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Startseite@mediasres"Es ist nicht nur ein Witz"03.07.2017

Trump und sein "Prügel-Video""Es ist nicht nur ein Witz"

Donald Trump kämpft CNN nieder: Via Twitter leitet der US-Präsident ein Video weiter, das genau das zeigt. Die Aufnahmen sind zehn Jahre alt – die Debatte um Trumps Umgang mit den Medien hochaktuell. Die Journalistin Melinda Crane sieht die USA an einem Tiefpunkt angelangt.

Ein Screenshot vom Twitter Account Donald Trumps zeigt ein Video, indem er selbst auf einen Mann einprügelt, dessen Kopf mit dem CNN-Logoi verfälscht wurde. (Screenshot Twitter Account Donald Trump, erstellt am 02.07.2017)
Donald Trump "prügelt" bei Twitter auf CNN ein. (Screenshot Twitter Account Donald Trump, erstellt am 02.07.2017)

Der Respekt für die Medien in den USA sei so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte der USA, . "Das ist eine alarmierende Entwicklung." Diese Polarisierung sei schon lange im Gange, betont die US-amerikanische Journalistin, die für die Deutsche Welle in Berlin arbeitet. "Große Redaktionen" wie CNN, die New York Times oder die Washington Post fänden kein Gehör mehr bei den Menschen, "die man erreichen müsste". Stattdessen müssten sie sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lügen.

Das nun von Donald Trump veröffentlichte Video erreiche eine "neue Qualität", kritisiert Crane. "Zumindest indirekt wirkt es, als wolle er Gewalt gegen Journalisten schüren." Dies sei "nicht nur ein Witz". Tatsächlich sei es in der jüngsten Vergangenheit zu tätlichen Übergriffen gegen Journalisten gekommen. Selbst Republikaner sagten, der US-Präsident sei mit dem Video zu weit gegangen. Für die Journalistin ist der Vorfall zudem ein "schockierendes Beispiel dafür, dass Trump die Würde seines Amtes völlig unterminiert".

"Angst, dass ein Journalist sein Leben lässt"

Trump hatte am Sonntag auf seinem persönlichen Twitter-Konto ein Video veröffentlicht, in dem er symbolisch auf den Nachrichtensender CNN einprügelt: Auf dem Video reißt Trump am Rande eines Wrestlingrings einen Mann zu Boden und schlägt mit den Fäusten auf ihn ein - das Gesicht des Opfers ist allerdings nicht zu sehen, an seiner Stelle prangt das Logo des US-Fernsehsenders CNN. Das Original des Videos enthielt das CNN-Logo nicht und ist zehn Jahre alt. Es stammt aus der Zeit, als Trump als Gaststar regelmäßig zu spektakulären Ringkämpfen eingeladen war.

Der Chefredakteur der "New York Times", Dean Baquet, erklärte, dass Trump zu einer "derartigen Wut auf die Medien" ermutige, sei "ungehörig". Sie habe "große Angst, dass eines Tages ein Journalist - möglicherweise einer der politischen Korrespondenten, den ich kenne - sein Leben lassen wird", schrieb die Journalistin des US-Magazins "The Atlantic", Anni Lowrey auf Twitter.

Weißes Haus macht Tweet offiziell 

CNN bezeichnete es als "traurigen Tag, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten zu Gewalt gegen Reporter ermuntert". Statt ein "unreifes Verhalten" an den Tag zu legen, das "weit unter der Würde seines Amts" liege, sollte sich Trump auf seine Arbeit konzentrieren. Der Deutsche Journalisten-Verband zeigte sich ebenfalls entsetzt. Er forderte Trump auf, sofort seine Medienhetze zu beenden.

Der Sicherheitsberater im Weißen Haus, Tom Bossert, verteidigte hingegen das Video. Er denke, niemand habe es als eine Drohung angesehen, erklärte Bossert. Trump müsse von den Kabelsendern oftmals Prügel einstecken und habe das Recht, darauf zu reagieren. Das Weiße Haus stellte das Video unterdessen auf das offizielle Twitter-Konto des Präsidenten.

(bor/mit AFP)

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