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Ukraine
Janukowitsch fordert Russland zum Handeln auf

Der ukrainische Ex-Präsident Viktor Janukowitsch betrachtet sich weiterhin als Staatsoberhaupt seines Landes. Auf einer Pressekonferenz im russischen Exil macht er die EU und die USA für das Chaos in seiner Heimat verantwortlich. Erstaunt zeigt er sich über die Zurückhaltung Putins.

Von Sabine Adler | 28.02.2014
    ei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Flucht aus der Ukraine hat Viktor Janukowitsch seinen Anspruch auf das Präsidentenamt bekräftigt. «Ich wurde von niemandem abgesetzt», sagte Janukowitsch am Freitag bei einer Pressekonferenz in Rostow am Don.
    Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Flucht hat Viktor Janukowitsch seinen Anspruch auf das Präsidentenamt bekräftigt. (AFP PHOTO / ANDREY KRONBERG)
    Die Ukraine fordert die Auslieferung von Ex-Präsident Viktor Janukowitsch, derweil er in Rostow am Don eine Pressekonferenz gab. Er betrachtet sich als amtierender Präsident: "Wenn der Präsident nicht zurückgetreten und lebt – und sie sehen, dass ich lebe, und wenn es kein Amtsenthebungsverfahren im Parlament gab, ist er der amtierende Präsident. Das Spektakel, das dort im Parlament stattgefunden hat, die Gewalt gegen Abgeordnete, erkenne ich nicht als Amtsenthebung an und werde es nie tun."
    Er sei nicht geflohen, sondern von Kiew nach Charkow umgezogen. In Rostow gewähre ihm ein alter Freund Asyl. Die derzeitigen Machthaber in Kiew nennt er Banditen, Nationalisten, Radikale, die die Macht usurpiert, an sich gerissen hätten, sie sollten umkehren, er erkenne er nicht an. Was gegenwärtig auf der Krim geschehe, zeige, dass sich die Krim diesen Radikalen nicht beugen wolle.
    "Ich habe nie einen Schießbefehl gegeben"
    Er wurde gefragt, ob er sich schäme. Ja, sagte er und deswegen wolle er sich entschuldigen bei dem ukrainischen Volk, dass er das Leid nicht verhindern konnte; und bei den Angehörigen der Polizeisondertruppe Berkut: "Ich habe nie einen Schießbefehl an die Miliz gegeben. Die war unbewaffnet. Erst als massiv auf sie geschossen wurde, hat sich die Miliz bewaffnet."
    "Ich habe mich mit Berkut-Vertretern getroffen und mich bei ihnen entschuldigt. Sie waren unbewaffnet, wurden beschossen, mit Molotowcocktails beworfen. Ich entschuldige mich bei diesen mutigen Leuten, die unschuldig leiden mussten."
    "Zynischer Betrug des Westens"
    Es waren die Berkut-Heckenschützen, die am Donnerstag voriger Woche Dutzende Demonstranten gezielt erschossen hatten. Der neue Innenminister Awarow hat die Berkut aufgelöst, Russland hat entlassenen ukrainischen Polizisten Arbeit angeboten. Offen und mehrfach beschuldigte der am Sonntag aus der Ukraine geflohene Ex-Staatschef den Westen für die Krise des Landes, er und das ganze Volk seien zynisch betrogen worden. Der Westen als Garant der Abmachung habe nicht eingegriffen, als diese nicht eingehalten wurde. Dieses Szenarium des Terrors und Chaos sei nicht in der Ukraine geschrieben worden: "Für die Nichterfüllung der Vereinbarung ist ganz und gar der Westen verantwortlich."
    Janukowitsch beschuldigt die Maidan-Anhänger, dass sie weder die Waffen abgegeben noch die Plätze und Straßen geräumt hätten. Er habe immer den friedlichen Weg gewollt, er fürchte Untersuchung nicht, die würden die Wahrheit ans Licht bringen. Russland, das ihm Asyl gewährt, fordert er zum Eingreifen auf, den Terror zu beenden, mit welchem Rezept, wisse er nicht, aber die Ukraine solle als Ganzes erhalten belieben. Er sei verwundert über Präsident Putin: "Russland muss handeln, es ist verpflichtet dazu. Obwohl ich den Charakter von Wladimir Putin kenne, erstaunt es mich, dass er bis jetzt so zurückhaltend ist und schweigt."
    In der Schweiz wird gegen Janukowitsch und dessen Familie wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Das beunruhige ihn nicht, er habe keine Konten im Ausland.
    Kiew besorgt über die Lage auf der Krim
    Kiew reagiert höchst besorgt auf die Flughafenbesetzungen auf der Krim, der amtierende Präsident Oleksander Turtschinow hat an Russland appelliert, sich an die festgeschriebenen Regeln für die Schwarzmeerflotte auf der Krim zu halten.
    Das ukrainische Parlament verabschiedete heute eine Erklärung, die sich an die Garantie-Staaten für die Ukraine wandte. Als das Land 1994 seine Atomwaffen abrüstete, hatten sich die USA, Großbritannien und Russland in dem sogenannten Budapester Memorandum verpflichtet, für den Schutz der Ukraine zu sorgen.