattel zu setzen, oder wird das weitergehen auch in den nächsten Wochen und man wird auch versuchen, von republikanischer Seite ihn zumindest zu schwächen und ihm die Unterstützung zu entziehen?

Denison: Trump und vor allem das, wofür er steht, und die Ressentiments, die er äußert, das wird leider nicht so schnell von der amerikanischen Politik verschwinden. Er hat die natürlich salonfähig gemacht, diese Randgruppen. Aber die haben jetzt ihre Position gefunden und das wird eine Weile dauern. Das gesagt: Wir haben noch 30 Tage und die Republikanische Partei ist jetzt in einer Dynamik des Verfalls, wo wir nicht wissen, wo ist der Boden, vor allem im Verfall, dass sie nicht mehr Trump unterstützen, was Probleme bringt. Gleichzeitig, wenn Leute gar nicht abstimmen gehen, weil sie Trump nicht haben wollen. Dann, was so wichtig ist in Amerika bei diesem Wahlkampf: der Senat. 100 Senatoren, im Repräsentantenhaus 435, die könnten dann nicht mehr in republikanischen Händen sein, sondern in demokratischen Händen wegen Trump, und darüber machen sich jetzt die Republikaner große Angst.

Klein: Aber unter dem Strich heißt es auch, es ist weiter offen und ein Sieg von Hillary Clinton ist weiterhin nicht garantiert, obwohl sie ja auch in den wichtigen Swing States laut Umfragen inzwischen deutlich vorne liegt?

Denison: Es ist offen und man sagt, etwa 80 Prozent. Vielleicht sollten wir es so sagen: Es ist wahrscheinlicher, dass Hillary Clinton einen erdrutschartigen Sieg der Elektorenstimmen mit sich nimmt am 8. November. Wahrscheinlicher ist das, als dass Donald Trump gewinnt.

Klein: Der Politikwissenschaftler Andrew Denison heute Morgen im Deutschlandfunk mit seinen ebenfalls ganz frischen Einschätzungen zum zweiten TV-Duell Clinton-Trump, das wir in den vergangenen Stunden sehen konnten. Danke schön!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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