
Einen Grund nannte Trump zunächst nicht. Carney war zuvor mit einer eindringlichen Rede beim Weltwirtschaftsforum im Schweizer Alpenort Davos aufgefallen. Das US-geführte globale Regierungssystem erlebe derzeit einen Bruch, der durch die Konkurrenz der Großmächte und eine schwindende regelbasierte Ordnung gekennzeichnet sei, führte Carney aus. Trump nannte er dabei nicht beim Namen, Beobachter gingen aber davon aus, dass er vor allem ihn im Sinne hatte.
Trump deutet mehrfach an, Kanada zum Teil der USA zu machen
Der US-Präsident hatte mehrfach angekündigt, er wolle Kanada zum Teil der Vereinigten Staaten machen. Carney hatte zuvor bereits die "Mittelmächte" aufgerufen, sich gemeinsam den "Großmächten" entgegenzustellen. Bundeskanzler Merz griff den Vorstoß in seiner Rede in Davos gestern auf.
Trump hatte ebenfalls gestern in Davos ein Gründungsdokument für den "Friedensrat" unterzeichnet. Kritiker sehen darin den Versuch, eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen aufzubauen. Ursprünglich war der Rat von den USA offiziell auf die Umsetzung des Gaza-Friedensplans zugeschnitten. Inzwischen ist die Rede davon, dass sich das Gremium noch vieler anderer Konflikte annehmen und Ordnung im Sinne Trumps schaffen könne.
Trump will den "Friedensrat" nach seinem Geschmack zusammenstellen
Trump selbst entscheidet als Vorsitzender des Rats, wer Mitglied werden kann. Dutzende Länder haben Einladungen zum Eintritt bekommen – zugesagt haben zunächst aber nur wenige, darunter einige autoritär regierte Staaten. Kanada zählt zu den Ländern, die zunächst nicht fest zugesagt hatten. Das Land könne sich grundsätzlich eine Teilnahme vorstellen, die Details seien aber nicht endgültig geklärt, meinte Carney.
Trump fühlte sich offensichtlich angesprochen: Die USA seien immer sehr großzügig mit Kanada gewesen, sagte er in Davos. Trotzdem habe sich Carney bei seiner Rede nicht sehr dankbar gezeigt. Wörtlich fügte Trump hinzu: "Kanada existiert dank der Vereinigten Staaten, denken Sie daran, Mark (Carney), wenn Sie sich das nächste Mal äußern."
"Kanada gedeiht, weil wir Kanadier sind."
Carney wies Trumps Aussagen inzwischen zurück. Kanada und die USA hätten in den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit und beim kulturellen Austausch eine bemerkenswerte Partnerschaft aufgebaut: "Aber Kanada existiert nicht wegen der Vereinigten Staaten. Kanada gedeiht, weil wir Kanadier sind."
Der ehemalige UNO-Botschafter Wittig geht nicht davon aus, dass sich der Friedensrat international etablieren kann. Wittig sagte im Deutschlandfunk, es sei ein Irrglaube, dass in diesem Gremium eine Harmonie herrschen könne, die der UNO bislang nicht gelungen sei. Er nannte den Friedensrat eine - Zitat - absurde Konstruktion ohne internationale Legitimation. Wittig warnte, Europa und Deutschland würden durch einen Beitritt ihre Prinzipien mit Füßen treten.
Diese Nachricht wurde am 23.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
