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StartseiteCampus & KarriereÜberraschende Vielfalt06.09.2007

Überraschende Vielfalt

Manga-Ausstellung in Göttingen

Japanische Manga haben eine lange Tradition, die bis in das 7. Jahrhundert zurückreicht. Damals zeichneten Mönche Skizzen an Wände und Decken ihrer Tempel. Studenten des Ostasiatischen Seminars der Universität Göttingen haben eine Manga-Ausstellung für die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek konzipiert, die Vielfalt und Entstehungsgeschichte japanischer Manga wiedergibt.

Von Elke Drewes

Japanischer Manga. (AP Archiv)
Japanischer Manga. (AP Archiv)

"Kämpferische Shonen-Manga - Manga, in denen sich junge Krieger in große Roboter setzen und die Roboter kämpfen gegeneinander."

"Ganz typisch die riesig großen Augen, ein Mädchen mit Zauberkräften muss gegen Dämonen kämpfen."

Martin Janz und Stephanie Oeben führen durch die Ausstellung im Foyer der Göttinger Staats- und Universitätsbibliothek. Die Japanologie-Studenten sind beide Fans der japanischen Bildergeschichten.

"In Shonen-Manga geht es um Geschichten von Heldentum, Mut, Ehre - das interessiert mich. Die male ich auch selber, ja."

"Manga für junge Männer, Geschichten über Liebe, auch homosexuelle Liebe, wie Beziehungen zerbrechen können, das ist sehr überzeugend dargestellt."

Mehr als 50 Exponate haben Studierende des Ostasiatischen Seminars der Uni Göttingen für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. In den Vitrinen ist die ganze Bandbreite unterschiedlicher Genre zu sehen: von Horror und Erotik-Manga für Erwachsene bis hin zu rein informativen Manga über Kochrezepte oder das Verhalten japanischer Geschäftsleute.

"Zum Beispiel, was man als Manager alles zu beachten hat, dass es üblich ist, abends weg zu gehen und sich die Unterhaltung von Frauen zu kaufen."

Auch geschichtliche Ereignisse sind schwarz auf weiß abgebildet: nicht nur japanische Geschichte, auch die französische Revolution und das tragische Leben der Lady Di. Besonders beliebt sind historische Romane in Mangaform, sagt Martin Janz, wie zum Beispiel "die Reise nach Westen".

"Das heißt, man liest nicht mehr das Buch, man liest den Manga in der Schule. Es ist Literatur in Comicform. Die symbolischen Ebenen sind so reichhaltig, man kann mit literaturwissenschaftlichen Methoden ran gehen und es untersuchen. Dadurch rechtfertigt sich eine wissenschaftliche Beschäftigung mit den Manga, das ist hohe Literatur ähnlich wie Goethe."

Mit der Ausstellung will Martin Janz nicht nur Studierende ansprechen, sondern auch Dozenten zeigen, dass sich eine wissenschaftliche Beschäftigung mit den Manga lohnt. Stephanie Oeben hat gerade ihre Magisterarbeit über Manga geschrieben.

"Sie wissenschaftlich zu untersuchen, das war, weil mich hat interessiert hat, woher kommen die Manga und wo gehen sie hin? Die kommen ursprünglich aus Japan aus den Tempeln des 6. oder 7. Jahrhunderts. Dort haben Mönche ihr Leben aufgezeichnet oder was sie gerade interessiert hat. Aus dem 12. Jahrhundert sind die ersten in schriftlicher Form. Sie stellen das Leben von Mönchen und Menschen dar in Form von Hasen, Katze, Füchse, Frösche, die zusammen angeln gehen, Feste feiern, die Sumo ringen, Bogen schießen."

Seit ihrer Kindheit ist die 23-Jährige von den japanische Bildergeschichten fasziniert so wie wohl viele Deutsche Kinder, die Zeichentrickfilme im Fernsehen anschauen.

"Als Kleinkind habe ich Biene Maja geschaut. Biene Maja und Heidi, die wir nie für japanisch gehalten hätten, wurden in Japan gezeichnet und produziert und erst später durch das deutsche Fernsehen übernommen. Als mit 'Sailor moon' und 'Dragon boy' die ersten Manga in lesbarer Form in Deutschland erschienen, habe ich da angefangen und so mehr und mehr mich darein gearbeitet. Und so bin ich auch zu meinem Japan-Studium gekommen, weil ich die im Original lesen wollte."

Seit der Schulzeit zeichnet die Japanologin selbst Manga. Neben zwei jugendlichen Helden hat sie eine Super-Woman entworfen mit Lara Croft ähnlichen Zügen.

"Zu meiner Schande muss ich sagen, ich habe die weibliche Person nach mir selbst benannt. Als Fan baut man sich gerne in die Geschichte ein und malt sich selbst hübscher, als man ist. An Manga finde ich die Fantasie am faszinierendsten."

Die Ausstellungsbesucher sind vor allem von der Vielfalt der ausgestellten Manga-Genres fasziniert.

"Die Sachbücher fand ich sehr interessant, dass es auch Manga-Kochbücher gibt oder Manga-Geschichte. Ich komme aus Japan, ich hätte nicht gedacht, dass Manga in Deutschland so verbreitet sind. Ich bin überrascht, dass es so viele Genres gibt. Es ist auch interessant zu sehen, dass es so viele Zeichenstile gibt. Ich werde demnächst auch mal einen lesen."

Die Manga-Ausstellung in der Göttinger Staats- und Universitätsbibliothek ist noch bis zum 28. September zu sehen.

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