Professor Stefan Dabbert unterrichtet landwirtschaftliche Betriebslehre an der Uni Stuttgart-Hohenheim. Die Zukunft der Agrarwissenschaften erfüllt ihn mit tiefer Sorge.
"Die Agrarforschung ist in Deutschland, zumindest was die Universitäten angeht, sehr stark zurückgebaut worden. Der Wissenschaftsrat sagt von Anfang der 90er Jahre bis ungefähr jetzt um 30 Prozent. Und dieser Abbau der Agrarforschung beruht auf der Vorstellung, das Agrarforschung etwas ist, was aus einer vergangenen Zeit stammt."
Doch genau das, befinden zehn Studierende an der Uni Hohenheim, ist falsch. Weil ihrer Meinung nach Agrarforschung wichtiger denn je ist, haben sie einen Verein gegründet: f.r.e.s.h.
"Das ist die "Food-revitalization-and-equal-gastronomic-society-of-Hohenheim". Klingt ein bisschen holprig, heißt aber, dass wir uns Gedanken machen über Ernährungsfragen und wir man an unserer Uni den Studenten und auch der Akademie insgesamt das Bewusstsein für Ernährung und was damit alles weltweit zusammen hängt, nahe bringen kann."
Jörg Schuhmacher studiert Organic Food Chain Management und ist Schriftführer bei f.r.e.s.h - ein Verein, der frischen Wind in die agrarwissenschaftlichen Studiengänge bringen will. Auf die Idee kamen die Gründungsmitglieder - in der Mensa. Manuel Hilscher, stellvertretender Vorsitzender:
" Beim Essen gibt es so viele schöne Erlebnisse gemeinsam. Und es ist wichtig, dass man die Essenskultur aufrecht erhält. Durch das viele Fast-Food, das in unserer Gesellschaft immer mehr Einzug hält, wollen wir eben die alte Ernährungsweise weiter erhalten."
Das war im Frühjahr dieses Jahres - also genau in jener Zeit, als die UNO ihren Welternährungsbericht vorstellte: Weit über 900 Millionen hungernde Menschen weltweit - dies sei, befanden die f.r.e.s.h-Leute von der Uni Hohenheim, eine große Herausforderung für sie als zukünftige Agrarwissenschaftler. Um etwas gegen den Hunger in der Welt zu tun, müssen sich aber die Inhalte der Studiengänge ändern - davon sind die f.r.e.s.h-Mitglieder überzeugt. Zunehmend sollen ethische und sozialwissenschaftliche Inhalte in den Agrarwissenschaften verankert werden. F.r.e.s.h.-Mitglied Dhusenti Manoharan, Studentin der Agrarwissenschaften, nennt dafür ein Beispiel:
"Bei der Biotechnologie, dass man zum Beispiel Bioethik in der Lehre anspricht und das man ganz speziell betrachtet, was für Nebenwirkungen manche Technologien einfach mit sich bringen."
Mit ihrem Wunsch nach Veränderungen der agrarwissenschaftlichen Studiengänge finden die f.r.e.s.h-Mitglieder auch bei ihren Lehrern Gehör. So wünscht sich Professor Stefan Dabbert, dass Forschung und Lehre praxis- und problembezogener ausgerichtet werden als bisher:
"Ein Beispiel ist, dass ein Praxishandbuch, das Sie schreiben, keine hohe Bewertung erfährt, wenn Sie Professor werden wollen. Ein Artikel in einer englischsprachigen Zeitung, der sich mit methodischen Detailproblemen Ihres Faches befasst, der nur für ganz wenige Leute verständlich ist, der wird Ihnen den entscheidenden Vorsprung geben, dass Sie die Professur bekommen."
