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Umweltagentur: EU wird künftig CO2-Zertifikate versteigern

Die Zuteilungsmenge von CO2-Zertifikaten in der EU müsse sich ändern, sagt Katja Rosenbohm. Die Sprecherin der Europäischen Umweltagentur schlägt vor, dass diese Verschmutzungsrechte nicht mehr kostenlos vergeben, sondern bei Auktionen verkauft werden.

Jule Reimer im Gespräch mit Katja Rosenbohm | 24.10.2012

Jule Reimer: Laut "Financial Times Deutschland" ist er vom Tisch, der geplante Steuerbonus, den Hausbesitzer erhalten sollten, wenn sie ihr Gebäude dämmen oder neue Heizungen einbauen lassen. Er ist gescheitert am Widerstand der Länder, die Angst vor Einnahmeverlusten hatten. Stattdessen wolle der Bund Hausbesitzern im Alleingang einen Zuschuss zahlen, wenn diese ihre Häuser energetisch sanierten, heißt das noch unbestätigte Gerücht. Sinn der Aktion: CO2 einsparen, die Klimaerwärmung bremsen. Dazu kommen heute gute Nachrichten aus Kopenhagen von der Europäischen Umweltagentur(*). Katja Rosenbohm ist deren Pressesprecherin. Wie lauten die guten Nachrichten?

Katja Rosenbohm: Ja guten Tag aus Kopenhagen. Die Europäische Union hat im letzten Jahr beziehungsweise vom Jahr 2010 bis 2011 ihre Treibhausgasemissionen um 2,5 Prozent reduziert, und das ist insofern eine gute Nachricht, da wir eigentlich eine Entkoppelung vom Wirtschaftswachstum erreicht haben, denn im gleichen Zeitraum ist das Wirtschaftswachstum um 1,5 Prozent gestiegen.

Reimer: Aber der Winter war auch warm.

Rosenbohm: Der Winter war auch warm, das ist richtig, aber es gibt natürlich noch viele andere Faktoren und vor allem Maßnahmen, die ergriffen worden sind, politische Maßnahmen, die dazu beigetragen haben. Der Anstieg erneuerbarer Energien, zunehmende Energieeffizienzmaßnahmen und auch der Emissionshandel haben dazu beigetragen.

Reimer: Stichwort Emissionshandel. Klimaschützer klagen, dass viel mehr CO2 eingespart werden könnte, wenn die EU-Kommission nicht so viele CO2-Emissionszertifikate, also Verschmutzungsrechte, kostenlos auf den Markt geworfen hätte. Die gibt es so billig zu kaufen, dass es heutzutage gerade egal ist, ob der Strom aus CO2-freien Quellen, oder aus einem alten Kohlekraftwerk kommt.

Rosenbohm: Nun, der Emissionshandel ist ja noch ein ganz junges Instrument. Er ist im Moment in seiner zweiten Handelsperiode. Wir stehen an der Schwelle zur Dritten, die im Jahre 2013 beginnt. Und die Erfahrungen zeigen, dass sicherlich dort an den Zuteilungsmengen gearbeitet werden muss. Die Europäische Union hat sich dazu aber bereits verpflichtet, die Ziele stärker zu reduzieren. Es wird eine 1,7-Prozent-Reduktion geben ab dem Jahre 2013 linear, sodass wir im Jahre 2020 sicher 21 Prozent reduzieren gegenüber dem Jahr 2005. Und zusätzlich, was auch sehr wichtig ist, dass die Auktionsmethoden oder die Zuteilungsmethoden radikal geändert werden. Es wird nur noch die Auktionierung als Regel geben, ...

Reimer: Also der Verkauf?

Rosenbohm: Der Verkauf, genau. Die kostenlose Zuteilung ist die Ausnahme. Auf jeden Fall wird der Anteil von heute etwa drei Prozent Auktionierung auf mindestens 50 Prozent ab dem nächsten Jahr steigen.

Reimer: Wir haben im vorhergehenden Beitrag gehört, die Industrie klagt über hohe Preise im europäischen Vergleich in Deutschland für Strom. Für die Verbraucher in Deutschland wird alles teurer, die Sanierung von Gebäuden ist nicht für umsonst, die Strompreise gehen in die Höhe. Ist das ein hoher Preis für weniger CO2?

Rosenbohm: In Deutschland ist die Energiewende sicherlich im europäischen Vergleich ein sehr ambitioniertes Projekt. Aber es ist auch so, dass andere Länder darauf schauen, und wir wissen, dass die fossilen Energieträger auslaufen werden in der Zukunft, dass wir eh auf einen Umstieg der Energieträger setzen müssen in Europa, und da ist Deutschland auf jeden Fall Vorreiter, sowohl was die Ziele angeht, als auch, was die Umsetzung im Moment angeht. Und wir gehen davon aus, dass andere Länder dem folgen werden. Die Strompreisentwicklung möchte ich von hier aus nicht kommentieren. Es ist jedenfalls so, dass da auch eine Übergangszeit mit verbunden ist, aber dass es auf jeden Fall auch technologische und wirtschaftliche Innovationen geben wird, die Deutschland dann auch weiter voranbringen werden in der Zukunft.

Reimer: Danke schön! - Das war Katja Rosenbohm, Sprecherin der Europäischen Umweltagentur(*) mit Sitz in Kopenhagen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

(*) Anm. d. Red.: Irrtümlich war in einer ersten Fassung der Interviewabschrift Katja Rosenbohm als Sprecherin der Europäischen Energieagentur geführt, die Organisation heißt aber Europäische Umweltagentur (European Environment Agency).