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Tunesien
Job-Vermittlung mit deutscher Hilfe

Mitte März wurde in Tunis das "Deutsch-Tunesische Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration" eröffnet. Es ist ein weiterer Baustein im Bemühen der Bundesregierung, der Migration etwas entgegenzusetzen. Es kamen auch schon etliche Menschen, die Rat und Hilfe suchten. Tunesier, die abgeschoben wurden, waren kaum darunter.

Von Jens Borchers | 25.04.2017

Eine Straße in einer Vorstadt von Tunis mit Obst-Geschäften, Autos und Menschen.
Douar Hicher, eine der ärmeren Vorstädte von Tunis. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit im Land bei 16 Prozent. Daran kann auch eine Jobberatung mit deutscher Unterstützung nichts ändern. (Anne Françoise Weber)
Das Büro des "Deutsch-Tunesischen Zentrums für Jobs, Migration und Reintegration" ist eine Art Ladenlokal, mitten in Tunis. Vom Bürgersteig aus kann jeder direkt durch das große Fenster hineinschauen. Das signalisiert Offenheit, leichten und direkten Zugang. Souad Maami arbeitet hier als Koordinatorin. Seit der Eröffnung des Beratungszentrums vor knapp sechs Wochen sind etwa 200 Besucher gekommen:
"Die Leute kommen zu uns mit ihrem Profil, mit ihren Unterlagen und der Erwartung, dass man sie berät."
Es sind unterschiedliche Kunden, die im Deutsch-Tunesischen Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration Rat suchen. Tunesier, die aus welchem Grund auch immer, aus Deutschland abgeschoben wurden, kommen selten, sagt Souad Maami:
"Vorwiegend sind es freiwillige Rückkehrer. Diese Rückkehrer haben entweder hier in Tunesien von uns gehört oder wurden auf uns von der Familie beispielsweise aufmerksam gemacht."
Viele suchen Tipps und Hilfe
Genau sieben freiwillige Rückkehrer waren es bisher. Aber es kommen auch viele andere, die vom Beratungszentrum gehört haben. Sie alle suchen Arbeit, in Tunesien, manche aber auch in Deutschland. Und sie suchen gute Tipps und Hilfe, um eine Beschäftigung zu finden. Das ist schwierig genug: Die Arbeitslosenquote liegt in Tunesien offiziell bei 16 Prozent, gut ein Drittel der Hochschulabsolventen finden keine Arbeit. Und für viele, die in den ländlichen Regionen Tunesiens leben, ist dieses Zentrum in der Hauptstadt einfach sehr weit weg.
Souad Maami weiß natürlich, wie schwer es ist, einen Job zu finden. Aber sie plädiert dafür, es immer wieder zu versuchen. Die Berater in Tunis setzen sich erst einmal mit ihren Kunden hin:
"Wir denken zusammen: Was sind meine Möglichkeiten, meine Perspektiven hier in Tunesien? Was mache ich richtig, was mache ich falsch?"
Arbeitslosigkeit ist auch ein Problem der Anpassung der Person
Sie schauen sich gemeinsam den Lebenslauf an. Ist der gut geschrieben? Ist alles Wichtige drin. Sie versuchen herauszufinden, woran bisherige Bewerbungen eventuell gescheitert sein könnten:
"Wenn man aber näher guckt, kann es sein, dass das Arbeitslosigkeitsproblem eigentlich mehr ein Problem der Anpassung der Person ist. Sprich: Es gibt eine Stelle irgendwo in Tunesien für diese Person, nur mangelt es dieser Person an soft skills, um sich richtig bewerben zu können, um einen recruiter überzeugen zu können."
Soft skills, recruiter, unique selling point - Souad Maami spricht die Sprache der Arbeitsmarkt-Profis. Was sie und ihre Kollegen den Ratsuchenden klarmachen wollen ist: Es kommt auf die Details an. Auf Formulierungen, auf das eigene Auftreten, auf die richtige Selbstdarstellung – die formelle Ausbildung oder der Studienabschluss alleine reichen eben nicht auf einem schwierigen Arbeitsmarkt. Das ist mühsame Detailarbeit und schnelle Erfolge gibt es bisher nicht. Denn die Mitarbeiter im Deutsch-Tunesischen Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration können eben nur beraten. Arbeitsplätze schaffen können sie nicht.