Wobei, so Dabbert, das Praxishandbuch für die Lösung der Ernährungsprobleme in einem Entwicklungsland wichtiger wäre als die Spezialveröffentlichung. Außerdem müssten die Agrarwissenschaften interdisziplinär viel stärker als bisher mit anderen Wissenschaftszeigen verzahnt werden; Hohenheim gehe hier mit gutem Beispiel voran. Die Studierenden bei f.r.e.s.h versuchen derweil, mit ganz praktischen Aktionen ihre Kommilitonen zum Nachdenken über richtige Ernährung zu bewegen. Beispiel: Das Projekt "Käfigeierfreie Mensa". Jörg Schumacher:
"Wir haben uns überlegt, dass wir mal an der Mensa versuchen, die Eier, die da im Moment verkauft werden, Eier aus käfigfreier Haltung zu kriegen, also aus Freilandhaltung, dass wir da mit der Mensa zusammen arbeiten, um dieses Projekt zu machen und dabei parallel die Studenten informieren über das ganze System, was eigentlich so alles damit zusammenhängt, wenn ein Rührei bei mir auf dem Tisch der Mensa landet."
Ein zweites Beispiel ist das "Projekt Backhäuschen". Dabei laden die f.r.e.s.h.-Mitglieder interessierte Studierende dazu ein, gemeinsam Brot zu backen. Dhusenti Manoharan:
"Also das soll die Studenten dazu anregen, die alte, traditionelle Brotbackkultur ein bisschen mehr zu erfahren. Heutzutage geht man zum Bäcker, kauft sich das Brot. Man weiß aber nicht genau, was eigentlich so richtig dahinter steckt."
Das Bewusstsein aller Studierenden für Ernährungsfragen zu schärfen, ist das eine Ziel von f.r.e.sh; die Modifizierung der agrarwissenschaftlichen Studiengänge das andere. Hier sind die Mitglieder dieser Tage dabei, einen ganzen Katalog an Änderungswünschen auszuarbeiten. Dabei wollen sie auch besser auf eine spätere Arbeit in Schwellenländern vorbereitet sein. Denn von dort kommen zahlreiche der Studierenden in Hohenheim. Beim letzten Abschlussfest wurden Absolventen aus 60 Nationen gezählt.
"Die Agrarforschung ist in Deutschland, zumindest was die Universitäten angeht, sehr stark zurückgebaut worden. Der Wissenschaftsrat sagt von Anfang der 90er Jahre bis ungefähr jetzt um 30 Prozent. Und dieser Abbau der Agrarforschung beruht auf der Vorstellung, das Agrarforschung etwas ist, was aus einer vergangenen Zeit stammt."
Doch genau das, befinden zehn Studierende an der Uni Hohenheim, ist falsch. Weil ihrer Meinung nach Agrarforschung wichtiger denn je ist, haben sie einen Verein gegründet: f.r.e.s.h.
"Das ist die "Food-revitalization-and-equal-gastronomic-society-of-Hohenheim". Klingt ein bisschen holprig, heißt aber, dass wir uns Gedanken machen über Ernährungsfragen und wir man an unserer Uni den Studenten und auch der Akademie insgesamt das Bewusstsein für Ernährung und was damit alles weltweit zusammen hängt, nahe bringen kann."
Jörg Schuhmacher studiert Organic Food Chain Management und ist Schriftführer bei f.r.e.s.h - ein Verein, der frischen Wind in die agrarwissenschaftlichen Studiengänge bringen will. Auf die Idee kamen die Gründungsmitglieder - in der Mensa. Manuel Hilscher, stellvertretender Vorsitzender:
" Beim Essen gibt es so viele schöne Erlebnisse gemeinsam. Und es ist wichtig, dass man die Essenskultur aufrecht erhält. Durch das viele Fast-Food, das in unserer Gesellschaft immer mehr Einzug hält, wollen wir eben die alte Ernährungsweise weiter erhalten."
