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StartseiteNachrichten vertieftTote durch Explosionen05.06.2015

TürkeiTote durch Explosionen

In der osttürkischen Stadt Diyarbakir sind bei zwei Explosionen mindestens zwei Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Ob es sich um ein Unglück oder einen Anschlag gehandelt hat, war zunächst unklar. Die Explosionen ereigneten sich bei einer Kundgebung der kurdischen Volksdemokratischen Partei (HDP). Sie wurde während des Wahlkampfs öfter angegriffen.

Mehrere Menschen tragen eine verletzte Person über eine Straße, im Hintergrund eine Menschenmenge unter bunten Wimpeln und dünner Qualm. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)
Menschen helfen verletzten Opfern nach der Explosion in Diyarbakir. (picture alliance / dpa / Sedat Suna)
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Beide Explosionen ereigneten sich im Abstand von etwa fünf Minuten kurz vor einer Rede von HDP-Chef Selahattin Demirtas. Zur Ursache wollte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zunächst keine Angaben machen. Energieminister Taner Yildiz wies die Vermutung zurück, ein Kurzschluss in einem Transformator sei die Ursache gewesen. Zu der Abschlusskundgebung weniger als 48 Stunden vor Öffnung der Wahllokale waren mehrere Tausend Menschen gekommen.

Die Veranstaltung wurde abgebrochen, doch blieb eine große Zahl Jugendlicher auf dem Platz. Einige warfen Steine auf die Polizei, die mit Wasserwerfern reagierte, um die Menge zu zerstreuen. Parteichef Demirtas sagte, einige der Verletzen seien Gliedmaßen abgerissen worden. Er rief seine Anhänger zu Ruhe auf. "Was auch geschieht, die Türkei braucht Frieden", sagte er dem Fernsehsender CNN-Türk am Telefon.

Der HDP könnte eine Schlüsselrolle zufallen

Die HDP tritt zum ersten Mal bei einer Parlamentswahl an. Um dort vertreten zu sein, muss sie bei der Abstimmung die Sperrklausel von zehn Prozent der Stimmen erfüllen. Bisher waren kurdische Abgeordnete nur als unabhängige Direktkandidaten im Parlament vertreten. Bei einem Erfolg könnte der Partei eine Schlüsselrolle zufallen: Sollte sie ins Parlament einziehen, dürfte die regierende Partei AKP eine verfassungsändernde Mehrheit verfehlen, die nötig wäre, um in der Türkei ein Präsidialsystem einzuführen.

Schon gestern hatte es bei einem Auftritt von Demirtas Randale gegeben. Dabei waren HDP-Anhänger und Nationalisten aufeinander geraten. Während des Wahlkampfes habe es über 70 Übergriffe gegen seine Partei gegeben, sagte Demirtas.

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