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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Übers Ohr gehauen"29.01.2007

"Übers Ohr gehauen"

Verbraucherschützer kritisieren Banken

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat sich mit dem Geschäftsgebahren von Banken bei Konsumentenkrediten beschäftigt. Rund 250 Kreditverträge wurden in einer aktuellen Untersuchung überprüft und analysiert - und was dabei herauskam, ist für einige Institute wenig schmeichelhaft.

Von Philip Banse

Banken verdienen doppelt, wenn eine Restschuldversicherung abgeschlossen wird. (Stock.XCHNG / Elena Buetler)
Banken verdienen doppelt, wenn eine Restschuldversicherung abgeschlossen wird. (Stock.XCHNG / Elena Buetler)
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Der Verbraucherzentrale Bundesverband behauptet, dass einige namhafte Banken ihre privaten Kredit-Kunden regelrecht übers Ohr hauen. Die Bundesverband hat heute rund 200 eidesstattliche Erklärungen von privaten Kreditnehmern vorgelegt, aus denen sich nach Angaben von Edda Müller, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, folgender Tatbestand ergibt: Danach vermitteln einige Banken ihren Privatkunden den Eindruck, dass sie einen Kredit nur dann bekommen, wenn sie auch eine Restschuldversicherung abschließen. Die Kosten für diese Versicherung würden zudem verschleiert. So eine Restschuldversicherung garantiert der Bank, dass sie ihr Geld auch zurückbekommen, wenn der Kreditnehmer stirbt. Wenn Verbraucher jedoch andere Sicherheiten wie Immobilien oder eine Risikolebensversicherung besitzen, ist so eine Restschuldversicherung nicht sinnvoll - und schon gar nicht Voraussetzung für einen Kredit. Die rund 200 eidesstattlichen Erklärungen belasten unter anderem die HypoVereinsbank und die Citibank, so Verbraucherschützerin Edda Müller. Diese Institute hätten Kunden getäuscht, um Kasse zu machen.

" In Einzelfällen wurden ihnen bereits Unterlagen vorgelegt, wo die Notwendigkeit, eine Restschuldversicherung abzuschließen, bereits angekreuzt war. Man hat in all diesen Fällen den Eindruck vermittelt, als sei der Kredit nur zu erlangen, wenn man diese Restschuldversicherung abschließt. Das führt am Ende zu Zinsbelastungen, die am Ende weit über dem marktüblichen Zins liegen. Wir stellen fest, es sind zum Teil Zinsen von 30 bis - in Einzelfällen - 40 Prozent. "

Diese enormen effektiven Zinssätze seien in einigen Fällen entstanden, so Edda Müller, weil die abgeschlossenen Restschuldversicherungen oft nicht nur überflüssig, sondern auch noch sehr teuer gewesen seien. So habe ein Mann 9000 Euro zahlen müssen, um einen Kredit von 9.000 abzusichern. Diese Kosten werden zudem nicht in den effektiven Zins einberechnet, sagen die Verbrauchschützer. Das sei ein klarer Rechtsverstoß, so Edda Müller:

" Das ist eine neue Form von Wucherzins. Was uns besonders erbost, ist, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungen, die über den fairen Bankenmarkt wachen soll, da nicht vorgeht. Wir haben sie bereits im Jahr 2006 darauf hingewiesen. Man hat dann eingeräumt, dass zum Beispiel bei der Citibank dieses in den Jahren 2001 bis 2003 stattgefunden hat, dass die Bank aber versichert habe, man tue das nicht wieder. Man hat von uns verlangt, wir sollen Beweise bringen. Die legen wir heute vor mit diesen 200 eidesstattlichen Versicherungen, wir haben sie auch Ende vergangener Woche der Bundesanstalt zugeleitet. "

Besonders negativ aufgefallen seien die Hypovereinsbank, die einstige Norisbank, die Santander Consumerbank und vor allem die Citibank. Von den erstgenannten Instituten war eine Stellungnahme nicht zu bekommen. Citibank-Sprecher Oliver Zilcher bestreitet, dass sein Institut Kredit und Versicherung koppelt und die so gestiegenen Kosten eines Kredits verschleiert:

" Die Stiftung Warentest hat erst diese Woche eine große Untersuchung zur Kreditberatung gemacht. Und in der Frage "Wird die Restschuldversicherung zur Pflicht gemacht?" hat die Citibank von der Stiftung Warentest die Note Gut bekommen. Die Vorwürfe der Verbraucherzentrale sind insofern eine Unverschämtheit. Sie hat den Teilnehmern die Antworten geradezu vorgegeben. Jedes Jahr werden rund 11 Millionen Kreditverträge geschlossen und über einen mehrjährigen Zeitraum wurden jetzt 200 Kreditverträge vorgelegt - eine Summe, die im Vergleich zur Gesamtsumme sehr gering ist."

Wer dennoch jetzt feststellt, dass er mit seinem Kredit auch eine sehr teure Restschuldversicherung abgeschlossen hat, hat schlechte Karten. Um aus dem Vertrag raus zukommen, muss der Verbraucher beweisen, dass ihm die Versicherung als Voraussetzung für den Kredit präsentiert wurde. Edda Müller vom Bundesverband Verbraucherzentrale fordert daher einen besseren gesetzlichen Schutz. Der Bund der Versicherten rät allen, die einen Kredit absichern wollen und keine Sicherheiten bieten können, den Markt zu nutzen. Direktversicherer sichern Kredite über 20.000 Euro bereits für 2-3 Euro im Monat ab.

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