Das war im Frühjahr dieses Jahres - also genau in jener Zeit, als die UNO ihren Welternährungsbericht vorstellte: Weit über 900 Millionen hungernde Menschen weltweit - dies sei, befanden die f.r.e.s.h-Leute von der Uni Hohenheim, eine große Herausforderung für sie als zukünftige Agrarwissenschaftler. Um etwas gegen den Hunger in der Welt zu tun, müssen sich aber die Inhalte der Studiengänge ändern - davon sind die f.r.e.s.h-Mitglieder überzeugt. Zunehmend sollen ethische und sozialwissenschaftliche Inhalte in den Agrarwissenschaften verankert werden. F.r.e.s.h.-Mitglied Dhusenti Manoharan, Studentin der Agrarwissenschaften, nennt dafür ein Beispiel:
"Bei der Biotechnologie, dass man zum Beispiel Bioethik in der Lehre anspricht und das man ganz speziell betrachtet, was für Nebenwirkungen manche Technologien einfach mit sich bringen."
Mit ihrem Wunsch nach Veränderungen der agrarwissenschaftlichen Studiengänge finden die f.r.e.s.h-Mitglieder auch bei ihren Lehrern Gehör. So wünscht sich Professor Stefan Dabbert, dass Forschung und Lehre praxis- und problembezogener ausgerichtet werden als bisher:
"Ein Beispiel ist, dass ein Praxishandbuch, das Sie schreiben, keine hohe Bewertung erfährt, wenn Sie Professor werden wollen. Ein Artikel in einer englischsprachigen Zeitung, der sich mit methodischen Detailproblemen Ihres Faches befasst, der nur für ganz wenige Leute verständlich ist, der wird Ihnen den entscheidenden Vorsprung geben, dass Sie die Professur bekommen."
Wobei, so Dabbert, das Praxishandbuch für die Lösung der Ernährungsprobleme in einem Entwicklungsland wichtiger wäre als die Spezialveröffentlichung. Außerdem müssten die Agrarwissenschaften interdisziplinär viel stärker als bisher mit anderen Wissenschaftszeigen verzahnt werden; Hohenheim gehe hier mit gutem Beispiel voran. Die Studierenden bei f.r.e.s.h versuchen derweil, mit ganz praktischen Aktionen ihre Kommilitonen zum Nachdenken über richtige Ernährung zu bewegen. Beispiel: Das Projekt "Käfigeierfreie Mensa". Jörg Schumacher:
"Wir haben uns überlegt, dass wir mal an der Mensa versuchen, die Eier, die da im Moment verkauft werden, Eier aus käfigfreier Haltung zu kriegen, also aus Freilandhaltung, dass wir da mit der Mensa zusammen arbeiten, um dieses Projekt zu machen und dabei parallel die Studenten informieren über das ganze System, was eigentlich so alles damit zusammenhängt, wenn ein Rührei bei mir auf dem Tisch der Mensa landet."
Ein zweites Beispiel ist das "Projekt Backhäuschen". Dabei laden die f.r.e.s.h.-Mitglieder interessierte Studierende dazu ein, gemeinsam Brot zu backen. Dhusenti Manoharan:
"Also das soll die Studenten dazu anregen, die alte, traditionelle Brotbackkultur ein bisschen mehr zu erfahren. Heutzutage geht man zum Bäcker, kauft sich das Brot. Man weiß aber nicht genau, was eigentlich so richtig dahinter steckt."
Das Bewusstsein aller Studierenden für Ernährungsfragen zu schärfen, ist das eine Ziel von f.r.e.sh; die Modifizierung der agrarwissenschaftlichen Studiengänge das andere. Hier sind die Mitglieder dieser Tage dabei, einen ganzen Katalog an Änderungswünschen auszuarbeiten. Dabei wollen sie auch besser auf eine spätere Arbeit in Schwellenländern vorbereitet sein. Denn von dort kommen zahlreiche der Studierenden in Hohenheim. Beim letzten Abschlussfest wurden Absolventen aus 60 Nationen gezählt.