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StartseiteCampus & Karriere Deutsche Schüler schreiben immer schlechter mit der Hand01.04.2015

Umfrage Deutsche Schüler schreiben immer schlechter mit der Hand

Einer Umfrage des Deutschen Lehrerverbands zufolge schreiben immer mehr Schüler unleserlich und zu langsam, wenn sie mit der Hand schreiben. Das liege auch am geringen Interesse der Jugendlichen. Dabei sehen Lehrer einen Zusammenhang zwischen Handschrift und Bildungserfolg.

Von Stefan Maas

Die Hand einer Frau, die einen Brief mit einem Füllfederhalter schreibt. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
Mehr als 60 Prozent der Schüler bereitet der Umfrage zufolge längeres Schreiben mit der Hand Schmerzen. (dpa / picture alliance / Tobias Hase)
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Weiterführende Information

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Deutsche Schüler werden schlechter. Zumindest wenn es um ihre Handschrift geht. Unleserlich, zu langsam – und weh tut es mehr als 60 Prozent außerdem, das längere Schreiben mit der Hand. Je älter die Schüler, umso größer das Problem. Das zeigt eine Umfrage, die der Deutsche Lehrerverband gemeinsam mit dem "Schreibmotorik Institut Heroldsberg" gestartet hatte. Beteiligt daran haben sich mehr als 2000 Lehrkräfte aus ganz Deutschland. Von der Grund- bis zu weiterführenden Schule.

Sind laut der Umfrage fast 60 Prozent der Grundschullehrer mit der Handschrift noch sehr zufrieden, zufrieden oder nennen sie "befriedigend", fällt dieser Wert an weiterführenden Schulen drastisch ab. Hier sind nur noch knapp über 20 Prozent der Lehrer zufrieden mit dem, was Ihre Schüler ihnen zu lesen geben.

"Wir sehen also hier eine Verschärfung der Problemlage an den weiterführenden Schulen", sagt der Schreibmotorikforscher Christian Marquardt.

Die Gründe für eine schlechte Handschrift unterscheiden sich – je nachdem ob Grund- oder weiterführende Schule. Vermuten die Lehrer an der Grundschule vor allem schlechte Feinmotorik oder zu wenig Übung zu Hause, ist es an weiterführenden Schulen eher das geringe Interesse der Schüler am Schreiben mit der Hand.

So unterschiedlich die Gründe, so einig sind sich die meisten Lehrer bei den Konsequenzen. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen Handschrift und Bildungserfolg:

"Ich glaube nicht, dass Lehrer Kinder schlechter benoten, weil es schlecht lesbar ist. Es ist auf vielen Ebenen ein Problem, das geht mit dem Kind selbst los. Mit dem Selbstwertgefühl. Wir sehen, dass Kinder, die schlecht schreiben, negativ dem Schreiben gegenüber eingestellt sind, negativ Hausaufgaben gegenüber eingestellt sind, Angst haben teilweise vor den Schulaufgaben."

Kinder, die gut schreiben könnten, machten vielleicht auch mehr Hausaufgaben und würden dadurch besser benotet – und wären deshalb motivierter.

"Die Lehrer sind dann auch manchmal nicht in der Lage, die Hintergründe genau zu erfassen. Und sehen dann vielleicht ein schlampiges Schriftbild und interpretieren das als eine Art von Motivationsschwäche oder dass das Kind sich vielleicht nicht genug Mühe gegeben hat. Das heißt, es kann zu Fehlinterpretationen kommen und das kann sich auf den schulischen Erfolg auswirken."

Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der sich vehement für mehr Handschrift und weniger Multiple-Choice-Aufgaben oder das Schreiben mit Tablet oder PC aussprach, fürchtet, die Fähigkeit gut mit der Hand zu schreiben – oder eben nicht, führe zu einer Spaltung der Schülerschaft:

"Dass Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern, wie man so schön sagt, dieses Kulturgut noch mitbekommen. Und dass Kinder aus bildungsferneren Elternhäusern das nicht mehr mitbekommen."

Der Lehrerverband und das Schreibmotorik-Institut, das zwar auf seine Unabhängigkeit verweist, aber vom Schreibgerätehersteller Stabilo unterstützt wird, plädieren dafür, den Schreibunterricht von Anfang an anders auszurichten:

"Wir würden den ersten Teil des Schreibunterrichts, wo sehr viel Wert auf die Form gelegt wird, eher verkürzen bis zu dem Zeitpunkt, wo Kinder die Form prinzipiell verstanden haben. Und dann eigentlich auf Bewegungslernen umschalten. Das bedeutet, dass man sehr viel mehr umgestalten muss, das man sehr viel mehr Erfahrung sammeln muss, was lesbar ist und was nicht, und dass Kinder schon zu einem früheren Zeitpunkt mit einer schnelleren Schrift ausgestattet sind."

Denn es geht nicht so sehr um eine besonders schöne Schrift erklärt Marquart, auch dabei könnten sich Schüler quälen. Es geht um Alltagstauglichkeit. Um Geschwindigkeit. Entgegen dem landläufigen Vorurteil haben Mädchen übrigens keinen Startvorteil bei der Schönschrift. Sichtbar wird das erst später:

"Mädchen schreiben am Schluss lesbarer als Jungs. Das liegt daran, dass Mädchen besser in der Lage sind, ihre Schrift umzuformen. Und das hat etwas mit Motivation zu tun. Mädchen sind motivierter, an ihrer Schrift zu arbeiten, als Jungen."
Das äußere sich, sagt der Forscher, am Ende in den motorischen Problemen und in der Unlesbarkeit.

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