Die Beschlüsse, die beim Umweltgipfel von Johannesburg getroffen wurden, erfüllen sich nicht von allein. Dafür sind ständige Bemühungen notwendig - von allen: den internationalen Organisationen, den Staaten, den Nicht-Regierungs-Organisationen, den Wissenschaftlern, damit diese Entscheidungen wirklich in Taten umgesetzt werden. In Johannesburg wurden allgemeine Ziele festgesetzt, ein Datum. Aber niemand hat präzisiert, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
Vor allem Australien, Neuseeland und Kanada haben seither eine Vorreiter-Rolle übernommen, bemerkt der Leiter der Unesco-Meeres-Kommission auf Regierungsebene (IOC), Patricio Bernal:
Australien hat eine sehr interessante Meeres-Politik. Dort müssen bestimmte Ziele erfüllt werden, gleichzeitig werden bestimmte Aktivitäten in allen wirtschaftlichen Bereichen eingeschränkt. Kanada verfügt über ein Meeresgesetz, das allen Ministerien exakt vorschreibt, welche Ziele sie auf nationaler Ebene erreichen müssen beim Meeresschutz. Beide Länder haben also Richtlinien. Dadurch sind alle Beamten der Ministerien politisch und verwaltungsmäßig verantwortlich. Es wurde ein System eingerichtet, das den Bürgern gegenüber Rechenschaft ablegt. Die Bürger wissen, was mit dem Ozean passiert.
Frankreichs Präsident Chirac verglich in Johannesburg die drohende globale Umwelt-Katastrophe pathetisch mit einem brennenden Haus. Gleichzeitig mahnte er die Weltöffentlichkeit, sich bewusst zu werden, dass die heutige Generation die letzte sei, die noch rechtzeitig gegensteuern könne. Auf der Pariser Konferenz ließ die französische Umweltministerin Bachelot nun den Worten Chiracs Taten folgen - zum großen Erstaunen nicht nur des Umweltrecht-Wissenschaftlers Jorge Varela von der internationalen Meeresschutz-Organisation Oceana:
Wir fordern ein Ende der Subventionen für Fischfang. Die Europäische Union subventioniert einige Fischfang-Flotten. Der Gipfel von Johannesburg forderte letztes Jahr ein Ende dieser Subventionen, die zu verstärktem Fischfang und damit letztendlich der Ausrottung bestimmter Fischarten führt. Die französische Umweltministerin engagierte sich hier in Paris in extremer Weise für einen verstärkten Meeresschutz. Für mich war das eine wirkliche Überraschung, weil Frankreich bis dahin den Subventions-Abbau für Fischfang nicht unterstützt hatte. Viele waren davon überrascht und wir sind uns darüber klar, dass Frankreich hier eine große Anstrengung vollbringt.
Der Aktionsplan zum Schutz der Meere soll auch die Gründung eines weltweiten Meeres-Fonds umfassen. Doch wichtiger als Geld ist politischer Wille und Bürgerbewusstsein, bemerkt der Ko-Direktor der UN-Organisation für Meeresschutz (UNICPOLOS), Phil Burgess:
Ich glaube auch nicht, dass wir noch mehr gesetzliche Instrumente auf internationaler Ebene für den Meeresschutz benötigen. Wir haben die besten Rahmengesetze, die man sich vorstellen kann. Wichtiger ist nun die Aufklärung der Bevölkerung. Eines der Ziele dieser Konferenz ist es, ein weltweites Netzwerk von Meeresschutz-Zonen zu erstellen, damit die biologische Vielfalt dieser Meereskulturen erhalten bleibt. Eine Art Lebensversicherung für die Zukunft.
Australien ging wieder einmal mit gutem Beispiel voran und kündigte an, die Naturschutz-Zone des Großen Korallenriffs zu vergrößern: von derzeit fünf Prozent auf künftig 30 Prozent der Meeres-Fläche.