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StartseiteSpielweisenEhrliche Melancholie und Sehnsucht04.04.2018

Tschaikowskis ViolinkonzertEhrliche Melancholie und Sehnsucht

Das Violinkonzert von Peter Tschaikowski ohne Dirigent zu spielen, ist ein besonderes Experiment. Antje Weithaas hat es mit der Camerata Bern gewagt. So "fühlt sich plötzlich jeder verantwortlich" sagt Weithaas im Dlf. Und sie konnte das Konzert von der üblichen "muskulären" Interpretation befreien.

Die Geigerin Antje Weithaas im Gespräch mit Susann El Kassar

Die Geigerin Antje Weithaas (Giorgia Bertazzi)
Die Geigerin Antje Weithaas (Giorgia Bertazzi)

"Tschaikowski wird sehr häufig - nennen wir es - muskulär gespielt", kritisiert Antje Weithaas. Der Fokus liege dabei allein auf der Virtuosität und Außenwirkung. Das werde dem Violinkonzert aber gar nicht gerecht und führe zu Tempo-Freiheiten, für die es keine Grundlage in der Partitur gebe.

Die Geigerin hat zusammen mit der Camerata Bern einen anderen Ansatz für das Werk gewählt: "Wenn ich mir die Person und die Biografie von Tschaikowski anschaue, auch die Zeit, in der er es geschrieben hat, es hat viel mehr sehr ehrliche Melancholie und Sehnsucht, das sind die ersten Worte, die mir bei Tschaikowski einfallen und dabei doch diese aristokratische Eleganz."

Die Camerata Bern und Weithaas haben das Violinkonzert ohne Dirigent auf CD aufgenommen. "Wenn kein Dirigent vorne steht, fühlt sich plötzlich jeder verantwortlich", beschreibt Weithaas. Es führt dazu, dass Passagen, bei denen sie bislang gewohnt war, auf den Einsatz des Orchesters zu warten, das mit der Camerata Bern nicht mehr nötig ist. Weil das Ensemble aufmerksamer verfolgt, was der Einzelne spielt. Verrückterweise führe das sogar zu mehr Freiheiten, als wenn ein Dirigent vorne stünde, sagt Antje Weithaas.

Tschaikowski
Violinkonzert
Streichquartett Nr. 3 in einer Fassung für Streichorchester
Antje Weithaas, Geige
Camerata Bern
CAvi-Music

 

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