
Ein Teil der europäischen Bevölkerung sei der Ansicht, dass nur Russlands Präsident Putin und sein Umfeld diesen Krieg führten. Das sei aber eine "infantile Illusion". Es handele sich vielmehr um eine "schmerzhafte Frage von kollektiver Verantwortung". Der Schriftsteller, der 2022 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, verwies auf insgesamt rund zwei Millionen russische Bürger, die als Soldaten an dem Krieg teilnähmen oder teilgenommen hätten. Es sei daher der richtige Weg, dass der Krieg nach Russland getragen werde.
Krieg als "verlorene Jahre"
Mit Blick auf die Menschen in der Ukraine bezeichnete Zhadan die Kriegszeit als "verlorene Jahre für alle". Betroffen sei mit Kultur, Bildung und Medizin die gesamte Gesellschaft. Der Schriftsteller führte aus, der Krieg verändere die Realität und nehme überall Einfluss in Form von Einschränkungen und Grenzen. Auch positive Entwicklungen etwa in der Rüstungsindustrie oder in der Versorgung von Schwerverletzten änderten daran nichts. Die Erinnerung an Verstorbene müsse als Impuls dienen, Veränderungen anzustreben.
Bewertung von außen unwichtig geworden
Bei der Zusammenarbeit mit anderen Ländern sei es den Ukrainern mittlerweile nicht mehr wichtig, wie sie von der Welt wahrgenommen würden, sagte Zhadan. Bei Kriegsbeginn habe man auf Reaktionen aus den USA und Deutschland gewartet. Nachdem diese verspätet und ungelenk erfolgt seien, habe man verstanden, dass man sich nur auf sich verlassen könne. Zugleich hob der Autor hervor, dass man mit internationalen Partnern konstruktive Beziehungen führen müsse.
Das ganze Interview der Woche mit Serhij Zhadan hören Sie am Sonntag ab 11.05 Uhr im Deutschlandfunk oder schon jetzt in der Deutschlandfunk-App.
Diese Nachricht wurde am 20.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
