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Startseite@mediasresWarum in Fernsehserien keine Masken getragen werden13.07.2020

TV-Unterhaltung während CoronaWarum in Fernsehserien keine Masken getragen werden

Drehbücher wurden geändert, Sets umgebaut - die Coronakrise hat auch die Film- und Fernsehbranche umgekrempelt. Doch während man sich hinter den Kulissen Schutzmaßnahmen angepasst hat, sieht auf dem Bildschirm alles weiterhin so aus wie vor der Pandemie. Das ist in vielen Fällen eine bewusste Entscheidung.

Von Pia Behme

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Eine Hand hält eine Fernbedienung und richtet sie auf einen Fernseher, Symbolfoto (imago images / Cavan Images)
Bei Filmen und Serien wollen Zuschauerinnen den Alltag ausblenden, glaubt Fernsehproduzent Johannes Züll (imago images / Cavan Images)
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Kaum eine Nachrichtensendung ohne Corona, zu einschneidend ist die Pandemie. In fiktionalen Filmen und Serien sind dagegen bisher keine Masken oder Abstandsregeln zu sehen. Dort gibt es noch einen Alltag wie im Februar 2020. Aber müsste so eine Pandemie nicht eine Fundgrube für Film und Fernsehen sein?

"Wir haben das hin und her diskutiert", sagt Johannes Züll von der Produktionsfirma Studio Hamburg, die unter anderem das "Großstadtrevier" und die Telenovela "Rote Rosen" produziert. Insbesondere in Serien, die nur fünf bis sechs Wochen vor Sendedatum gedreht werden, hätte man das Thema Corona ja aufgreifen können.

Eine Filmklappe (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck) (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)Programmlücken bei ARD und ZDF - "Die Chance, kreativ zu sein, ist da"
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Züll: "Wir haben uns dann vor allem auch in Rücksprache mit den jeweiligen Redaktionen aufgrund auch des Themas Eskapismus und Wiederholbarkeit dagegen entschieden. Wir alle sehen, dass bei den Zuschauern auch eine Form von Eskapismus vorhanden ist. Man möchte sich gar nicht so mit tagesaktuellen Problemen auseinandersetzen, sondern eben auch mal fliehen."

Filme und Serien als Alternative zur Realität

Den Kopf ausschalten und dem eigenen Alltag mal kurz entkommen. Das ist nicht nur in Coronazeiten ein Grund, warum viele Menschen gerne in Serien und Filme abtauchen. Aber da die Pandemie sowieso schon allgegenwärtig scheint – in den Nachrichten, in Gesprächen, beim Einkaufen – ist sie für Zuschauerinnen und Zuschauer zurzeit kein interessanter Stoff. Auch, weil sie nichts Neues birgt.

"Das ist ja ein Thema, was wir alle mitgekriegt haben. Da sagt niemand 'Oh, interessant', das ist ein Setting das kenne ich nicht, sondern das ist jetzt erstmal prinzipiell ein Setting, das wir alle kennen", sagt Paul Bullinger. Er arbeitet für die Produktionsfirma Zeitsprung, die vor allem Fernsehfilme und Serien produziert, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Etwa "Das Wunder von Lengede" oder die Serie "Oktoberfest 1900".

"Es ist im Moment nicht geplant wirklich, die Pandemie zu thematisieren. Aber man merkt natürlich, dass das in Konzepte und Ideen einfließt. Dass das in Figuren-Biografien zum Beispiel vorkommt, dass das auch thematisch vorkommt, dass Konflikte daran orientiert sind."

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Die Verfilmung der Pandemie kommt - aber wann?

Bullinger arbeitet in der Stoffentwicklung, das heißt er entwickelt Ideen für Produktionen in Zusammenarbeit mit externen Autorinnen und Autoren. Bis aus einer Idee ein fertiger Film oder eine Serie wird, dauert es.

"Wenn ich jetzt einen Stoff kriege, dann ist der in fünf Jahren – wenn er gemacht wird – ist der zu sehen und dementsprechend ist das meiste, das die Figuren dann in ihrer Backstory, so nennt man das, also das was sie bisher erlebt haben, was ihren jetzigen Charakter geprägt haben, dass da eben die Coronakrise einfließt."

Dass die Pandemie mehrfach verfilmt werden wird, steht deswegen wohl außer Frage. Aber es komme darauf an, wann die Zuschauerinnen und Zuschauer was sehen möchten, so Bullinger. Den Alltag – so wie wir ihn jetzt kennen – abzubilden, sei wahrscheinlich erst für Menschen interessant, die ihn eben nicht miterlebt haben. Man müsse dann eher andere Perspektiven finden.

"Ich glaube, spannend wären andere Einblicke, wie das – weiß ich nicht – die Arbeit in der Regierung verändert hat. Egal, ob das jetzt Deep Water Horizon war oder der Bankenskandal – all diese Sachen, die werden früher oder später medial verarbeitet. Da muss man dann eben einen interessanten Ansatz finden."

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte) (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

"Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt"

Damit es die Corona-Pandemie ins Fernsehen schafft, braucht es also entweder eine ungewöhnliche Perspektive darauf – oder eben noch mehr Normalität.

"Wenn wir das jetzt längerfristiger uns daran gewöhnen müssen, alle mit der Maske zu leben, dann wird das sicherlich auch Einzug halten", so Johannes Züll von Studio Hamburg.

"Es gibt ein ganz kleines Beispiel: Früher war in Krankenhäusern eigentlich fast nie – außer man hat eine OP gezeigt – waren die Darsteller in Krankenhäusern, also die Ärzte oder die Krankenschwester, eigentlich nie mit Maske. Sondern wenn die im On waren und gesprochen haben, dann war das immer ganz klar ohne Maske. Das machen wir heute ab und zu mal auch mit Maske."

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Auch andere Filmunternehmen, etwa Ufa, die "GZSZ" und "Unter uns" produzieren, oder Bavaria Fiction mit "Sturm der Liebe" und "Die Rosenheim-Cops" wollen das Thema erstmal nicht aufnehmen. Vorerst bleibt die Fernsehwelt also coronafrei, auch, weil die Pandemie nicht vorbei ist.

Züll: "Ich glaube, die Geschichte ist noch gar nicht zu Ende erzählt. Wie würden Sie die Geschichte erzählen? Was wäre das Ende der Geschichte? Und das können Sie mir, glaube ich, auch nicht beantworten."

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