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StartseiteSport am WochenendeQuarantäne statt Saisonstart17.10.2020

TSV Unterhaching in der Volleyball-BundesligaQuarantäne statt Saisonstart

Die Volleyball-Bundesliga startet in die neue Spielzeit. Doch nicht alle Mannschaften sind zum Auftakt mit dabei. Der TSV Unterhaching musste die zwei Wochen vor Ligastart in Quarantäne verbringen - trotz negativer Tests. Der Faktor Corona könnte die Saison gehörig durcheinanderbringen.

Von Tobias Krone

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Großaufnahme: Zwei Hände pritschen einen Volleyball (imago sportfotodienst)
Trotz negativer Corona-Tests durfte Volleyball-Bundesligist TSV Unterhaching nicht für den Saisonstart trainieren. (imago sportfotodienst)
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Die Saison in der Volleyball-Bundesliga geht los, doch der TSV Unterhaching bleibt zu Hause. "Wir sind zum Homeoffice verdonnert, leider ohne Office. Denn in unserem Fall hat natürlich nicht jeder seinen Raum zu Hause im Keller, geschweige denn ein Volleyballnetz und ein Volleyballfeld und Volleyball zu Hause, deswegen sitzen wir einfach zu Hause und – ja, versuchen das Beste draus zu machen."

Das Interview am Donnerstag-Nachmittag ist nur mit Kind auf dem Arm möglich. Patrick Steuerwald vom Trainerteam des Münchner Vorortclubs hat zu tun. Nur eben nicht sportlich. Seit zwei Wochen saßen er und seine Mannschaft in Quarantäne. "Den ersten negativen Test haben wir seit Ende letzter Woche Mittwoch alle, und den zweiten, den mussten wir diese Woche Montag machen. Und in meinem Fall, war der auch Montagabend schon da."

Quarantäne Teil der bayrischen Vorschrift

Ebenfalls negativ – wie alle Tests auf Covid 19 im Unterhachinger Team. Und dennoch mussten sie alle zwei Wochen zu Hause bleiben. Es ist Teil der bayerischen Vorschrift: Weil sich bei einem gemeinsamen Mannschaftsausflug in die Bavaria Filmstudios in München eine infizierte Person in der Nähe aufhielt, mussten alle die Quarantäne durchziehen. Erst gestern durften die Spieler wieder raus. Das erste Punktspiel gegen die Volleyball Bisons Bühl wurde im gegenseitigen Einvernehmen, auch mit dem Verband, verschoben. Damit Unterhaching erst mal wieder seinen Trainingsrückstand aufholen kann.

"Zwei drei Tage hätten wir verschmerzen können, sprich: Wäre der eine negative Test gewesen, hätten wir unter uns weitertrainieren können, wenn der negativ ist. Das wäre eine andere Voraussetzung gewesen. So ist es – ja – sehr suboptimal, um es mal nett zu formulieren."

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Zumal sich ja nachweislich kein Teammitglied angesteckt hat. Anders als bei VC Olympia Berlin, der auch seine Spiele absagen musste, weil sich Spieler bei der Junioren-Europameisterschaft in Tschechien angesteckt hatten. Die bayerische Regelung erscheint absurd – auch in den Augen von Julia Retzlaff, Geschäftsleiterin Sport der Volleyball-Bundesliga.

"Weil wir auch hier deutschlandweit gesehen an den verschiedenen Standorten schon die unterschiedlichsten Vorgehensweisen erlebt haben – von: das ganze Team wird in Quarantäne gesteckt – und bei einer ähnlichen Situation in einem anderen Bundesland, sind dann nur drei Spieler, die in einer gemeinsamen WG wohnen betroffen – und auch hier es teilweise auch möglich eine Quarantäne mit ein oder zwei negativen Tests auch vorzeitig zu beenden."

Verband macht keine Vorgaben für Quarantäne-Regeln

Im Verband mache man keine Vorgaben, für Quarantäne-Regelung seien allein die lokalen Gesundheitsämter zuständig. Sie könne dann betroffenen Vereinen immer nur anbieten, mit ihr das Gespräch zu suchen – um möglichst gute Lösungen für Mannschaft und Gastmannschaft zu finden. Wie in anderen Branchen auch beklagt man in der Volleyball-Liga den föderalen Flickenteppich an Regeln. Gerade das Beherbergungsverbot für Risikogebiete in manchen Bundesländern verursache weitere Probleme: "Was ja schon allein jetzt für Berlin die nächste Schwierigkeit bringt, dass die eigentlich offiziell gar nirgends in Bayern übernachten dürfen – aktuell."

Seit Samstag ist das bayerische Beherbergungsverbot für Berlin aufgehoben. Immerhin: der nächste Spieltag für Unterhaching dürfte damit gerettet sein. Doch der Faktor Corona könnte die Saison auch weiter durcheinanderbringen. Fürchtet Fritz Frömming, Geschäftsführer der WWK Volleys Herrsching bei München: "Vielleicht wird sogar nicht die beste Mannschaft, sondern die gesündeste Mannschaft oben stehen oder deutscher Meister werden."

Immerhin geschäftlich stehe man in Herrsching noch stabil da: Sie setzten nur zu zehn Prozent auf Zuschauereinnahmen, da fielen Geisterspiele weniger ins Gewicht als etwa im Fußball. Und doch: Teilweise sprängen jetzt lokale Sponsoren ab. Herrsching würde gern am Hilfstopf der Bundesregierung partizipieren, doch noch gehe es ihnen zumindest formal zu gut: "Die Auflagen sind so hoch, ich kann mir gar nicht vorstellen, wer diese Auflagen erfüllt, außer man ist wirklich schon - pleite."

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