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StartseiteEssay und DiskursDie Rückkehr des Geldes in die Politik17.11.2019, 09:30 Uhr

Über das GeldDie Rückkehr des Geldes in die Politik

Man hat das Geld häufig als eine politisch neutrale Infrastruktur moderner Marktwirtschaften zu begreifen versucht. Doch die Ideologie des unpolitischen Geldes verliert an Überzeugungskraft. Insbesondere die Mechanismen der Geldschöpfung rücken ins Zentrum neuer politischer Konflikte.

Von Aaron Sahr

Die US-amerikanische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez (Demokraten) steht auf einer Bühne. Im Hintergrund ist der Schriftzug "The Green New Deal" zu erkennen. (picture alliance / dpa / AP Photo / Cliff Owen)
Geld erzeugen statt Steuern erhöhen? - Vertreter des Green New Deals wie die demokratische Senatorin Alexandria Ocasio-Cortez wollen mit diesem Ansatz der Modern Monetary Theory den ökologischen Umbau der Gesellschaft finanzieren (picture alliance / dpa / AP Photo / Cliff Owen)
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Geldvermögen sind sehr ungleich verteilt. Ausgeblendet wurde, inwiefern die eigentlichen Funktionen des Geldes und die Mechaniken der Geldordnung diese Ungleichverteilung befördern. Diese Funktionen und Mechaniken, so das Argument, seien im allgemeinen Interesse. Institutionell entspricht dieser Denkfigur eine Zentralbank, die unabhängig von Klientelpolitik über das Funktionieren des Geldes wacht.

Gegenwärtig allerdings treten die dem Geld inhärenten politischen Spannungen mit aller Deutlichkeit zutage: Einerseits wachsen die Geldmengen, andererseits bestehen eklatante Finanzierungslücken gesellschaftlich notwendiger Projekte. Kein Zufall also, dass im Kontext von politischen Programmen wie dem Green New Deal oder der zunehmenden Kritik an der "schwarzen Null" mit einem Tabu gebrochen wird: Staatsausgaben mit der Notenpresse zu bezahlen.

Der Wirtschaftssoziologe Aaron Sahr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter der Forschungsgruppe "Monetäre Souveränität" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Zuletzt erschien von ihm "Ungleichheit auf Knopfdruck. Die Spielregeln des Keystroke-Kapitalismus", Bonn 2019.

(Teil 3 am 24.11.2019)

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