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StartseiteCorsoUnd diese Biene, die ich meine, die heißt Maja13.09.2012

Und diese Biene, die ich meine, die heißt Maja

Neue Folgen der Kinderserie werden produziert

Die Biene Maja und ihre Abenteuer werden in diesem Monat 100 Jahre alt. Doch erst als Josef Göhlen, damals Redakteur beim ZDF, 1976 eine Filmtrickserie für Kinder mit der Biene Maja ins Programm holte, wurde sie so richtig populär.

Von Solveig Floerke

Die Geschichte der Biene Maja ist inzwischen schon 100 Jahre alt (picture alliance / dpa / Studio 100 Media)
Die Geschichte der Biene Maja ist inzwischen schon 100 Jahre alt (picture alliance / dpa / Studio 100 Media)

Maja: "Na gut, meinetwegen. Ich bleibe hier als Geisel"
Thekla: "Na sowas muss man erlebt haben. Ist das dein ernst?"
Willi: "Nein, Maja, mach es nicht, Maja! Sie hat es doch gemacht, die Dumme, jetzt hat die Spinne sie."

So kennen sie Generationen: die Biene Maja. Eine gelb-schwarz gestreifte Kugel, die fliegt und spricht. Immer bereit, ihr eigenes Leben für Andere zu opfern. In diesem Fall hätte sie sich sogar von der bösen Spinne Thekla fressen lassen, um ein anderes Insekt zu retten, quasi als Ersatz.

Maja und Willi: "Was für einen Ersatz?!"

Als Josef Göhlen ein Junge war, gab es noch keine Biene Maja im Fernsehen, aber er hatte Bonsels Buch gelesen. Auf der Suche nach einer neuen Kinderserie fiel ihm Jahre später dieser Bonsel-Klassiker aus dem Reich der Insekten wieder ein. Josef Göhlen war mittlerweile Redakteur beim ZDF und verantwortlich für das Kinderprogramm:

"Wir suchten einen neuen Titel, nach dem Wickie 1978 abgelaufen war. Und da fiel mir ein, dass ich in meiner Kindheit ein Buch gelesen hatte über Insekten. Und da war eine Biene drin. Und dann fand ich das Buch in irgendeinem Archiv wieder und habe gesagt: Das ist das Richtige, denn die Figur ist wunderbar, die Wiese bringt viele Abenteuer mit, die Biene ist sympathisch. Nur müssen wir denen noch ein paar Zusatzfiguren geben und dann kann das eigentlich ganz gut wirken."

Majas Abenteuer auf der Mattscheibe prägten Generationen. Beinahe jeder 20- bis 26-jährige Deutsche kennt die Biene Maja und verbindet mit ihrem Aussehen die japanischen Zeichnungen aus den 70er-Jahren.

"Da damals Japan auf den deutsch-europäischen Markt drängte, suchten sie deutsche Stoffe und haben dann mit uns 104 Folgen Maja á 25 Minuten gemacht."

Zum 100. Jahrestag der Buchveröffentlichung ist Waldemar Bonsels wieder in aller Munde. Josef Göhlen ist sich jedoch sicher, dass dies ohne die erfolgreiche Fernsehserie von 1976 nicht der Fall wäre.

"Zu dem Zeitpunkt, als wir das Buch verstaubt aus dem Archiv gezogen haben, war eigentlich die Maja vergessen. Und der Bonsels: Keiner wusste was anzufangen mit dem Autor. Erst als die Serie populär wurde, begann es, dass man sich für Bonsels wieder interessierte, für das Buch interessierte. Jetzt hängen sich Wissenschaftler dran, es wird in Facebook gearbeitet, und drumherum. Ohne die japanisch-deutsch-österreichische Maja wäre das Buch schon vergessen."

Der riesige Erfolg der Fernseh-Maja lag vor allem auch an diesem prominenten Sympathieträger:

"- "Willi, du lebst also noch."
- "Willi ich bin's, Johann."
- "Johann, ich kenne keinen Johann.""

Aber Willi, den kennt jeder. Auch wenn er im Buch von Waldemar Bonsels eigentlich gar nicht vorkam. Willi, das glatte Gegenteil von Maja: ängstlich, vorsichtig und alles andere als bienenfleißig.

"Es musste der Maja ein Partner an die Seite gegeben werden, mit dem sie sich ärgern kann, der komisch sein sollte. Der sollte der Bouffon sein. Und da fiel mir aus meinem Wissen über die Bienen ein, dass die Drohnen im Bienenstock eigentlich die faulen sind und sich füttern lassen und so kam der Willi zustande."

Seine unverkennbare Stimme lieh Eberhard Storeck dem verschlafenen Willi und führte gleichzeitig Regie. Geplant war sein Sprechereinsatz zunächst nicht, wie sich Ensemblemitglied Michael Rüth erinnert:

"Weil der Junge, der den Willi eigentlich sprechen sollte, im Studio versagt hat und das Studio war aber gebucht und der Mann vom ZDF war dabei und dann hat der gesagt: Ach, jetzt versuche ich es selber Mal und dann haben wir alle geschrien. Ja, das ist es doch, das ist es doch! Und dann hat er auch den Willi gemacht und gesungen."

Mit Michael Rüth konnte ein damals schon sehr bekannter Synchronsprecher verpflichtet werden. Er wirkte in der Muppets Show mit. Bei der Adams-Family sprach er Onkel Fester. Heute ist er als Grandpa der Simpsons und als Winnie Poo bekannt. Für die Maja-Serie synchronisierte er gleich mehrere Figuren: Kurt, den Mistkäfer, Wieland, den Borkenkäfer oder auch Max, den Regenwurm.

"Man wollte für den Regenwurm Max eine junge, unschuldige und naive Stimme haben. Und da hat der Regisseur, der Eberhard Storeck gesagt, da kenne ich einen, das ist der Michael Rüth. Und so haben wir es gemacht."

Mit dem ungeheuren Erfolg der Serie hatte Michael Rüth allerdings nicht gerechnet – obwohl ihm die erste Hörprobe direkt gefallen hat:

"Also, als ich das das erste Mal gesehen habe, den Titel, den Karel Gott gesungen hat, da war ich hin und weg und dachte: sowas Süßes, sowas Entzückendes. Und da war ich froh, dass ich dabei sein durfte. In einem unbekannten Land, dum de dum, das hat ja wunderbar gepasst."

Auch die Titelmusik von Karel Gott hatte daran ihren Anteil. Sie wurde in über 40 Sprachen übersetzt, wie zum Beispiel ins Holländische, ins Russische oder auf Englisch.

"Nach der 52. Ausstrahlung waren wir es Leid, dieses Lied zu hören, und haben für die nächsten 52 Folgen ein neues Titellied bestellt bei James Last. Das hat er auch gemacht. Wir haben es vor die Serie gesetzt und das ist zehn Mal gelaufen und dann kam ein solcher Protest vonseiten des Zuschauers, dass wir wieder zurückgegangen sind zu Karel Gott und nun ist es ein Kultschlager."

Auch die Kultsendung wird in der Animationsabteilung des Studio100 in Paris gerade erneuert. Nur noch elf statt 25 Minuten sollen die neuen Folgen der Biene Maja dann für das ZDF dauern, außerdem sind sie schneller geschnitten und per Computer modelliert. Die Abenteuer bleiben aber die gleichen und Maja ganz die Alte - mit 100 Jahren eine beachtliche Leistung.

"- "Komm mit Maja, dem Flip geht es gar nicht gut."
- "So, was hat er denn?"
- "Ich glaube einen verdorbenen Magen"
- "Na dann los, Männer.""

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